Gletschereis versus Meereis, was ist was? Wie entsteht das? Bilder, Definitionen und Storries übers Eis

 

In vielen Fernseh- und Reiseberichten ist mir aufgefallen, daß die Begriffe vollkommen durcheinander gehen. Am liebsten wird für den Oberbegriff "Meereis" fälschlich der Begriff „Packeis“ gewählt. Daher will ich hier mal eine kleine Eiskunde aufschreiben und entsprechend unserer 25-jährigen Eiserfahrung in Arktis und Antarktis bebildern. Fangen wir mit dem Meereis an.

 

              

Übereinandergeschobene Schollen bilden das "Packeis", was immer dicker ist, als das etwa einen Meter dicke Meereis, aus dem es sich mit Hilfe von Wind und Strömung bildet. Hier im Sommer bricht das Packeis auf, es bilden sich zunächst Eisschollen, die weiter abschmelzen. Im Weddellmeer, aus dem diese Aufnahmen aus dem Jan. 1996 stammen, verschwindet das Meereis nur in den nördlichen Bereichen über Sommer. Die Schollen bilden dann bevor sie ganz auftauen das sog. "Treibeis". Im Winter friert alles wieder zu. Im südlichen Weddell Meer frieren die Schollen wieder zusammen und bilden mehrjähriges Meereis, das wiederum zu Packeis zusammengeschoben werden kann. Unser Eisbrecher "Khlebnikov" schafft maximal drei Meter dickes Eis zu brechen...    Foto: © Achim Kostrzewa

Auf dem durchgängigen Meereis bilden sich im Frühjahr zunächst Schmelzwasserflächen, dann zerbricht es vom Wind und Strömung getrieben in Schollen, die dann dem Tauen mehr Angriffsfläche bieten.   Foto: © Achim Kostrzewa, Nordwest Grönland 7/2007

 

Meereis

Besteht aus Salzwasser, bei dem im Gefrierprozess das Salz heraus gedrückt wird. Bei 33-36 Promille Salzgehalt des Meerwassers beginnt der Gefrierprozess bei etwa minus 1,8°C.

WICHTIG: Meereis bildet sich aus vorhandenem Meerwasser, daher trägt es beim Auftauen NICHT zur Meeresspiegelerhöhung bei !

 

    Folie aus unserem Vortrag "Eis"

 

·        Zunächst bilden sich bis zwei cm große Eisnadeln und -plättchen.

Dann kommt es darauf an ob die See ruhig oder bewegt ist.

In unsere alten Fahrrinne bildet sich Schwarzeis, das bei minus 20° Lufttemperatur schnell weiter gefriert.     Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

·        Bei ruhiger See bildet sich Eisschlamm und dann eine dünne Schicht Schwarzeis.

·        Bei bewegter See brechen die dünnen Eisschichten immer wieder auf und stoßen an den Kanten zusammen

o   Es bilden sich das charakteristische Pfannkucheneis, das an den Kanten von den dauernden Kontakten mit den benachbarten Pfannkuchen schon aufgewölbt ist.

o   Diese Pfannkuchen können bis zu drei Metern Durchmesser erreichen. Dabei beruhigt sich die Oberfläche des Meeres immer mehr und die Pfannkuchen frieren schließlich zusammen und bilden große Schollen oder eine geschlossene Eisfläche.

 

 

Pfannkucheneis mit Eisschlamm dazwischen. In der Bildmitte ein Streifen offenes Wasser. Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

Pfannkucheneis vor dem Bug, dahinter Eisschollen, die teilweise schon zusammen gefroren sind. Dazwischen Schwarzeis.    Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

o   Diese Eisfläche friert bei entsprechend tiefen Temperaturen weiter von oben nach unten durch und kann bis ca. einem Meter dick werden. Danach setzt die Isolation – ja auch Eis isoliert – dem ein Ende. Binnen eines Jahres/Winters im Polarmeer kann das Eis durch gefrieren nicht dicker werden!

o   Trotzdem war das Nordpolareis, die Meereiskappe, noch in den 1950er Jahren nach Messungen des US-amerikanischen Atom U-Bootes Nautilus 3-4 Meter dick. Wie kommt das ? Wind, Wellen und die Strömung lassen das Eis immer wieder in mehr oder weniger große Schollen zerbrechen. Diese werden dann übereinander geschoben und frieren wieder fest zusammen:

o   es bildet sich Packeis. Dort, wo verschiedene Packeisschollen aneinanderstoßen,

o   bilden sich kleine „Gebirge“ aus Eis. (Analog den Gebirgen, die durch die Plattentektonik entstanden sind, wie z.B. der Himalaja, als der indische Subkontinent auf die eurasischen Platte stieß). Wir haben nun Presseis. Dieses Presseis kann lange bis 10 Meter hohe Eiswälle ausbilden, die für Fußgänger, Schlittenhunde und Motorschlitten nur schlecht zu überwinden sind. Der Nordpolwanderer Wally Herbert berichtete von seinem Marsch von Nordgrönland aus zum Nordpol von fast unüberwindbarem Packeis mit zahlreichen Presseisbarrieren und –feldern über die er seine Hundeschlitten zusammen mit den Hunden zerren mußte.

 

Einjähriges Meereis mit einer offenen Stelle links, die man Polynya nennt, rechts ein eingefrorener Eisberg. Das Meereis ist vielfach gebrochen und hat an den Stoßkanten kleine Presseiswälle gebildet. Übersicht aus dem Hubschrauber. Da die Schollen aber nicht übereinander geschoben sind, haben wir KEIN Packeis. Die Eisdicke beträgt ungefähr einen Meter.   Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

Im Oktober (also zeitiges Frühjahr) im Weddellmeer: das Meereis ist vielfach gebrochen und hat an den Stoßkanten Presseiswälle gebildet. Übereinandergeschobene Schollen bilden "Packeis", was immer dicker ist, als das Meereis aus dem es sich mit Wind und Strömung bildet. Etwas anderer Blickwinkel vom Schiffsdeck aus, als das Bild darüber, abends nach Sonnenuntergang.  Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

Zu Fuß wandern wir entlang von kleineren Presseiswällen über das Meereis. Die Schollen türmen sich bis in die Senkrechte auf.   Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

o   Dann gibt es noch Festeis, das ist ebenfalls normales Meereis, was beispielsweise auf Grund liegt oder doch zumindest auf einem Strand aufliegt oder am Ufer festgefroren ist, wie z.B. das Eis unter der Kaiserpinguin Kolonie vor der südlichen Küste von Snow Hill Island im Wedell Meer.

 

Einjähriges Meereis am Ufer von Snow Hill Island. Am Strand wird das Eis zu Presseiswällen vom Wind und der Strömung aufgetürmt.  Foto: © Achim Kostrzewa 10/2018

 

Gletschereis (in Arbeit, wird fortgesetzt...)

Besteht aus Süßwasser bzw. Schnee. Bildet sich unter kalten Bedingungen im Hochgebirge, klassischerweise in einer Mulde in einem Berghang, die Kar genannt wird. Wenn diese vollgeschneit ist und sich an ihrem Grund bereits eine Eislinse gebildet hat, wird das Eis immer mehr, bis es über den Rand der Mulde läuft und eine Gletscherzunge bildet. Weitere Schneefälle und Eisbildung lassen den Gletscher immer weiter anwachsen, bis er im Tal ankommt. Dort kann er auch getrieben vom Druck des Eises am Berghang weiterlaufen bis er in einen See oder ins Meer gelangt. In der Antarktis, wo es besonders kalt ist, schwimmen die Gletscher dann auf dem Meer auf und bilden Schelfeis.

Westküste der Antarktischen Halbinsel: Blick von Peterman Island auf das antarktische Festland und seine Gletscher. Charakteristisch ist der 880 Meter hohe Mount Scott an der Graham Küste. Foto: ©  Renate Kostrzewa 12/2005, Panorama-Bearbeitung aus Einzelbildern Achim Kostrzewa

Kante des Larsen-C Eis-Schelfs, bevor es 2017 auseinandergebrochen ist. Foto: © Achim Kostrzewa 2002

Tafeleisberge aus dem Larsen-C Eis-Schelf.   Foto: © Achim Kostrzewa 2/2020

Tafeleisberge aus dem Weddell Meer treiben bis nach Südgeorgien. Hier am Drygalski Fjord.   Foto: © Achim Kostrzewa  11/2008

 

Text & Fotos: © Achim Kostrzewa