Fujifilm X-E2 - meine neue Kamera

Lange genug hat es gedauert (seit 2013 suche ich eine Alternative oder Ergänzung zu meinem Equipment), bis ich mich dann endlich nach der Galapagos Reise entscheiden habe und vor Falkland zuschlagen mußte. Der Grund lag bei Galapagos in der schnellen Reportage Arbeitsweise, die einem die Zodiac Exkursionen mehrmals am Tag abfordern. Bei einer Stunde Fotozeit pro Landung, muß man sehen, das man seinen Motivzettel abgearbeitet bekommt. Häufiges Wechseln der Linsen ist da kaum drin. Wenn also für die Tierfotos beide Nikons mit 300mm und 70-200mm belegt sind, braucht man für die Doku und Übersichten und das schnelle Urlaubsfoto zwischendurch ein drittes Gehäuse, möglichst klein, aber leistungsfähig. Der Kauf war ein gut überlegter, wie einige Beiträge seit 2013 in meinem Blog ja belegen. Die neue Kamera war ein Glücksfall für Falkland. Wir hatten ständig Sturm oder doch zumindest starken Wind. Wenn man dann wegen des Lichts gegen den Wind vor einer Kolonie sitzt, bekommt man den ganzen Dreck ins Gesicht geweht, den die Vögel so aufwerfen. Und das ist nicht nur Bodenmaterial... Objektive wechselt man unter solch schmutzigen Bedingungen eher ungern. Da ist die dritte Kamera ein Segen.

Nikon bringt nichts brauchbares zustande, nachdem sie die Coolpix A (festes 18mm am APS-C Sensor) haben 2015 auslaufen lassen. Ich hatte aufeinen Nachfolger wieder mit APS-C Chip gehofft, diesmal aber mit Wechseloptik. Statt dessen kommen immer neue "Kleinchipknipsen" im CX Format (1" Sensor, ca. die Hälfte von MFT oder ein Viertel von APS-C). Jetzt zuletzt die "DL" Reihe. Da hatte ich mich aber schon für Fuji entschieden, glücklicherweise.

 

Sie sieht chic aus, ist aber bloß eine Kleinchipknipse ohne Sucher, die neue Nikon DL Reihe im CX Format. Die Sonnenblende ist mal wieder Zubehör und muß extra bezahlt werden. Dafür ist mir das Ding mit über 1.000 € viel zu teuer. (Foto: Nikon Rumors) Meine X-E2 mit 2/18mm und Fuji-typischer Sonnenblende. Der rechteckige Gummideckel ist das Erste, was man verliert. Die SB ist sicherlich funktional klasse und sieht auch gut aus. Leica hat für sein neues Q Modell jetzt auch so eine, aber mit einem runden Deckel, der über die ganze Blende bis zum Objektiv reicht... Gut die Kamera kostet mit fixem 1,7/28mm auch bloß schlappe 3.999 Euronen, da kann man einen guten Objetivdeckel schon erwarten. Ich habe im Dezember bloß 720 € für ein neues Gehäuse und Objektiv bezahlt. Jetzt, wo die X-E2 mit Software update 4.0 quasi so gut wie das neue Modell X-E2s ist, sind die Preise sofort wieder rauf gegangen für die X-E2  © Achim Kostrzewa

 

Es gab eine Menge guter Gründe für das Fuji X-System:

nur um die wichtigsten zu nennen.

Saunders (Falkland) Küste unterhalb des Mt.Rookery         Fuji XE 2, 2/18mm  © Achim Kostrzewa

 

Nachdem ich jetzt in Falkland über 1.000 Bilder damit gemacht habe und die Zeit hatte, mich mit der Kamera vertraut zu machen, bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden.

Dazu kommt, das Fuji, im Gegensatz zu allen anderen Herstellern, seine Kunden an der Fortentwicklung der Technik teilhaben läßt! Neue Entwicklungen beim AF, die das Nachfolgemodell X-E2s jetzt bekommt, werden, soweit sie Software mäßig ins alte Modell implementierbar sind, demnächst als Update verfügbar sein. Die wenigen Hardware Änderungen bleiben natürlich dem neuen Modell vorbehalten.

Hallo Nikon, bei Euch muß man dann gleich eine NEUE KAMERA kaufen. Updates für alte Modelle gibt es nur für neue Objektive, wenn überhaupt...

Die X-E2 im Kreise meiner viel benutzten Nikkore, es gibt noch mehr. Alle funktionieren prima mit dem Adapter. Auf der Reise hatte ich nur das 24er und 55er Mikro-Nikkor mit. Mit beiden Objektiven habe ich auch Auto-Panos gemacht.  ABER: keine EXIFs, also wie früher, man braucht ein Notizbuch...

Alles paßt, das 105er aus den 1960er Jahren genauso wie die neuesten 24er oder 55er Linsen, die bis 2006 noch unverändert gebaut wurden. Meine sind aus den späten 1990er Jahren. 28 + 35 + 50mm stammen aus dem Zeitraum 1977-80. Ein schönes 1,4/50er und ein 4/200mm, beide mit Berg-und-Tal Entfernungsring (wie das abgebildete 105er) aus den 1960ern gehören zu meiner wunderschönen Nikon F "Apollo" von 1972. Aus den 1980ern kommen noch ein AIS 4/105 Micro Nikkor und das legendär gute AIS 4/80-200 N Zoom dazu. Alle AF Linsen mit Blendenring, wie das AF 1,8/85 sind auch problemlos adaptierbar. Einzig die G-Objektive (ohne Blendenring) benötigen einen speziellen Adapter (z.B. von Novoflex), um die Blende zu bedienen. Und wenn das nicht reichen sollte, gibt es bei Fuji auch noch einige optische Perlen...

 

Nun ist Fuji schon lange ein Hersteller für Profis. Fuji baut die meisten Videoobjektive für Fernsehkameras und Hollywood taugliche Filmkameras. Fuji baute die komplette Hasselblad X-Pan Serie (also die Kamera und drei Objektive dazu), wie man an den charakteristischen Sonnenblenden der Fuji X-Objektive  sehen kann (und in Japan wurden die Geräte preiswerter unter dem eigenen Namen verkauft). Für die digitale Hasselblad H-Serie baute Fuji Kameras + Objektive und vieles mehr. Wahrscheinlich war das optisch hoch gelobte 4,8/60-120 FE für die Schlitzverschluß F2000 oder 200 Bodies der V-Serie auch von Fuji; vorher waren die Lieferanten ausschließlich Carl Zeiss für die Festbrennweiten und Schneider-Kreuznach für das Zoom 140-280 und das 55mm Shift+Tilt.

Die Fuji-Leute können und wollen Qualität bauen, das merkt man sofort, wenn man diese X-Kameras - hatte auch eine XT-1 probiert -  in die Hand nimmt und die Funktionen durchprobiert.

 

Was hier klaglos an Kontrast verarbeitet wird, kann sich sehen lassen. Wetterwechsel auf Carcass Island. Kontrast minimal und Sättigung etwas mehr angehoben, sonst nix. Fuji XE 2, 2/18mm  © Achim Kostrzewa

Man kann die Kamera auf seinen Arbeitstil einstellen. Habe mir auf die beiden programmierbaren Tasten die ISO und die Auswahl des AF Feldes gelegt. Mit dem jetzt gerade neu verfügbaren Update (4.0) wird es nun zwei (?) weitere frei programmierbare Tastenfunktionen geben und die Wahl des AF Feldes wird gleich den Pfeiltasten zugeordnet. Mal sehen, was ich damit mache, wahrscheinlich auf den Weißabgleich und die Bildfrequenz direkt zuzugreifen. Ich liebe es ja das meiste manuell einzustellen und benutze keine ISO Automatk, lasse den AF nicht selbst entscheiden auf was er scharf stellen will, muß immer die volle Kontrolle behalten, wie ich es von meinen Nikons seit je gewohnt war.

Dafür habe ich sie haben wollen, das schnelle Dokufoto zwischendurch. Was man dann als "making of..." z.B. bei Seminaren nutzen kann. Fuji XE 2, 2/18mm  © Achim Kostrzewa.

Und so sieht das eigentliche Bild dazu aus:

Seeelefant im Portrait. (An die drei EEE kann ich mich kaum gewöhnen...) Dä "Jung" hätt dä Schnobs (Schnupfen). Im rechten Auge spiegelt sich die nebenstehende Person. Nikon FX mit 4/300 bei f/11    © Achim Kostrzewa

 

Einige kleine Erbsen gibt es natürlich

Abhilfe habe ich beim Objektivzubehör mit Nikonteilen geschaffen, für 52mm Filterdurchmesser habe ich Deckel und auch verschiedene Sonnenblenden. Die stülbbare Gummi-SB HR-4 und ein 52mm Nikondeckel, den ich auch mit meinen großen Händen gut greifen kann und fertig ist die Laube. Die Kamera ist dann auch weniger tief und paßt mit dem 18er besser in die Parka- oder Manteltasche. Die neue Software 4.0 wird wahrscheinlich das Menue noch unnötiger machen und mit der RAW-Software muß ich mal schauen, was es an Alternativen gibt. Der spezielle nicht-Bayer-Filter-Sensor, den Fuji als "X-Trans" bezeichnet, wird nicht von allen RAW Convertern gut verarbeitet, besonders bei Adobe Produkten soll es hapern... Aber die benutze ich sowieso nicht, von wegen Zwangs-Abo und "Cloud.**"

* siehe Handbuch SILKY PIX Raw Developer Studio 4.0; Franzis Verlag 2010, steht als PDF im Netz. Hier wird auch auf die besondere Qualität dieses speziellen RAW Converters für den Fuji Trans-X Sensor hingewiesen

**Wenn ich in der Antarktis oder in Grönland/Spitzbergen ohne Netzanbindung am Computer arbeite, brauche ich eine wirkliche "stand alone" Lösung für die Fotobearbeitung, denn gibt es kein Netz.

 

Ein Beispiel aus der Praxis:

Typische Nutzung für die kleine Fuji auf Falkland: D700 mit 300er auf dem Stativ am langen Arm, der Rest ist im Rucksack. Bin auf dem Weg zu den Felsenpinguinen. Links habe ich einen Leki Wanderstock und um den Hals am kurzem Riemen die Fuji. Also Stativ absetzen mit rechts. Nach der Fuji greifen, zielen und abdrücken in einer fließenden Bewegung, die von jahrelanger Übung herrührt. Dazu gehört natürlich, das gewisse Voreinstellungen gemacht sind: schnellste Motorsequenz, hinreichend ASA/ISO, AF-Feld an der "richtigen" Stelle, also da, wo man den Kopf des Tieres erwartet oder hin haben will, passende Blende und bei Zeitautomatik passende Belichtungskorrektur. Da genügt ein Blick auf den Himmel und die Richtung des Lichts, um zu wissen 1/3-2/3 LW überbelichten, führt zu brauchbaren Ergebnissen. Meine Kameras werden auch nie ausgeschaltet, sind immer betriebsbereit. "Be prepared" wie die Pfandfinder sagen...

Rund um die 8.000 Paare große Blauaugenscharben Kolonie auf Bleaker Island (siehe Reisebericht) brüten mehr als 20 Falkland Skua Paare (Stercorarius antarcticus). Die sind längst nicht so aggressiv wie die Skuas auf der Nordhalbkugel, sondern nehmen ihre Umwelt mit der Lässigkeit der Südamerikaner. Und sie sind sehr neugierig, wenn man da sitzt oder langläuft, wird man genau abgechecked, aber nicht angegriffen, außer man kommt den Jungen zu nahe, die in der Vegetation umherlaufen. Und selbst dann sind die „Angriffe“ sehr verhalten. © Achim Kostrzewa

Zum „making of...“: Am APS-C Sensor wirkt das 18er ja wie ein 27mm Objektiv bei Kleinbild, ist also ein „gemäßigtes WW.“ Daher war der Abstand zur Flügelspitze doch so im Bereich von einem Meter, schätze ich. Ich hab mit der Kamera einfach ohne den Sucher zu benutzen, gezielt. Ob ich dabei den Life View wirklich beachtet habe, weiß ich gar nicht genau. Es war jedenfalls deutliches Gegenlicht.  Habe das aber mit meinen Nikons – ohne Life View - schon sehr oft gemacht, also Übung. Mit 7B/sec. eine zufriedenstellende Aufnahme erzielt. Die Skua kam jedes Mal, wenn ich bei ihr vorbeikam, mehr oder weniger nah zu mir hingeflogen. Ihre beiden Jungen saßen sichtbar im Gelände mehr als 10m weit weg.

 

 

Zückerchen

Dann gibt es noch die interne Panoramafunktion: man kann im Hochformat 6400 und in Querformat 9600 Pixel breite und jeweils 2160 Pix hohe Autopanos schießen. Die Kamera stiched sofort ein JPEG. Ohne Stativ, Nodalpunktadapter oder ähnlichen Hilfsmitteln. Das funktioniert gut mit Stativ oder einen festen Standpunkt. Bei dem herrschenden Sturm auf den Falklands war es manchmal unmöglich oder die Zusammenrechnung des Einzelfotos mangelhaft, weil ich gewackelt habe, weil der Sturm mich fast umschmiß. Da kann ich die Kamera natürlich nicht für verantwortlich machen...

 

Zwei Beispiele dazu: oben Querformat 9600 Pix. Unten Hochformat 6400 Pix. Plaza Major, Santiago de Chile Neujahrsmorgen 2016. Die Chilenen schlafen noch. Fuji X-E2, 2/18mm  © Achim Kostrzewa   Zur vollständigen Darstellung der Fotos nach rechts scrollen!

Diese Funktion ist leider nur im JPEG Format möglich. Bei manueller Belichtung und einigermaßen ausgeglichenem Licht gelingen aber sofort gute Bilder. Da ist dann das 27mm (bez. auf KB Weitwinkel) gut ausreichend für solche Stadtansichten.

Wenn der Wind am Fotografen rappelt, bekommen die Bilder Artefakte, oder die Automatik schaltet ab und gibt als Meldung "Aufnahme unterbrochen" und einen Vorschlag macht sie auch "schneller schwenken" oder "gerade schwenken" erscheint auf dem Display.

Artefakte vom Verwackeln durch Sturm am Rockhopper Point auf Sea Lion Island. Wir hatten hier oben mehr als 8 Windstärken. Das hat mir fast die Kamera aus der Hand gerissen und zumindest bin ich immer wieder aus der Horizontalen gekommen, wie man am Horizont sieht. Stativ geht bei solchen Windstärken auch nicht, das vibriert. Fuji XE 2, 2/18mm  © Achim Kostrzewa   Zur vollständigen Darstellung des Fotos nach rechts scrollen!

Für jemanden wie mich, der nicht so gerne am PC Bildbearbeitung macht, ist das eine prima Methode sofort fertige Panoramen für den Reisebericht zu bekommen. Ich bevorzuge die Hochkant-Panos mit 6400 Pix Bildbreite. Da werden beim "Binning" dann 1.600 Pixel draus; das geht für die Webdarstellung noch ganz gut. Meine EBV Methoden sind hier beschrieben, falls es jemanden interessiert.

Und ich hab zum ersten Mal versucht Videos zu drehen, das klappt prima um kurze Verhaltensweisen in PPT Vorträge einzubinden, wenn vor Ort Zeit dafür bleibt.

 

Schlußbemerkung:

Ich komme mit der Kamera gut klar, auch  mit ihrem sehr gut übersichtlichen Sucher. Die vielen Informationen im Bild des Suchers stören mich bei der Komposition, aber man kann sie ja abschalten. Der elektronische Sucher ist nicht so gut, wie ein guter optischer Spiegelreflexsucher, meiner Meinung nach, auch wenn seine Befürworter sagen, man sähe das Bild so, wie es dann auch nach der Belichtung auf dem Computermonitor* zu sehen sei, also das fertige Ergebnis**. Das mag sein, daß das für viele ein Vorteil ist. Für mich nicht unbedingt, weil ich an den optischen Spiegelreflexsucher ohne störende Einblendungen seit über 40 Jahren gewöhnt bin und technisch weiß, was ich da tue und welches Ergebnis ich bekommen werde!

*Und wenn ich das recht bedenke, gilt das auch nur für JPEGs, weil die RAW Bilddateien werden im Sucher ja als irgendwie runtergerechnete JPEGs angezeigt

** Das "fertige Bild" sollte immer noch ein großes Positiv/großer Print sein. Aber die Sehgewohnheiten ändern sich. Viele junge Fotografen, die nicht im professionellen Bereich arbeiten, sehen die Ausgabe auf einem Monitor als das Non-Plus-Ultra an. Aber professionelle Bilder landen auf Plakatwänden, in Zeitschriften oder Büchern, auf Museumswänden, werden also immer noch gedruckt, und da gelten etwas andere Kriterien.

Text und Fotos © Achim Kostrzewa (3-4/2016)