Pinguine fotografieren macht Spaß!

 

… das mache ich jetzt schon seit 1995 alle paar Jahre wieder intensiv in der Antarktis, auf Südgeorgien oder den Falklandinseln.

Felsenpinguine, Falkland. Weitwinkelzoom 28-85mm aus der Hand in Bodenlage.   Foto © A. Kostrzewa

 

Wenn es sich nicht gerade um Fotos im Winter bei hohen Minusgraden dreht, kann man das mit quasi jeder Digitalkamera machen. Je kälter es wird, desto höher sind die Anforderungen an die Ausrüstung, vor allem an die Leistungsfähigkeit der Akkus. Ein Antarktisbesuch im Sommer (Südhalbkugel: Dez.-Jan.) auf der Antarktischen Halbinsel ist keinesfalls kälter als Skifahren im März. Mehr als -5°C hatten wir um diese Zeit nie. Die Tagestemperaturen liegen eher im leichten Plusbereich. Die Herausforderungen für die Kameras bestehen daher eher im Spritzwasser (Salz!) auf dem Zodiac Schlauchboot, Regen und manchmal auch Schnee.

 

Wir fahren mit dem Zodiac langsam durch Crush ice. Dabei spritzt es nicht! Wohl aber, wenn man bei Wind im freien Wasser schneller fahren muß, um größere Strecken zu überwinden. Dann müssen die Kameras wasserfest verstaut werden.  Foto © A. Kostrzewa

Nasse Anlandung, so ist das in 99% der Fälle in der Antarktis: die letzten 5-10 Meter muß man durch maximal knietiefes Wasser laufen. Stöcke und eine wasserdichte Tasche (Dry Bag) sind hilfreich. Gummistiefel obligatorisch. Die Strände bestehen oft aus rundgewaschenem Basalt.  Foto  © A. Kostrzewa

 

 

  

Anschließend sitzt man in der Adelie Pinguinscheiße hinter dem Stativ... Regenhose, Parka, Mütze und Handschuhe sind obligatorisch. Die Aufnahmen lassen einen alle Unbill schnell vergessen.  Fotos: © R. Kostrzewa, Paulet Island, Weddell Meer

 

Die beste Zeit zum Fotografieren ist daher, wenn man die Küken schon sieht und ein Teil von Ihnen auch schon im Kindergarten ist. Auf der Antarktischen Halbinsel ist dies um Weihnachten-Neujahr am besten. Je nach Wetterlage sollte man für Pinguinfotos die Reisen von Mitte Dezember bis Mitte Januar bevorzugen. Dieser Zeitraum ist leider auch der teuerste!

 

Wanderung über die Vulkaninsel Deception von Baily Head aus. Hier brüten aktuell 2016 noch 60.000 Zügelpinguinpaare. Auf den Schneefreien Kuppen werden die ersten Nester gebaut. Von stellenweise warmen Vulkanboden steigt Dampf auf.  Foto  © A. Kostrzewa

 

Kleinere Schiffe (bis 100-120 Gäste) bieten die längsten Anlandezeiten pro Person und Platz, da nie mehr als 100 Mann gleichzeitig an einer Stelle angelandet werden dürfen. Größere Schiffe müssen 2-3 Landgruppen in der gleichen Zeit anlanden, was die netto Fotozeit stark einschränkt. Auf den Landeplätzen werden „Slots“ vergeben, wie auf einem Flugplatz. Jeder Slot dauert einen halben Tag, vormittags oder nachmittags. Und wenn das Schiff z.B. wegen „Wetter“ nicht pünktlich kommt, verkürzen sich die Anlandungen entsprechend oder verfallen ganz. Daher herrscht immer reger Funk- und Mailverkehr zwischen den 30-40 Schiffen, die da in der Hochsaison unterwegs sind. Es wird getauscht und gewechselt was das Zeug hält. Wichtig für den Reiseerfolg ist, das der Expeditionsleiter und der Kapitän viel Erfahrung im Fahrgebiet haben und gute Kontakte zu den Kollegen…

So nach diesen hoffentlich hilfreichen Vorbemerkungen zu den Fotos selbst.

 

Links: Royal Penguin/Haubenpinguin auf Macquarie Island (AUS), wo es fast immer regnet (FX, 420mm). Ich lag auf dem patschnassen Strand. Selten bin ich an einem Tag so naß geworden: das Wasser stand mir in den Parkataschen. Rechts: Snares Insel (NZ) Pinguine beim Gang zum Wasser vom Zodiac aus (FX, 80-200mm) Foto  © A. Kostrzewa

Man kann nur gut und angemessen fotografieren, was man erkennt und kennt. Die Vorinformationen aus den Lektorenvorträgen sind essentiell. Besser noch schon zu Hause Bücher lesen, sich gut informieren. Die Netzaffinen sollten wenigstens die WIKI Artikel zu den einzelnen  Arten durcharbeiten, Fotos anderer Leute angucken, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was einen erwartet und wie die eignen Fotos aussehen könnten. Das kann man planen, man kann sogar Skizzen von Szenen anfertigen, die man fotografieren möchte, zumindest sollte man aber Motivlisten anlegen. Wem das zuviel „Arbeit“ ist, der kann sich zumindest ein Schema aneignen, was er für jede Art abarbeiten kann. Man wird auf einer Reise nicht alles abarbeiten können. Wir haben für unseren ersten Bildband 10 Jahre fotografiert! Um mit seinen Bildern eine Geschichte zu erzählen, braucht man eine "Drehbuch" oder ein Schema, eine Idee, was auch immer.

Vorschlag Fotoschema:

Wenn das Wetter längere Zeit naß ist und man Nachbarn hat, die einem von oben auf den Kopf scheißen...   (Scan vom Dia, 80-200mm) Foto  © A. Kostrzewa

Wer dagegen im Penthouse wohnt, wo die Sonne scheint, dem gehts gut!   Lumix FZ 20 (5 MP, 36-432mm KB eqiv.)  Foto  © R. Kostrzewa

Zügelpinguin Kolonie aud Half Moon Island. Hier wird eine alte Vulkanruine als schneefreier Brutplatz genutzt.  Lumix FZ 20   Foto  © R. Kostrzewa

 

Der wichtigste Ratschlag beim Fotografieren ist: immer möglichst auf Augenhöhe mit dem Fotosubjekt sein! Das heißt für den Fotografen runter auf den Bauch, mindestens aber im Sitzen zu fotografieren. Wenn man dann nicht im sauberen Schnee liegt, liegt man oft in der Pinguinscheiße… Das ist kein Spaß: ich habe einmal so verdreckte Klamotten gehabt, daß mich ein Bootsman auf dem Zodiac Deck erstmal mit dem Dampfstrahler vorsichtig abgespritzt hat, bevor ich meine Regenklamotten überhaupt ausziehen konnte! Stiefel, Überhose, Parka und Rucksack – alles verdreckt.

 

Das kleine Junge ist vielleicht eine Woche alt und muß gewärmt und regelmäßig gefüttert werden.   (Scan vom Dia, 300mm)  Foto  © A. Kostrzewa

Steinchen zum Nestbau klaut man am besten beim Nachbarn!   (Scan vom Dia, 300mm)  Foto  © A. Kostrzewa

Mühsam ist es zum Nest heraufzusteigen.   Lumix FZ 20    Foto  © R. Kostrzewa

 

Aber was tut man nicht alles für seine Fotos. Ganz schlecht sind Fotos aus dem Stehen nach unten fotografiert, die nageln die Pingos geradezu auf den Boden, sieht fürchterlich aus, ist aber der beliebteste Anfängerfehler…

Meine bevorzugten Kameratypen: Voll- und/oder Halbformat. Wenn man zur zwei Objektive mitnehmen kann, wären ein 24-85 und 70-300/ 100-400mm meine Wahl. Möglichst mit je einem eigenen Kameragehäuse, dann muß man nicht die Objektive wechseln und der Sensor bleibt länger sauber. Man hat zur Not ein Back-up Gehäuse. Ein leichtes, aber stabiles Stativ, wie das Novoflex Triopod begleitet mich jetzt seit fünf Jahren klaglos in Hitze (Galapagos) und Kälte (Grönland, Spitzbergen, Antarktis). Wegen der starken Temperaturschwankungen bevorzuge ich Aluminium statt Karbon! Aktuell habe ich ein 18-35, 24-120, 70-200 und 200-400, sowie zwei Vollformat Gehäuse (FX) im Gebrauch.

 

Der Weg zum eigenen Nest kommt einem Spießrutenlauf gleich. Die Nachbarn fühlen sich immer gestört. (Scan vom Dia, 400mm)  

 

Back-up braucht man immer, irgendwas geht immer mal verloren, kaputt wird naß oder Salzwasser zerstört es. In der Antarktis kann man nichts nachkaufen. Weg ist weg. Daher nie hektisch werden, alles in Ruhe vorbereiten, alles zu Hause ausprobieren und wenn die Akkus schon schwächeln sollten, gleich neue kaufen! Zu Hause kann man auch üben: Objektive wechseln, Akkus wechseln, immer alles an der gleichen Stelle in Tasche/Rucksack verstauen, bis man das im Schlaf kann. Dadurch gewinnt man Sicherheit im Umgang mit der Ausrüstung und damit später netto Fotozeit vor Ort. Und die ist zu knapp bemessen, um dann groß herum zu suchen und zu überlegen, wie ging das doch nochmal… Selbstverständlich sollte man auch die Bedienungsanleitungen auf seinem Rechner/Smartphone hinterlegt haben.

 

 

Zuviel Schnee im Sommer ist unangenehm. So gehr manche Brut in den letzten 15 Jahren verloren. Durch die Erwärmung in der westlichen Antarktis um drei Grad in 30 Jahren, regnet und schneit es im Sommer deutlich mehr als früher.   Lumix FZ 20    Foto  © R. Kostrzewa

 

Pinguine auf Augenhöhe zu erwischen geht am leichtesten, wenn man hangaufwärts fotografieren kann. Dann muß man nicht liegen, sondern kann auch sitzen oder sogar einen der praktischen, dreibeinigen Fotohocker benutzen. Für alte Säcke mit „Knie“ eine Wohltat!

 

Detailaufnahmen gelingen am besten bei bewölktem Himmel („schlechtem Wetter“), da ist der Kontrast nicht so hoch bei unseren schwarz-weiß befrackten Lieblingen. Bei den hier üblichen Kontrastverhältnissen kann ich nur das Aufnehmen im RAW Format empfehlen, denn hier kann man die Belichtung nachträglich – quasi verlustfrei – um +2 Blendenstufen korrigieren, was einen riesigen Vorteil darstellt. Außerdem sind erweiterte Kontraste und Qualität durch ETTR Belichtung möglich, dazu muß man allerdings ein bißchen lernbereit sein! Der RAW Konverter wird vom Hersteller mitgeliefert und der normalen JPEG Bearbeitung einfach vorgeschaltet. Dazu braucht man weder Photoshop noch Lightroom zu mieten. Wer das nicht will, kann auch in kritischen Situationen im JPEG Belichtungsreihen in halben Blendenstufen machen und sich das „beste Bild“ raussuchen. Ein bißchen mehr Aufwand macht sich schnell in der Bildqualität bezahlt.

 

 

Eselspinguine auf Falkland. Stativ in Bodenlage. FX mit 28-85mm  Foto  © A. Kostrzewa

 

 

Eselspinguine auf Falkland. Mein Stativ mit Hocker steht hinten lins im Bild. Die Kolonie leigt direkt an der Lodge, bequemer gehts nicht.

FX mit 28-85mm . Foto  © A. Kostrzewa 

 

Bei schönem Wetter bieten sich Landschaftsaufnahmen der Kolonien an. Man nimmt wenige Tiere dabei groß in den Vordergrund und schließt die Blende möglichst weit (f/11), um eine große Tiefenschärfe zu erreichen.

 

Man kann natürlich auch nach Kapstadt fliegen und dort Brillenpinguine ablichten oder in Argentinien Magellan Pinguine. In Chile gibt es auch Humboltpinguine und auch Galapagos noch den Galapagospinguin. Die gehören alle zur Gattung Spheniscus und werden auch oft in Zoos gezeigt.

 

 

Magellan Pinguine auf Falkland. Stativ in Bodenlage. FX mit 70-200mm  Foto  © A. Kostrzewa

 

 

 

Frühsommer in der ANTARKTIS !                                                                                                                                    Foto  © A. Kostrzewa

 

 

Aber: für mich geht halt nix über die Antarktis! Die Kombination von grandioser Landschaft plus Tierwelt ist einfach nicht zu toppen! Nachteil: man ist total ins Zeitschema des Schiffes eingebunden. Also unflexibel und muß nehmen was und wie es kommt.

 

Wer aber in Ruhe und entspannt Pinguine fotografieren möchte, sollte besser nach Falkland fahren. Die Lodges sind bequem und die Leute freundlich. Regen und Sturm kann man im Warmen aussitzen, wenn man will und man hat soviel Fotozeit, wie man bucht.

 

Text & Fotos  © Achim Kostrzewa (1995-2018)