Kaiserpinguine fotografieren - ein Werkstattbericht

oder die hohe Kunst richtig zu frieren...    von Achim Kostrzewa   

  

Die Kaiserpinguinkolonie auf dem Festeis vor Snow Hill Island im Überblick. Links bis zur Mitte sieht man die Insel noch schneebedeckt. Hinter der Kolonie das Eis, was sich am Ufer auftürmt. Die Kolonie selber befindet sich auf etwa einem Meter dicken einjährigem Eis, was spätestens im Februar/März weggetaut sein dürfte. Wir blicken aus dreißig Metern Abstand auf etwa 4.000 Pinguine in drei Teilkolonien. (Näheres im Reisebericht). Ab 8:00 fliegt uns der Hubschrauber auf das Eis und wir "laufen" die letzten 1,6 km zu Fuß durch den Tiefschnee zur Kolonie! Oben: Panorama aus 7 Einzelbildern. Nikon D4, VR 4/70-200mm © A.Kostrzewa 2018

 

Aus dem Kaiserpinguinprojekt von 2018 gibt es bislang drei Publikationen:

In Folgenden möchte ich die Situation für Fotografen näher beleuchten, die sich mit dieser Spezies befassen wollen. Da ich selber immer nach Informationen aus erster Hand suche, wenn ein neues Projekt geplant wird, weiß ich, wie wertvoll das im Einzelnen sein kann, zumal eine Reise zu den Kaiserpinguinen kostenmäßig im gut fünfstelligen Bereich liegt.

Wir liegen derweil mit dem Eisbrecher festgefroren im Packeis: hinter uns ein größerer Eisberg. Gemessene Minus 22° (+ Windchill sind es ungefähr -30°C) um 4:20 morgens noch vor Sonnenaufgang.   Pano aus 4 Fotos, Nikon D4, VR 4/70-200mm   © A.Kostrzewa 2018

 

Die aktuell "nächste" Möglichkeit diese Art zu beobachten liegt im Weddell Meer, in der westlichen Antarktis. Es ist nicht einfach im Frühjahr (Okt.-Nov.) dorthin zu kommen. Die gerade aktuellen sehr interessanten Fernsehfilme über die MOSAiC Expedition ins Nordpolareis im ARD, und den dritten Programmen (NDR, RBB) brachten mich gedanklich wieder auf den russischen Supereisbrecher Kapitan Dranitsyn, der die Polarstern bei ihrem Drift durch das Eis um den Nordpol versorgt hat. Dieses Schiff hatte Renate für eine Reise nach Franz-Josef-Land 2004 genutzt. Das Schwesterschiff Kapitan Khlebnikov brachte uns 2018 ins Weddell Meer zu den Kaiserpinguinen. Angeregt durch dieses "Wiedersehen" mit den Eisbrechern und die Zeit, die einem Korona bietet, bin ich nochmals tief in die Bilder der Reise eingetaucht. Da die russischen Eisbrecher nicht mehr zur Verfügung stehen, kann man nur noch mit einem Schiff dorthin gelangen, das zwei Hubschrauber an Bord hat, die "Ortelius" (vgl. den Polar News Artikel). Die Reederei bewertet die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Anlandung bei den Kaiserpinguinen auf Snow Hill für 2021 mit nur 30-50%. Die nächste mögliche Reise liegt im November 2021 mit der Ortelius https://www.polaris-tours.de/antarktis-reisen/weddell-meer-ross-meer_reisen/expedition-zu-den-kaiserpinguinen-1894/?cn-reloaded=1 und startet am 11.11. 21 in Frankfurt.

Früher konnte man auch eine Kolonie mit einem Transportflugzeug erreichen und dort einige Tage zelten (Heiner Kubny in Heft 1/2004 der "Polar News" https://polarnews.ch/polarnews-magazin/38-polarnews-1-november-2004 zum Runterladen des PDF). Davon hatte der leider früh verstorbene deutsche Tierfotograf Fritz Pölking auch schon 1998/99 berichtet. (http://www.poelking.com/wbuch/199801/index_d.htm) Es gab auch einige Eisbrecher-Reisen zur Atka Bucht am östlichen Rand des Weddell Meeres, wo man in der Nähe der deutschen Antarktis Station Neumayer eine Kaiserpinguin Kolonie besuchen konnte. ABER, es gibt bis heute keine regelmäßigen Besuche in einer solchen Kolonie! Und selbst die relativ günstig gelegene an der Küste von Snow Hill Island, die wir besuchen konnten, erlaubt wegen der schwierigen Eisverhältnisse im antarktischen Frühjahr nur die Anfahrt von Eisbrechern oder sehr eisgängigen Schiffen mit Bordhubschraubern wie die Ortelius. Garantien gibt es keine: die Ortelius hat bei elf versuchten Anfahrten auf Snow Hill es nur viermal geschafft Gäste zur Kolonie zu bringen. Die Eis- und Wetterverhältnisse sind meist sehr schwierig. Man geht also bei der Buchung einer Expeditionsreise zu den Kaiserpinguinen immer voll ins Risiko, das es nicht klappt! Die Betonung liegt halt auf Expedition, nicht auf einer planbaren Reise! Snow Hill wurde seit 2004 sporadisch durch die US-Firma "Quark Expeditions" mit dem gecharterten Eisbrecher Kapitan Khlebnikov angelaufen: z.B. 2010 und zuletzt 2018. Wir nahmen an der Reise Mitte Oktober  teil, da sind die Jungen im fotogensten Alter.

   

Links: Fritz Pölking sitzt bei der Kolonie, die Pinguine kommen natürlich neugierig gucken!  Die Fotogruppe zeltet auf dem Eis bei - 30°C.   © Fritz Pölking 1998

Rechts: Stefan Christmann (Geophysiker) fotografiert die Pinguine nahe der Neumeyer III Station, wo er überwintert hat. Das Foto hier offensichtlich an einem "warmen" Tag gemacht.  © Stefan Christmann  2012

Am "einfachsten" ist es auf der Station Neumeyer III 14 Monate zu bleiben und zu überwintern. Man braucht bloß Naturwissenschaften zu studieren und einen Diplom- oder Doktorvater zu finden, der einen da hinschickt... wenn man dann noch ein guter Fotograf ist, wie Stefan Christmann, kann nix mehr schief gehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Christmann oder https://nikonrumors.com/2013/01/26/guest-post-my-year-in-antarctica.aspx/  Man muß natürlich neben seiner wissenschaftlichen Arbeit auf und für die Station genügend Zeit finden, in Christmanns Fall machte sich die Geophysik sicher auch nicht von alleine. Also wird wenig Schlaf und bei jedem Wetter raus die Devise gewesen sein. Das ist halt sehr selten, das ein Wissenschaftler gleichzeitig auch ein guter Fotograf und Autor ist.

Leute wie Pölking, Kubny (Ch) oder Christmann waren Pioniere der "dt." Kaiserpinguin Fotografen, die die Kolonien auf dem Festland unter großen Schwierigkeiten und Zeitaufwand besuchten. Heiner Kubny schreibt in seinem Bericht, er hätte drei Wochen in Punta Arenas ausharren müssen, bis der direkte Flug auf das Antarktische Schelfeis wettertechnisch möglich war. Seit 2004 geht es alle paar Jahre mal wieder mit einem Eisbrecher oder eisgängigen Kreuzfahrtschiff dorthin (s.o.). Dann haben etwa je 100 Leute die Chance die Küstenkolonie bei Snow Hill zu besuchen.

Wir wandern durch Presseis. Hier wurde das einjährige Meereis vom Wind zusammengeschoben und bildet aus einem Meter dicken Eisschollen, mehrere Meter hohe Barrieren. Presseis eben. In dieser Landschaft würde man ohne Schutzausrüstung und Zelt keine Nacht überleben können.   © Achim Kostrzewa

 

Kurz gesagt, ist es also sehr schwierig Kaiserpinguine überhaupt zu sehen und dann auch noch bei hinreichend gutem Wetter zu fotografieren. Selbst wenn man es bis zur Insel geschafft hat, heißt das noch nicht, das man auch Pinguine sieht: an unserem ersten Tag nur 8,5 Flugminuten von der Kolonie im Eis liegend, konnten wir nicht fliegen. Sturm und White out durch aufwirbelnden Schnee, kein Horizont, keine Sicht, kein Flug möglich. So einfach ist das. Antarktis eben. Über 100 Leute an "Land" zu fliegen dauert auch schon 3-4 Stunden: zunächst der Expedition-Staff mit der Notausrüstung. Der muß neu Spuren und  Ausflaggen, denn jeden Abend muß alles runter vom Eis, man weiß ja nie, ob man morgens wieder fliegen kann! Wenn das Basis Camp steht, können die Paxe beginnen. Die lange vorher eingeteilten Gruppen fliegen roulierend nach der ausgehängten Liste, mal früh mal später. Es geht mit militärischer Disziplin, keine Diskussion: entweder Du steigst ein oder bleibst an Bord. Wenn es sehr windig ist, wird statt mit acht nur mit sieben Paxen geflogen. Am zweiten Tag friert die Betankungsanlage ein und wir bekommen mitten im Betrieb eine vier-stündige Zwangspause zum Reparieren.

Damit aus der Expedition für uns kein Abenteuer wird, ist gute Vorbereitung angesagt. Das betrifft in erster Line die persönliche Ausrüstung, die Wärme und Sicherheit garantieren muß. Dann erst kommt die Fotoausrüstung, die unter allen Umständen funktionieren sollte und für alles, was kaputt gehen kann, muß es ein Back-up geben. Drittens muß alles per Linienflug transportiert werden und wenn man Economy fliegt, sind die Gesellschaften sehr knauserig, was jedes Kilo mehr ausmacht. Helfen kann da die Buchung von Business Class oder doch wenigstens Premium Economy, da wird nicht so auf das Gewicht  geachtet auch nicht beim Handgepäck, weil die Tickets halt teurer sind. Wenn das Package einen komplett vom Veranstalter eingesetzten Charterflug beinhaltet, gibt es u.E. nach mit etwas Übergepäck keine Probleme, wenn man das vorher beim Veranstalter anmeldet und begründet.

Hubschrauber Einweisung, wer sitzt wann, wie, wo. Wie geht das: Einsteigen und Aussteigen bei laufendem Rotor ? Vier vorn, vier hinten plus die Rucksäcke und weitere Ausrüstung. Wenn es zu windig wird, können nur vorne nur drei mitfliegen, wegen des Gewichtes. Immerhin haben die Schrauber zwei Turbinen. Shane leitet die Hubschrauberflüge und hat das letzte Wort gegenüber den Paxen. Die russischen Piloten können wirklich gut fliegen!  © Achim Kostrzewa

 

Wann reisen? Die beste Zeit liegt Mitte Oktober, da sind die Jungen schon mobil aber noch "knuffig" genug für emotional ansprechende Fotos:

 

Der Brutzyklus der Kaiserpinguine offenbart: die Zeit des "Kindergartens" (=Creches) ist für Fotografen die attraktivste! Siehe Einzelheiten in meinem Artikel in BIUZ 1/20.  ABER: für den Oktober braucht es einen großen Eisbrecher! Erst im November wird das Eis dünner und evtl. auch für eisverstärkte Kreuzfahrtschiffe befahrbar.  Grafik und Foto © F.Genevois, Quark Expeditions

 

Renate an der Kolonie. Die ersten beiden Tage waren trübe mit Schneefall und mit bis zu -20°C deutlich wärmer ...

...als der dritte: bei strahlendem Sonnenschein pfiff ein deutlicher Wind und erzeugte gefühlte Temperaturen von - 30°C. Da kuschelten selbst die kleinen Pinguine. Und hatten keine Lust mehr umherzustreifen und Touristen zu gucken. Wir zahlten also fürs bessere Licht mit deutlich größerem Abstand: 30 Meter zur Kolonie!  Nikon D4, VR 4/24-120mm & VR  4/70-200mm  © A.Kostrzewa 2018 (bitte nach rechts scrollen!)

Wie ist das nun in einer Gruppe von 96 zusammengewürfelten Foto- und Pinguinbegeisterten in die Antarktis zu fahren? Der Eisbrecher, den Quark Expeditions gechartert hatte, ist ziemlich komfortabel, die Kabinen relativ groß, die Eckkabinen sogar gute 20 qm, für die Küche war eine internationale Mannschaft zusammengestellt. Wir hatten 14 Lektoren und Guides an Bord, was eine sehr gute Quote ist. Normal sind pro 20 Paxe ein Guide Vorschrift. Außerdem hatten wir einen deutschen Notfallmediziner aus München (Rechts der Isar) zusätzlich zum russischen Schiffsarzt an Bord. Die Paxe bestanden meist aus Paaren, Fotografen aus China, Amerika, Kanada, Australien u. Neuseeland. Unsere Polar News Gruppe setzte sich aus Deutschen, Schweizern und Österreichern zusammen. Mit dem Equipment der Chinesen hätte man eine ganze Fotomesse ausrüsten können. Jeder hatte 2-3 von den weißen Canon Boliden mit. Viele konnten auch nicht richtig damit umgehen. Aber man muß auch alles schleppen, zumindest die letzte Meile bis zur Kolonie. Daher hatte ich - in Kenntnis der Neugier der Pinguine - nur ein kleines 300er mit 1,4x Konverter als lange Brennweite dabei. Einzelheiten hier:

"So, das ist jetzt nah genug", scheint der Alte seinem Kindergarten zu sagen. Bei nur minus 15°C sind die Kleinen sehr agil und wollen immer näher kommen.     © Renate Kostrzewa 2018, D700 mit VR 4/70-200

So klein und knuffig sehen die Küken nur im Oktober aus! Die Alten können mit den Eiern oder Kleinen auf den Füßen liegend "laufen", eher rutschen oder "schluffen", wie wir im Rheinland sagen. Die Füße bilden quasi das Nest.    Nikon D4,  AF-s 4/300mm mit TC 14 = 420mm   © A.Kostrzewa 2018

Auf dem Weg von und zur Kolonie begegnen wir immer wieder Altpinguinen, die zum Meer hin wandern.   © A.Kostrzewa 2018, Fuji xf 2/18mm

Fotoplanung - Was nehmen wir morgen alles mit, was nicht? Wir wissen zwar, daß der Weg gute 1,6 km lang ist, aber nicht wie beschwerlich. Stöcke auf alle Fälle. Damit ist auch die Stativfrage geklärt: Novoflex Triopod mit einem normalen Stativbein und zwei Lekistöcken ergibt ein gutes, leichtes und praktisches Stativ. Das schwerste Gerät auf dem Stativ wird die D4 mit AF-S 4/300 + Konverter und das VR 4/70-200. Dafür sind die LEKI® Beine völlig ausreichend. Außerdem die Fuji XE-2 mit dem XF 2/18 und jeweils einem Ersatzakku in der Jacke. Renate nimmt die D700 mit VR 4/24-120. Neben den drei Ersatzakkus haben wir auch 2 Deckel 77mm und einen 67mm dabei. Außerdem noch sechs Speicherkarten. Tücher zum Putzen. Finger-,  Foto- und Überhandschuhe. Einen Walkstool® und eine an meinem Rucksack mit 1,5m Packriemen festgebundene Isomatte, die ich dreifach nehme um darauf am Boden für die tiefe Perspektive zu sitzen. Festgebunden, damit sie der Wind nicht wegblasen kann, daß ist sehr wichtig, das nichts wegfliegt und schon gar nicht in die Kolonie. Mehr wollen wir nicht tragen. Darum ist auch das 3,6 kg schwere große Zoom AF-S 4/200-400 VR schweren Herzens zu Hause geblieben. Das hätte auch die "normalen" Novoflex Stativbeine erforderlich gemacht. Für die 5 kg Gesamtgewicht vom "großen Zoom" und der D4 braucht es mehr Stabilität. Einige Male hätte ich das 200-400 plus Konverter (=550mm) gut gebrauchen können... Mein Rucksack wiegt mit zusätzlichen Regenschutz für die Telekamera, 0,4l Wasserflasche (!), Ersatz-Brille, -Handschuhen und –Mütze und dem Stativteil des Triopod gute acht Kilo. Renates Drybag etwa vier Kilo, sie hat auch noch ihr schweres 10x42 Leica Glas darin. Dazu noch sehr leichte Carbon Wanderstöcke. Mehr geht erstmal auch nicht. Und das sollte auch reichen. Tut es auch! Man darf ja nicht vergessen, daß die warmen Klamotten und Stiefel auch ca. 10kg an Zusatzgewicht verursachen.

 

Der Weg durch den Tiefschnee ist beschwerlich. Die Meile dauert jeweils eine knappe Stunde.   © Renate Kostrzewa 2018, D700, VR 4/24-120mm

Aber, wenn man es erstmal geschafft hat, einfach TOOLLLL. Das Novoflex Triopod Stativ beweist mal wieder seine Stärken.   © Renate Kostrzewa 2018, D700, VR 4/24-120mm

Renate auf dem Rückweg am 2. Tag: Die Pingos nutzen unseren ausgetreten Pfad zum Schlittenfahren!   © Michael Wenger 2018

 

Die Bildresultate wollen viele von uns für Fernsehen oder Magazinartikel auswerten. Man darf nur nicht glauben, daß man damit die Reise wieder bezahlen könnte. Das ist unrealistisch. Selbst wenn Fotos von Kaiserpinguinen vergleichsweise rar sind, gibt es auch nur einen relativ kleinen Markt dafür. Das, was heute für Fotos noch bezahlt wird ist unerheblich, da kann man gerade mal Speicherkarten für kaufen. Gesehen haben wir bislang nichts von den Reisekollegen, weder gedruckt noch im TV oder Internet. Wir schreiben zunächst mal unseren Blog und harren der Dinge, die da kommen...

              

Zwei meiner Lieblingsfotos aus vielleicht fünf Metern Abstand.                                       Nikon D4,  AF-s 4/300mm mit TC 14  © A.Kostrzewa 2018

Die Bildredakteure guckten und fragten gleich: haben Sie nichts mit Sonne?! Klar, ich bin an Verhaltensaufnahmen interessiert. Aber, wenn man kein Biologe ist und ein buntes Magazin bebildern muß, was Lust auf Reisen machen soll, muß Sonne her, ist quasi obligatorisch. Nun hatten wir ein relativ großes Zeitfenster von fünf Tagen, die wir vor der Insel im Eis lagen:

Fotografisch war jeder der drei Tage ein neues Highlight für mich, aber nur einer mit Sonne.

 

Unser trautes Heim in einer lebensfeindlichen Welt, die Kapitan Khlebnikov. Unsere Standartkabine auf dem 6.Stock hat etwa 12 qm mit Bad. Ein Fenster zum Lüften. Zwei bequeme Betten. Schreibtisch und Schrankraum. Die Khlebnikov ist ein Arbeitsschiff und kein Luxusliner. Genau genommen ein Riesenpott, wenn man davor steht.   © A.Kostrzewa 2018

 

An sich wollten wir dieses Jahr ein neues Buch über die Antarktis schreiben, nachdem wir da nun zwischen 1995 und 2020 25 Jahre lang tätig waren, wäre ein neuer Textbildband ja mal fällig! ABER, die Verlage verkaufen derzeit keine Reisebücher oder -führer, außer zu Deutschland Themen, so die Auskünfte unserer Verlage, bei denen wir schon früher Bücher veröffentlicht hatten. Also derzeit keinerlei Interesse. Wenn es dann nächstes Jahr wieder losgeht, nachdem wir alle geimpft sind, werden die Anfragen schon kommen, aber dann haben wir keine Zeit mehr, weil wir ja dann selber wieder unterwegs sein werden. So ein Buch dauert bei uns immer ein Jahr der intensiven Recherche und des Schreibens.

Die letzte Rettung: unser Freiluftklo auf dem Eis steht 50 Meter neben den Notfallzelten. Wehe dem, der zum Frühstück zuviel Kaffee getrunken hatte. © Achim Kostrzewa 2018

 

Fazit: Am Ende jeden Tages waren wir doch ganz gut durchgefroren. Hat man zuviel an, schwitzt man auf dem Hinweg und der Schweiß gefriert dann am Körper, sehr unangenehm. Man muß also beim Wandern für Belüftung sorgen. Fünf Stunden in der eisigen Kälte läßt einen so langsam durchfrieren, wenn man intensiv fotografiert. Auf dem Rückweg kann man sich dann wieder "warmlaufen." An Bord wird man mit heißer Suppe empfangen, die braucht man dann auch, sowohl die Wärme, wie auch das Salz. Wir würden diese Fahrt jederzeit wieder machen... Zu den Kameras: Reisekollegen und wir auch hatten oft Probleme mit modernen Spiegellosen mit dem Sucher (bei Leica SL, Olympus, Fuji). Mit Sonnenbrille kann man schlecht sehen. Meine alten Reflexe funktionierten einwandfrei und lieferten auch immer ein klares, gut sichtbares Sucherbild. Wenn man beide Systeme nutzt, sieht man gleich, wo die Vorteile eines optischen Suchers liegen. Einige Anmerkungen dazu finden Sie im Reisebericht. Meine Empfehlung für eine "tragbare" Ausrüstung wäre neben meiner Wahl bei Canon und Sony die jeweils exzellenten neuen 100-400er Zooms plus ein 24-105 und zwei gleiche Gehäuse mit nicht zu vielen Pixeln (24 MP bevorzugt, wegen der ISO Fähigkeiten).

Wie immer hängt der gefühlte Reiseerfolg vom Wetter und seinen eigenen Erwartungen ab. Die Erwartungen speisen sich aus der Vorbereitung...

Text und 17 Fotos von © Achim Kostrzewa (11/2020) mit weiteren Fotos von Renate Kostrzewa (3) und Michael Wenger (1), kein Nachdruck oder keine Kopie ohne die schriftliche Genehmigung des Autors.