Island 2009 - 2021 - eine Zusammenschau

"Die nächste Reise werden wir wieder mit dem WOMO machen. Die übernächste geht wahrscheinlich mit dem Geländewagen ins Hochland.

Bin vom Island-Virus infiziert." Fotos folgen sowie bearbeitet ! Latrabjarg fertig: 23.10.

So die letzten Sätze meines West-Island Berichtes von 2009. Wie wahr! 2011 infizierte ich mich am ersten Reisetag in Keflavik im Restaurant mit einem fiesen Darmkeim, der uns 10 Tage später nach Hause zwang. Ost-Island und Zentral-Island mit dem Geländewagen fiel dem Bakterium zum Opfer und der Versicherung teuer anheim. Die meckerte zwar, konnte aber nix machen, da mein Campylobacter Keim in D beim Gesundheitsamt als meldepflichtig bestätigt war. So gibt es von dieser Reise nur wenige Bilder:

                                  

Der berühmte Fjellsarlon, ein See am Fuße des Gletschers. Skogafoss und eine Felsnadel am Strand von Vik waren Highlights.     Fotos: © Achim Kostrzewa (2011)

 

Die nächsten Island Trips machten wir als Lektoren von Schiffen aus:

2015 mit der MS Deutschland von Spitzbergen aus besuchten wir Akureyri im Norden, Isafjödur im Westen und natürlich Reykjavik, bevor es weiter nach Grönland ging.

   

Akureyri liegt am Ende des Eyjafördur, ein beliebter Hafen für Kreuzfahrer.                                                                                    Fotos: © Achim Kostrzewa (2015)

2016 dann mit der Hamburg von Grönland kommend, landeten wir im Hafen von Reykjavik, bevor die Reise in Keflavik endete. Vom Hafen aus  machten wir noch zwei Bustouren: Renate den Golden Circle bei Sonnenschein und Achim den Langjökul Gletscher im totalen Nebel, so daß man von der Gletschertour mit dem Allrad-Gletscherbus leider kaum was gesehen hat.

Hraunfossar                                                                                                       Pano-Foto aus 6 HF: © Achim Kostrzewa (2016)  Pano-Fotos bitte nach rechts scrollen !

    

Auf den Langjökul-Gletscher: unten ist noch ein wenig Sicht, weiter oben sind wir schon in den Wolken...                              Fotos: © Achim Kostrzewa (2016)

2019 waren wir dann letztmalig mit der MS Hamburg von Ost-Grönland kommend auf Snaefelsness mit einer Bustour unterwegs: das fanden wir dann nicht mehr gut - in Arnarstapi alles voller Touri-Busse. Island hatte seinen Tourismus um eine weitere Million Gäste auf nunmehr 3,5 Mio. gesteigert. Modernste >60 Personen Busse, bessere Straßen und viele neue Hotels machten die Reise zur Qual für jemanden der 10 Jahre zuvor noch eine Idylle erlebt hatte.  Wir flogen enttäuscht (ohne groß Fotos gemacht zu haben) nach Hause und dachten adé Island, never again.

    

Reykjavik, eindrucksvoll: Hallgrimskirkja und moderne Kunst am Fjord.                                                                                          Fotos: © Achim Kostrzewa (2019)

Außer natürlich für den Stop-over nach Ost-Grönland im Herbst 2019, wo wir dann am nächsten Tag vom Regionalflughafen in Reykjavik ins ostgrönländische Kuulusuk zum Flughafen "Constable Point" weiterflogen.

Und dann kam Covid 19: unsere Freunde Ellen und Carsten nutzten den Sommer 2020 mutig für 2 Wochen Island, ein Covid Test am Flughafen machte es möglich. Es war  alles himmlisch leer, bevor die "zweite Welle" auch hier zuschlug, Island machte vernünftigerweise alles dicht.

 

Island 2021 - unser Reisetagebuch:

Samstag - 2021 konnten wir als Ende April vollständig Geimpfte am 19. Juni mit dem WHO-Impfpass problemlos einreisen, Test am Flughafen war negativ. Es dauerte halt 1,5 h bis wir aus dem Airport raus waren: in Kevflavik kommen am frühen Nachmittag alle Maschinen aus Europa quasi gleichzeitig an und dann bricht am Gepäckband und bei der Einreise Hektik aus. Die Ergebnisse vom Test um 18:00 kamen 5:45 h später per SMS aufs Handy ins Hotel. Wir hatten derweil um 20:00 ein Quarantäne-Dinner auf dem Zimmer: Pizza und Bier, viel Auswahl gab es beim Room Service selbst im Grand nicht. Aber beides war sehr gut, immerhin auch nicht teurer als beim Italiener, wo wir sonst essen waren, z.B. 2019 im September, als wir mit unseren Freunden Andrea und Helmut auf dem Weg nach Ost-Grönland hier Station machten, um unsere Gruppe zu treffen.

Fährschiff im Hafen von Stykkisholmur.     Pano-Foto: © Achim Kostrzewa   Pano-Fotos bitte nach rechts scrollen !

Sonntag - Als Auto hatten wir einen Dacia Duster (Diesel 4WD) empfohlen bekommen, der auch ganz prima unser Gepäck, die Lebensmittel (am Latrabjarg kann man NIX einkaufen) und auch die Wäsche Kits für das 2. Häuschen auf Snaefelsness schluckte. In den Kofferraum passen genau 2 Standardkoffer, der Rest kam auf die Rückbank, alles easy für 18 Tage. Morgens um 9:00 brachen wir nach opulentem Frühstück im Hotel auf nach Norden. Die Fahrt nach Stykkisholmur dauerte 2,5h bei schönstem Wetter und kräftigem Wind. Zwischen durch waren wir noch - es ist ja Sonntag - um Punkt 10:00 beim NETTO in Borganes und später für die fehlenden Reste noch beim BONUS (macht So erst um 11:00 auf) im Fährhafen.

   

Der Fährhafen Stykkisholmur. Wir sitzen dick gegen den Wind eingepackt draußen auf der Fähre.        Fotos: © Achim Kostrzewa

Dort mümmelten wir unsere Teilchen mit Eistee, ein Café gab's nicht und warteten auf 14:00, um uns für die Fähre einzureihen. das tollste an diesem ersten Tag unterwegs: nirgendwo Masken, nicht im Supermarkt, Café, Hafenbüro, einfach nix. Das Beladen war eine Schau: die Autos standen so dicht, das man weder dazwischen durchkam, noch die Türen aufbekam. Auf drei Spuren wurden vier Reihen gebildet. So mußte man Reihe für Reihe von links an rausfahren, damit wenigstens der Fahrer sein Auto entern konnte, um dann den Beifahrer aufzunehmen. Maximale Beladung: "passende Autos" wurden aus der Schlange rausgepickt und an die richtige Stelle bugsiert. Obwohl hinten in der Schlange, kamen wir so nach vorne rechts. Unsere Seite wurde zur "Strafe" aber erst als letzte ausgeladen. Dann gings bei immer noch schönem Wetter (Wolken und Sonne mit viel Wind) weiter nach Westen und am Fjord dann links auf die 612 Richtung Latrabjarg. Die Passhöhe überwindend, landeten wir gegen 19:20 an unserem Feriendomizil.

 

Eine Woche am Latrabjarg:

   

Auf dem Weg zu unserer Hütte! Der "Duster" erweist sich als schottertauglich...    Fotos: © Achim Kostrzewa

Die Dame vom Hotel war glücklich, das wir eine ganze Woche ihr schönes Chalet an der Kirche gebucht hatten. Im Hotel selbst gähnte die >50% Leere. Toller Blick über die ganze Breidavik Sandbucht mit drei Fensterfronten von S-W-N. Abends gab es meine klassischen urlaubsanfangs Spaghetti Bolognese mit frischem, grobem Rinderhack, Tomaten, ital. Kräutern, Zwiebeln, Knofi und Apfelschorle, zum Wein hat es nicht mehr gereicht. Zum Bier waren wir schon zu müde: morgens um 7:00 einpacken, frühstücken, auschecken, 9:00 losfahren, 15:00 - 17:45 Fähre, draußen in der Sonne gesessen und dem Wind getrotzt, und dann noch erst Asphalt und 34 km Schotter bis nach Breidavik sind für einen Tag genug. Das Wetter wäre für eine kleine Exkursion zum 12 km entfernten Latrabjarg noch gut gewesen, aber nach dem Essen und Auspacken waren wir um 22:00 platt. Die schlechte Nachricht: das Häuschen selbst hat gar kein WLAN, nur das Hotel in der Lobby und im Restaurant: das ist übel, wollten wir doch Schlechtwetterphasen schreibend und recherchierend allein aussitzen. Musik hören und die Tagesschau in 100 Sekunden gucken. Soweit der Sonntag.

180° Blick von der Terrasse unserer Hütte am Latrabjarg. In jeder Hinsicht 1A.        Pano-Foto: © Achim Kostrzewa    Pano-Fotos bitte nach rechts scrollen !

   

Unser gemütliches Heim am Latrabjarg ohne W-Lan und ohne TV, Erholung pur.     Fotos: © Achim Kostrzewa

Leuchturm am Latrabjarg, hier geht's los.           Pano-Foto: © Achim Kostrzewa     Pano-Fotos bitte nach rechts scrollen !

Viele Klippen ragen nördlich vom Latrabjarg ins Meer, aber nur die Eine ist von über einer Million Seevögeln besetzt. Pano-Foto: © Achim Kostrzewa   bitte nach rechts scrollen !

Montags um 3:00 Blick nach draußen, sieht noch gut aus. Um 5:00 dann Wolken bis auf den Boden. Es fängt an zu stürmen und in Strömen zu gießen. Wir schlafen bei offenem Fester sehr gut. Frühstücken um 8:00 und lesen und schreiben. Als ich dies hier gerade eintippe, ist es 10:15 und immer noch am Sauen, wenigstens sieht man die Bucht. Wir gucken alte Island Bilder für Renates geplantes Reisebuch. 13:10 Essen ist fertig: es gibt Skrei mit Bratkartoffeln und Gurken-Tomaten Salat. 14:00 Küche wieder klar, wir machen Mittagsruhe. Es gießt wieder wie aus Eimern, der Wind hat von O auf SO gedreht. Mal sehen wie's um 16:00 wird. Ab dann kommen die Papageitaucher erfahrungsgemäß vom Fischfang zurück. Der Plan sieht  vor nach dem Kaffee loszufahren. Die Kameras sind jedenfalls bereit. 16:05 Kaffee ist fertig, es saut nach wie vor. Gegen fünf scheint es besser zu werden. Wir sind im Hotel und checken unsere Mailbox. 18:15 fahren wir los und sind um 20:45 wieder da. Ca. 25 km für hin und her. Schotterstraße ist in gutem Zustand. Gegenüber von vor 12 Jahren gibt es jetzt an der Klippe einen Zaun, der die gefährlichen Grasüberhänge absperrt. Es hellt auf, ist aber superwindig. Stativ und große Linse nicht möglich. Sind sowieso kaum Papageitaucher zu sehen: zu früh kann an sich nicht sein, aber vielleicht zu windig und die sitzen warm in der Höhle ?  Einige Fotos gelingen trotz Sturm aus der freien Hand mit 280mm. Auf der Rückfahrt über den kleinen Pass wieder Wolken bis auf den Boden, leichter Nieselregen. Auch in Breidavik zieht es sich wieder zu. Wir haben ein leichtes Nachtmahl mit Käse und Äpfeln mit ein paar Kräckern, Tee und Gemüsesuppe zum Aufwärmen. Um 22:00 machen wir uns langsam nachtfein. Ich schreibe noch etwas und speichere die neuen Fotos, wie jeden Abend.

Klar, bin um 22:00 müde, weil wir ja zu Hause schon 24:00 hätten !  Aufstehen um 7:00 bleiben 9 h erholsamen Schlafes. Gut für die Ferien-Erholung.

 

Bei den Tordalken, wie aus dem Leben gegriffen. Er: Haach, bin ich nicht gut !? Sie: wie, war das schon alles ?    Fotos: © Achim Kostrzewa

 

Dienstag um 8:00 fertig gefrühstückt, bedeckt kein Wind, leichter Niesel. Wir werden gegen 9:00 aufbrechen. Erreichen die Klippen um halb zehn. Papageitaucher negativ, nur einzelne wenige Paare oben am Klippenrand. Man kann das an den Faecesmarkierungen auf den Felsen sehen. Wir suchen uns eine Übersicht und warten ab. Renate geht weiter den Weg über die Treppen hoch erkunden. Ich bekomme zunächst ein Päarchen Tordalke vor die Linse und später auch einen einzelnen Papageitaucher, der sich vor seiner Höhle ausgiebig putzt, um dann in ihr zu verschwinden. Sie scheinen noch zu brüten. Keine Futter tragenden Vögel zu sehen. Auch die Dreizehenmöwen bauen noch. Dauernd wird Baumaterial angeflogen. An der ganzen Hangkante vom Leuchtturm bis zur Treppe vielleicht fünf Paare Papageitaucher? Da waren 2009 mal 200 Paare auf der kurzen Strecke. Die Lummen haben schon Eier, wie man an den von den Möwen gestohlenen sieht, Eischalenreste entlang des Weges.

  

Eissturmvogel und Dreizehenmöwe komplettieren den Vogelberg.                                 Fotos: © Achim Kostrzewa

12:15 geht es wieder zurück zum Mittagessen. Ab 11:00 klarte es richtig auf, über der Bucht lag Sonnenschein, über der hohen Klippe aber noch Wolken. Bei den Vögel ist kaum noch Aktivität, nach dem Kaffee (16:00 Uhr) geht's weiter. Es stürmt hier bei uns und Renate läuft 30 min mal Richtung Strand, ich setze mich dick eingepackt auf die sonnige Terrasse. Gegen 18:00 fahren wir wieder Richtung Vogelkolonie und gucken unterwegs nach Vegetation, machen Fotos. Bei der Kolonie treffen wir eine Dame, die mit uns auf der Plancius 2020 in der Antarktis war, so klein ist die Welt. Wir finden insgesamt ZWEI Papageitaucher. Der Wind bläst so stark, daß ich fast das Stativ nicht aufstellen kann, muß auch die große Kamera festhalten: das macht so keinen Spaß, wir geben es dran. Quatschen noch ein bißchen und fahren um 10 vor acht wieder langsam zurück, machen auf der Strecke noch Fotos. 20:30 leichtes Abendessen. Lesen, Schreiben, Bilder kopieren. Vor unseren großen Fenstern gibt es noch interessantes Licht.

 

Die Papageitaucher am Latrabjarg: es gibt nur wenige Stellen in ihrem Verbreitungsgebiet, wo man dauerhaft ungestört fotografieren kann. Gegen den dauerhaften Wind hilft der Parka aus der Antarktis. Die Linse kann nie lang genug sein: Nikon VRII 4/200-400mm mit TC14eII = 280-550mm (wiegt ohne Kamera 3,3 kg)         Fotos: © Achim & Renate Kostrzewa

  

So sind sie die Papageitaucher: erst Interesse heucheln, dann Abwenden und drauf Scheißen.... Fotos: © Achim Kostrzewa 

Mittwoch 8:10, wir sitzen fertig gefrühstückt mit der 2. Tasse Kaffee am Fenster und schauen auf die sonnenbeschienene Landschaft. Unser Rotschenkel, der das Häuschen als sein Revier betrachtet, schlägt Krach: ein Polarfuchs, ganz dunkel gefärbt, schleicht herum. Drei Singschwäne fliegen vorbei, Meer und Himmel sind blau. Herz, was willst Du mehr! Heute bester Fotovormittag: an 4 Papageitaucher Höhlen fotografiert (weiter oben kurz vor den Treppen), Kopula vom Tordalken, Tordalken auf ihrem definitiven Lieblingsplatz. Es ist ganz sonnig, aber mehr als 10°C bei etwas Nordwind sind nicht drin. Auch der Ranger erzählte, daß dies das kälteste Frühjahr seit langem sei. Wir waren 2 3/4 h bei den Vögeln. Dann zurück Mittagsessen: frisches Chili con carne, Napp und 15:30 Kaffee. Gleich gehe ich ins Hotel und checke das Postfach. Dauerte 18 Minuten bis ich im Postfach war... Mit dem Reisebüro scheint es zu klappen nächstes Jahr. Danach fahren wir bei weiterhin strahlendem Sonnenschein wieder zur Klippe. Ich gehe nach einer Stunde dann auch mal ganz hoch, weil jetzt liegt die ganze Klippe im prallen Sonnenschein, schlecht für die Vogelbilder, zuviel Kontrast. Aber gut für die Landschaft, drüben liegt der Snaefelsjoküll ohne Wolkenhut in der Sonne, imposant. Bisher bester Fototag. Trotz des stundenlangen Sonnenscheins, steigt die Temperatur nur um ein Grad auf 9°C, der kalte Nordwind (3-5) bleibt.

Donnerstag 9:10 an der Kolonie unten am Leuchtturm, es ist fast wie früher, es kommen jede Menge Puffins hereingeflogen und sitzen auf dem Grasrand oben oder vor ihren Bauen. Putzen sich ausgiebig und schauen den Nachbarn zu. Wenn man nach oben zur hohen Klippe blickt, reihen sich dort die Vögel in mehreren Etagen. Was ist heute anders als die letzten drei Tage? Der Wind ist nur leicht (3-4 Bf) auflandig. Das macht es den Papageitauchern leicht anzufliegen. Das sie morgens zurückkommen ist eher ungewöhnlich. Aber was ist in Zeiten des Klimawandels schon noch normal? Die Wassertemperatur war die letzten Jahre zu hoch. Große Makrelenschwärme haben den Vögeln die kleinen Fische weggefressen. Dieses Jahr fehlen die Makrelen wieder und schon können die Seevögel vom steigenden Nahrungsangebot profitieren. Ich fotografiere 2,5 h bloß Papageitaucher in allen Positionen, nah und in Übersichten. Das große Zoom ist dabei sehr hilfreich, aber der neue Zaun stört.

    

    

Man kommt aus kurzer Distanz immer wieder zu schönen Nahaufnahmen: Papageitaucher gähnend, reißt den Schnabel so weit auf, daß sich die Nickhaut über dem Auge schließt. Auch beim Tordalk unten dasselbe.  Fotos: © Achim Kostrzewa

Wenn man die Touris so beobachtet, ist er aber nötig, damit niemand von der Klippe fällt. Gegen Mittag wird das Wetter zunehmend schlechter, der Wind frischt auf, die Wolken werden dicker. Wir fahren nach Hause essen: Scharf gewürzten Gemüsereis mit zweierlei frischer Paprika und Pilzen und Tomaten, heute mal vegetarisch. Nachmittags gegen fünf geht es wieder los: diesmal in die andere Richtung. Wir wollen in einem weiten Umweg von unten an den Latrabjarg, zum Raudissandur, dem roten Sandstrand aus Muschelkalk. Das gibt aber nix. Schon auf dem Hochplateau umgibt uns dichter Nebel. Wir tasten uns bis zur Passstraße nach unten vor, es bleibt nebelig, Sicht 20 Meter mit Sturmböen. Die Straße soll 5 km steil bergab sein. Unten ist die Sicht wahrscheinlich auch nicht wesentlich besser, also wieder zurück. Jetzt regnet es auch noch. Schade, 68 km für nix...  Wir machen einen gemütlichen Abend: schreiben, Bilder speichern, lesen, faulenzen. Draußen stürmts, die Sicht ist nicht so dolle. Aber wir haben es warm, der Kühlschrank ist noch gefüllt. Und in Deutschland geht die Delta-Variante auf exponentielles Wachstum, wer hätte das gedacht? Wenn wir in knapp zwei Wochen wieder zu Hause sein werden, liegt der Delta-Anteil sicher bei 50%. Die deutsche Politik und der Fußball: dumm geboren, nix dazugelernt und die Hälfte wieder vergessen. Statt zuzumachen, nimmt man bei der noch immer zu geringen Impfquote von >30% der 2x Geimpften, die Durchseuchung der Bevölkerung in Kauf um des reinen Kommerzes halber ! Wie lautete doch der Schwur? "Schaden vom deutschen Volke abzuwenden." Da lach ich bloß, wenn mir das Lachen nicht im Halse stecken bliebe, ob der zusätzlichen Toten in der ungeimpften Population.

   

 

    

Pflanzenpracht im Kleinen: Nördliche Waldhyazinthe, geflecktes Knabenkraut, grüne Hohlzunge, Stengelloses Leimkraut, Arktischer Mohn.   Fotos: © Achim & Renate Kostrzewa

                   

Immer anderes Wetter, teilweise im Viertelstundenwechsel:  eiszeitliches Tal mit dem Restsee "Latravatn" auf dem Weg zur Kolonie.                       Pano-Foto: © Achim Kostrzewa

Freitag - Was sich gestern schon andeutete: Nebel, Sturm und Schauer zwischendurch. Wir frühstücken lange mit viel Kaffee und faulenzen in unserem gemütlichen Häuschen. Renate macht Strandspaziergang und wird ziemlich naß, ich mache Büroarbeit (Reiseplanung) im Internet im Hotel. Mittagessen, Napp und dann setze ich mich ein Stündchen dick eingepackt auf die Terrasse. Kaffee und nochmals Büro, Mail etc. Die englischen Tierfilmer sitzen auch im Hotel und berichten von einem Tümpel rechts neben der Straße hinter dem Dorf mit Odinshühnchen. Ab heute spät abends soll es aufklaren. Wir gucken noch Bilder und machen frugales Abendessen: Jogurth, Trauben, Äpfel & Käse.

  

Aufnahmen mit dem dreibeinigen Selfie-Stick nach getaner Arbeit.    Fotos: © Achim Kostrzewa

Samstag - Der Tag läßt sich gut an: über Nacht ist es aufgeklart, morgens scheint die Sonne. Dazu fällt mir jetzt spontan ein Witz ein, den mir mal ein Ostkollege (kurz nach der Wende) abends beim Bier erzählt hat: Erich hatte sein Büro nach Osten (Richtung Moskau) orientiert. Jeden Morgen tritt er auf seinen Balkon hinaus und begrüßt sie mit den immer gleichen Worten: "Guten Morgen liebe Sonne." Die Sonne antwortet brav: "Guten Morgen Herr Vorsitzender." Kommt Honecker nach West-Berlin zu Besuch und bekommt eine Präsidenten Suite mit Blick nach Westen. Tritt er also am Abend auf seine Terrasse und sagt: "Guten Abend liebe Sonne." Sie Sonne antwortet: "Leck mich im Arsch, ich bin jetzt im Westen..."  Was ham wir gelacht!  Genug davon. Wir brettern um kurz vor neun los. Bis ca. 11:00 sind ziemlich viele Papapaffins (Wortschöpfung Renate) da. Es fliegen auch viele an. Die sieht man aber so spät und sie sind so schnell, das mir auch bei 10 B/s kaum etwas gelingt. Wir genießen die Sonne und haben einen schönen, erfolgreichen Vormittag. Nachmittags um 5:00 geht es wieder los. Leider zieht es sich wieder zu. Kaum Aktivität bei den Puffins. Aber die Lummen bringen Fischchen zu ihren Brutplätzen, Partnern und ersten kleinen Jungen. Sie haben immer nur einen im Schnabel, so wird das Füttern ziemlich mühsam. Wir fotografieren derweil Pflanzen und sind um 20:00 wieder zu Hause. Es trübt sich wieder richtig ein. Am "Schwanensee" (Singschwäne mit Jungen auf dem Latravatn) hat sich ein Sterntaucher Paar eingefunden. Wir finden auch die Odinshühnchen, die werden aber von den zahlreichen Küstenseeschwalben verjagt.

Trottellummen brüten immer in größeren Trupps auf Felsbändern.    Foto: © Achim Kostrzewa

Fazit für den Latrabjarg: Ca. 20 Stunden netto an Vogelbeobachtungen vor Ort. Ergebnis: ca. 1.700 Fotos. Wie viel man sieht, besonders bei den Papageitauchern, hängt vom Wind und Wetter sowie der Tageszeit ab. An Wetter hatten wir alles, vom strahlenden Sonnenschein bis zum Platzregen! Donnerstags war unser bester Morgen, fast wie 2009 bei ähnlichem Wetter zur exakt der gleichen Jahreszeit. National Geographic hatte ein Team hier, um Lummen über die ganze Brutzeit hinweg zu filmen. Die Kolonie hat immer noch einen Ruf wie Donnerhall, obwohl die Nahrung für die Seevögel durch die Erhöhung der Temperatur der oberen 20 Meter Wassersäule abnimmt und wohl auch deren Zahlen (vgl. Renate Kostrzewa 2015 in BIUZ). Dazu kamen jahresweise große Makrelenschwärme, die lokal als Nahrungskonkurrenten zu den Seevögeln auftraten. Dieses Jahr aber wegen des kalten Frühjahrs nicht.

     

Latrabjarg Blick nach Westen (li) und nach Osten (re).                 Fotos: © Achim Kostrzewa

Letzter Abend in der Hütte: spektakulärer Sonnenuntergang über der Breidavik.                                           Foto: © Achim Kostrzewa

Blick vom Latrabjarg rüber zum Snaefells bei klarer Sicht. Unsere nächste Station...                                        Foto: © Achim Kostrzewa

 

Eine Woche auf Snaefellsness:

Unser zweiter Reiseabschnitt mit kleinem Ferienhäuschen liegt unterhalb des Vulkans südlich am Snaefells in Hellnar.  Pano-Foto: © Achim Kostrzewa    bitte nach rechts scrollen !

Sonntag - Wir fahren zunächst mit der Fähre nach Stykkisholmur. Wir brechen nach gutem Frühstück, Lesen, Packen und Aufräumen um 11:20 so langsam auf. An der Fähre brauchen wir erst um 16:30-17:00 zu sein. Wetter ist heiter bis wolkig bei 13°C. Es sind nur insgesamt 202 km bis zum neuen Häuschen, wir haben also viel Zeit zum Totschlagen. Fahren zunächst nach Patreksfjödur zum Einkaufen. Der Supermarkt hat wenig bis keine Auswahl. Kaufe 2 Äpfel, ein Brot und etwas Salami für die Bauernpfanne montags. Wir trinken noch einen Cappuccino und essen Hörnchen und Brötchen mit Schinken und Schmelzkäse. Es gibt noch ein "Restaurant" an der Tanke, das sieht richtig schmierig aus, da würd ich im Hinblick auf meine Campylobacter Erfahrung von 2011 nix essen wollen. Gut das wir alles schon vor der Fähre für die ganze Woche eingekauft hatten. 102 km bis zur Fähre - Fähre für 18:15 ist spät dran, Ausladen dauert auch, wie Beladen länger. Proppevoll das Cardeck. Auch auf Flatey länger als geplant angelegt, wegen der vielen Wochenendgäste dort, die ihr Auto in Stykkisholmur gelassen haben. Kurz vor 22:00 kommen wir nach weiteren 100 km in Hellnar am neuen Haus an. Wolken hängen tief, keine Sicht. Beziehen unser Bettchen und gehen gleich pennen.

Montag - ab 10:00 klart es auf und schon 10 km weiter westlich kommt die Sonne raus. Wir fahren bis Rif zu den Seeschwalben, die Kolonie scheint viel größer als vor 11 Jahren. Auf einiger Seen schwimmen Eistaucher. Bei Rif auch Odinshühnchen. In Olavsvik guter Supermarkt. Kaufen für die Woche ein, tanken voll. Sind nur 42 km bis Hellnar. Ab Rif ist auch der Snaefells frei zu sehen. Fahren einige Stichstraßen rein: 1. Vulkan Saxhöl, 2. Djupalonssandur, 3. Malarif, 4. Londrangar (Vulkanruine + Vogelkolonie), 5. Hellnar Bucht. Sind um 15:00 zu Hause und kochen Mittag. Gegen 17:15 geht es nochmals zum Schwarzen Sand (Djupasalon) und nach Hellnar zum Hafen. 19:45 zu Hause. Es zieht sich zu und beginnt abends zu regnen. Gucken Tagesschau via Netz.

Die Vulkanruine von Londrangar mit der Vogelkolonie in den Vulkanascheklippen im Vordergrund.                                      Pano-Foto aus 4HF: © Achim Kostrzewa

 

Dienstag - Regen. Gegen 10:35 fahren wir nach Arnarstapi und später zum Londrangar. Mittags wieder nach Hause. Essen, Napp, Schreiben. Abends geht es nach Hellnar zum Hafen, wir sprechen mit der Wirtin des berühmten Café Fjöruhusid und wollen am Donnerstag dort Fischsuppe essen. Regen, Regen...

Mittwoch - Regen. Gegen 10:45 fahren wir nach Osten über Arnarstapi weiter bis nach Midhus an den hinter der Primärdüne gelegenen See. Nix vogelmäßiges drauf, man kommt auch nicht bis ans Ufer, dort liegt eine Farm. Auf den Wiesen ein Singschwanenpaar mit 4 Jungen. Weiter nach Budir zur "Schwarzen Kapelle" (Budakirkje von 1848). Schöne Vegetation dort. Mittags zurück, Wetter wieder schlechter. Nachmittags Exkursion zur Vogelklippe von Arnarstapi. Entfernung ist doch ziemlich groß für Dreizehenmöwen, ein Krähenscharbennest mit 2 Jungen, Eissturmvögel am Nest und balzend. Auf den Wiesen jetzt auch Küstenseeschwalben. Sind um 19:15 wieder zu Hause. Regnet wieder.

Donnerstag - Erster Juli, wieder ein halbes Jahr rum. Erst Regen, dann auch  noch Nebel. Nix zum Sehen, bleiben zu Hause und lesen, schreiben, hören Musik. Fahren mittags Fischsuppe essen: 2x Suppe, ein Bier 7.000,- Kronen, ganz schön happig für die etwas wässrige Suppe auf Gemüsebasis mit etwas Fisch drin. Nicht empfehlenswert. Abends nochmals Vogelkolonie Svalbufa, die Aussichtsterrassen gab es 2009 noch nicht. 18:30 wieder nach Hause.

Freitag - Das Wetter wird besser! Gegen 15:00 kommt die Sonne richtig raus, knallblauer Himmel, ab 16:00 kann man den Snaefellsgipfel sehen! Es werden bis 17°C. Morgens machen wir früh einen Ausflug bis Rif mit einem Abzweig (Schotterweg) nach Westen zum knallorange bemalten Leuchtturm. Schönes Panorama mit viel Vegetation und Seevögeln an den schwarzen Lavaklippen. Dann trinken wir in Olafsvik am Hafen Cappucino und essen Apfelkuchen. Auf der Rückfahrt halten wir am Saxholmsbjarg, einem Tuffkegel, den Renate über die ausgebauten metallenen Stufen erklettert. Oben weniger imposant als von unten. Wir biegen noch einen weiteren Stichweg Richtung "Schwarzer Strand" ein, der in eine urige Lavazone führt, die völlig von Moosen und Flechten überwachsen ist. Am Nachmittag machen wir späten Mittag mit frisch gekochtem Chili con Carne. Zum Essen ist es auf der Terrasse noch zu windig, aber wir haben Tür und Fenster auf. Abends fahren wir noch zum Snaefells hoch, die Bergstraße hinter Arnarstapi. Sehr schön, gerade frisch repariert, gut zu fahren, natürlich Schotter. Es ziehen wieder Wolken und vor allem Dunst auf.

Samstag - der wärmste Tag überhaupt. Morgens schon 14°C, Sonne pur. Es werden bis zu 18°C, richtig warm ist das! Wir brechen früh auf, schon vor 9:00 geht es nach Osten bis zur Passtraße über das Frödarheidi nach Olavsvik, dann weiter nach Osten bis zum berühmten Kirkufjell (469m), der meistfotografierte Berg Islands. Hier gibt es jetzt einen großen Busparkplatz und ausgebaute Wege. Sodaß man das "berühmte" Fotopanorama vom Wasserfall bis zum Berg nicht mehr machen kann, ohne diesen technischen Mist und dutzende Touris im Bild zu haben. Wir kommen auch nach Grundarfjödur, wo wir 2019 mit dem Schiff angelegt hatten, um eine Bustour über die Halbinsel Snaefellsness zu machen. Danach drehen wir um und fahren wieder Richtung Heimat über die alte Küstenroute mit Stopps in Rif (Seeschwalben, Odinshühnchen und Eistaucher) und Svalbufa (Seevögel). Mittags erstes Essen auf der Terrasse! Wir speisen zwischen dem Meerblick und dem Blick auf unseren Hausberg, einmalig. Später wieder Exkursion zum Schwarzen Strand. Bleiben draußen vor dem Haus bis die Sonne hinter dem Snaefells verschwindet.

 

Zwei Tage auf der südlichsten Halbinsel - Reykjanes:

Sonntag - Rückreise zum Hotel Berg in Keflavik: Wir brechen nach gutem Frühstück, Lesen auf der Terrasse (es sind sonnige 16°C), Packen und Aufräumen um 11:30 so langsam auf. Es sind nur 253 km, aber Sonntag ab 14:00 setzt auch hier der Wochenend-Rückreiseverkehr ein. Ab Borganes, wo wir ein bißchen Marschverpflegung (Coffee to go + Hefeteilchen) kaufen, herrscht Seenebel. Nach der Ankunft im Hotel machen wir einen Hafenspaziergang und fahren einmal die Hauptstraße längs. Nix dolles hier. Kein Restaurant was uns jetzt - müde wie wir sind - reizen könnte: also Obst + Käse, Tagesschau aus dem Netz und ab ins Bett.

Montag - Unser letzter Tag. Wir haben eine Tour nach Grimsvik und weiter durch die Vulkanlandschaft nach Seltun zu den heißen Quellen geplant. Es ist morgens noch wolkig und kühle 10°C, später klart es auf und wird 14°C warm. Die Straße führt am Westufer des Kleifarvatn vorbei, dem drittgrößten See Islands. Tolle Vulkanlandschaft mit Lava- und bunten Aschestrukturen. Gegen 16:00 kommen wir wieder zum Hotel zurück und brauchen Kaffee. Frau Herrmann hat uns das Restaurant Duus am Hafen empfohlen. Bei Cappuccino studieren wir die Abendkarte und reservieren gleich: Spaghetti Sloppy Joe, eine Fischplatte für Zwei und Gull Biere vom Fass runden unseren letzten Abend ab. Nach Espresso gehen wir das kurze Stück zum Hotel Berg und versuchen zu schlafen.

Kleiner grüner See nördlich des Kleifarvatn, der Graenavatn.                                                                                                                                                    Pano-Foto aus 3QF: © Achim Kostrzewa

   

Das Solfatarengebiet bei Seltun: alles voller verschiedener heißer Quellen, es kocht, brodelt und stinkt.                                                          Fotos: © Achim Kostrzewa

Das Kleifarvatn, schon ein größerer See mit ca. 10 qkm Größe, nur 25 km von der Hauptstadt entfernt.                                                     Pano-Foto aus 2QF: © Achim Kostrzewa

 

 Wir sehen vom Meer aus, daß der Vulkan wieder beginnt aktiv zu werden, an unserem definitiv letzten Abend! © Achim Kostrzewa  

So sieht das dann von Nahem aus, wenn man, wenn die glückliche Kollegin Johanna Murgalla zur rechten Zeit am rechten Ort ist: ein absolut tolles Foto, was ich auch gerne in meinem Bestand hätte. Foto: © Johanna Murgalla, mit bestem Dank für die Möglichkeit es hier in meinem Beitrag zeigen zu dürfen...

Dienstag - Aufstehen um 4:15, Alarm packen und ab zum Flughafen, Auto abgeben und rein in die Abflughalle!  Da stauen sich die Leute schon vor den Abflugschaltern. Die Selbstabfertigung ist offline. So nach und nach sind alle Schalter dann besetzt, es müssen natürlich die Impfpässe kontrolliert werden. Nach Deutschland zurück gibt es keine Restriktionen für doppelt Geimpfte. Wir kommen schließlich von der einzigen "europäischen" Insel mit NULL Covid. Sicherheitscheck ist auch easy, diesmal wird Renate auf Sprengstoff getestet. Der Abflug verspätet sich. Wir haben viel Platz in einer halbleeren Boing 767, kommen aber pünktlich um 13:00 in FRA an. Gepäck abholen, Auto abholen und nach Hause, etwas einkaufen und 4h später sitzen wir im Garten bei Kaffee und Vanilleeis mit heißen Kirschen, Schokoladensoße (Renate) und Kirschwasser (Achim).

Fazit: es war die beste Idee des ersten halben Jahres 2021 diese 18 Tage ohne Covid in Island zu verbringen. Dank unseres Reisebüros und Frau Herrmann hat alles reibungslos geklappt. UND Island wieder einmal in seinem eher ursprünglichen Zustand, ohne von Touris überlaufen zu sein, zu erleben, war der Reise allemal wert.

Text und Fotos: © Achim Kostrzewa 9-10/2021, ein Vulkanfoto von © Johanna Murgalla