Zweimal auf West-Grönland-Kreuzfahrt in einem Sommer

– zwischen Kangerlussuaq und Ummannaq

 

von Achim Kostrzewa (Text & Fotos)

 

Warum fahre ich gleich zweimal die gleiche Strecke in Westgrönland im Sommer 2017 ab? Kann man nichts besseres mit seiner Zeit anfangen? Wohl kaum, wenn man einen wirklichen Eindruck von Land und Leuten bekommen will.

Die gesamte Küste an einem Stück zwischen Nuuk im Süden und Thule im äußersten Norden bin ich schon im Jahr 2007 mit der MS Fram gefahren. Nun ergab sich die Möglichkeit für mich, meine Frau Renate zu begleiten, die als wissenschaftliche Reiseleitung (für Biologie und Geographie) diese beiden Reisen auf der MS Hamburg leitete.

 

Textfeld: Foto: © Achim Kostrzewa
Typisch Grönland. Ummannaq: Ort, Insel und Fjord in einem Bild. Wir tendern (Tender vor dem gelben Gebäude) zum Hafen. Der "Robbenherz"-Berg trägt heute einen Sombrero aus Wolken. Bei diesen Panoramen muß man je nach Browser nach rechts scrollen!

(Die Fotos sind, soweit nicht anders gekennzeichnet, alle aktuell auf diesen beiden Reisen aufgenommen mit Nikon Voll- (FX) und Halbformat (DX) Kameras, sowie Brennweiten von 24-300mm. Zusätzlich kam eine Halbformat Fujifilm X-E2 mit 2,8/14mm, 2/18mm, Nikkor 3,5/28mm und Micro-Nikkor 2,8/55mm mit Adapter zum Einsatz, alle Panoramen wurden mit der Fuji gemacht).

 

Ich habe also die Möglichkeit zu erleben, wie sich Wetter und Reiseroute auf das Reiseerlebnis auswirken. Die Routen sind auch nie genau gleich, weil letztendlich der Kapitän und die grönländischen Eislotsen befinden, wo wir anlanden können. Die im Prospekt ausgewiesene Reiseroute ist also ein Wunsch, der schon vor zwei Jahren in das Papier des Katalogs „gegossen“ wurde. Die Wirklichkeit erleben wir jetzt und in zwei Jahren kann sich einiges ändern! Nur um ein Beispiel zu geben: die Landung im Dorf Saqqaq ist nicht mehr möglich, weil winterliches Treibeis die schon immer wackelige Pier weggerissen hat. Der notdürftige Ersatz wurde auch wieder vom Eis zerstört. So erfüllt heute eine Baukran die Pierfunktion, der aber nicht für Personen geeignet ist. Flexibilität und Improvisation sind also eine Grundvoraussetzung für die Grönländer, aber auch für die Schiffs- und Reiseleitung wie für die Gäste, die schon im Prospekt auf mögliche Planänderungen hingewiesen worden sind. Festhalten am geschriebenen Text nützt hier gar nichts und führt bei den Uneinsichtigen nur zu Verdruß! Da wurde ich doch von einem älteren Herrn angesprochen, der meinte, „die Geländewagen hier hätten ja gar keine Ersatzräder auf der Hecktür montiert, wie in Deutschland üblich. Was machen die dann bei einer Panne?“ Ja, was machen die? Die nehmen ihr Mobiltelefon und rufen einen Freund an, der sie abholen kommt, nehmen das kaputte Rad mit, lassen es reparieren oder reparieren selber und fahren wieder zu ihrem Auto zurück. Das Geheimnis hinter dieser Technik ist ganz einfach: alle Straßen und Pisten enden kurz hinter der Stadt- oder Dorfgrenze. Es gibt keine Überlandverbindungen zur nächsten Siedlung, nirgendwo in Grönland, also braucht man auch keine Notfallausrüstung! Nur das allgegenwärtige Smartphone! Und auch das funktioniert nur im Umfeld der Ortschaften.

 

Der "Robbenherz"-förmige Berg im Sonnenschein. Foto: © Achim Kostrzewa (2007)

Lesen Sie im Folgenden eine oder besser zwei Reisebeschreibungen dieser Schiffsreisen. Ziehen Sie ihre Schlüsse daraus. Meine Schlussfolgerung vorweg: Jede Reise ist anders. Wetter und Eisbedingungen entscheiden den „Reiseerfolg“, wenn man ihn denn überhaupt messen will und kann. Für mich ist selbst nach 15 Jahren sommerlichem Grönlands immer noch etwas Neues zu erfahren. Carpe Diem!

 

 

MS Hamburg - Grönland intensiv 15.-24.-Aug. 2017

 

Wir fahren Montag abends zum Flughafen Hotel nach Wahn. Das ist insofern bequemer, als wir morgens schon um 6:00 einchecken müssen. Montags haben wir dann genug Zeit, in aller Ruhe das Haus „ferienfest“ zu machen…

Dienstags geht es los. Per Charter mit „Titan Air“ nach Kangerlussuaq. Die Koffer sind voll (je 23kg Sondergepäck statt der üblichen 20kg) und je 10 kg Handgepäck (statt 5 kg). Da der Flieger nur die neuen Schiffspassagiere bringt, ist das kein Problem, zumal Renate für den Veranstalter arbeitet.

 

 

Ost-Grönland aus der Luft. Die Boing 676 hat Fenster aus Plexiglas mit deutlichen Verwerfungen, nicht schön für den Fotografen. Mehrere Gletscher laufen hier zusammen und fließen am linken Bildrand ins Meer. Foto: © Achim Kostrzewa

West-Grönland aus der Luft. Die Boing 676 hat Fenster aus Plexiglas mit deutlichen Verwerfungen, was leider zu partiellen Unschärfen führt. Schmelzwassersee, den allmählich von Rand her (rechts) jetzt im August wieder zufriert. Foto: © Achim Kostrzewa (15.8.17) Zum Vergleich 2016 siehe hier

 

Erst einmal stehen wir 30 min. länger am Terminal, weil unser Gepäck nur zögerlich verladen wird. Nach einem bequemen Flug und einem guten Business Class Frühstück erreichen wir Kangerlussuaq mit 15 min Verspätung, nur um dann zwei große Schleifen über dem Fjord zu drehen, weil eine Air Greenland Maschine bevorzugte Landerechte hat. Wir erreichen um 10:15 endlich das Terminal, nach dem wir auf eine Außenposition fahren müssen, weil die schöne Boing 767 nicht vor das Terminal passt, sie ist zu groß! So dauert es noch weitere 15 min., unsere Ausflugsbusse zu entern. Um das Gepäck kümmern sich hilfreiche Geister vom Schiff. Nun ist es schon 10:30 und damit zu spät für die Tour zur Eiskappe, bzw. zu seinem Ausläufer, dem Russelgletscher. Die Tundratour wird vom Nachmittag auf den Vormittag verlegt, damit wir um 12:30 pünktlich zum Mittagessen am Lake Ferguson sind. Hier gibt es in schöner Landschaft ein Freiluft- Restaurant. Wir grillen draußen landestypisch: Lamm, Rentier und Keulen vom Moschusochsen. Für Vegetarier oder gar Veganer ist die grönländische Kost nicht sehr zuträglich. Denn es herrschen viele Monate im Jahr harte Klimabedingungen, da kommt es auf eine gute Kalorienzufuhr an. Für den neumodischen Firlefanz, kein Fleisch oder keinen Fisch zu essen, hat man hier gar kein Verständnis. Für etwaiges Schlechtwetter steht ein großes Zelt mit ausreichend Sitzplätzen zur Verfügung.

 

Renate kennt den Weg in- und auswendig. Unsere Allradbusse bringen uns sicher zum Gletscher. Die Gletscherzunge des Rentiergletschers zeigt allerdings schon gewaltige Schrumpfungserscheinungen über die letzten 16 Jahre: sie hat sich rechts deutlich sichtbar von ihrer Seitenmoräne getrennt! Im Vordergrund fruchtet Scheuchzers Wollgras. Fotos: © Achim Kostrzewa

 

Um 13:30 stehen dann die Allradbusse bereit für die Fahrt über die Sandpiste entlang des Watson River zum Russelgletscher. Vom Sugarloaf Mountain bis hin zur Eiskappe hat VW vor über 20 Jahren eine neue 20km lange Piste bis auf das Eis gebaut, um dort ihre Autos auf Wintertauglichkeit zu testen. Die Teststrecke ist längst aufgegeben. Die Gletscher weichen immer weiter zurück und werden im Sommer oberflächlich zu weich, um weiter als Testplatz zu dienen. Jetzt wird des Winters in Nordschweden getestet.

Wir fahren durch weite Sanderflächen, quasi durch eine Wüste, die aus Abschliffmaterial vom Gletscher stammt, die der Wind hier im Tal zusammengefegt hat.

Die meisten Tundrapflanzen sind schon verblüht, aber wir finden noch Arktisches Weidenröschen und fruchtendes Wollgras auf dem Weg zum Gletscher. Auch mit den Moschusochsen (Ovibos moschatellinus) haben wir Glück, eine Gruppe von sieben Tieren grast unweit der Straße. Sie fliehen aber angesichts unseres Monsterbusses. Am Fuße des Gletschers gibt es einen Rastplatz, wo wir 30 min. rasten können, um den Gletscher zu bestaunen. Einige Bänke laden zur Rast für die wenigen Rucksackwanderer ein, denen wir hier begegnen. Drei Dixieklos runden die Raststelle „nach unten hin“ ab. Hier begegnen wir auch einem einzelnen Schneehasen (Lepus timidus), der an den Kräutern nascht.

 

Das Tal des "Langen Fjords" ist weitgehend mit Sand bedeckt, der aus dem Gletscherabschliff besteht. Oben: Die Arktischen Weidenröschen - Grönlands Nationalpflanze - blühen noch an warmen, geschützten Stellen, ansonsten ist die Blütezeit Mitte August längst vorbei. Fotos: © Achim Kostrzewa

 

Um 17:30 werden wir von den Bussen pünktlich an der kleinen Tenderplattform abgeladen. Einen richtigen Hafen gibt es in Kangerlussuaq nicht, weil sich der Sand des Tales im Fjord fortsetzt. Die Schiffe müssen weit draußen auf Reede bleiben und wir tendern alles Gepäck und die Passagiere bei Ebbe durch eine schmale, mit Bojen markierte Fahrrinne. Ein Tender fährt sich fest und muß abgeschleppt werden! Das Gepäck wurde gleich vom Flieger aufs Schiff gebracht und auch das im Bus nicht benötigte Handgepäck wird eingesammelt und wir finden alles wohlbehalten auf Kabine wieder. Für 19:00 verspricht das Tagesprogramm Abendessen im Restaurant (Deck 3) und im gemütlichen Palmgarten, wo man auf Deck 6 auch draußen in der Sonne sitzen kann. Aber vor dem Abendessen gibt es noch die obligatorische Sicherheitsübung mit Schwimmwesten und Einweisung in die Musterstationen, dann haben wir es geschafft. Essenszeit! Später werden dann noch die Schiffsoffiziere und die Reiseleitung vorgestellt und alle können müde ins Bett fallen, während wir seit 18:00 schon den schmalen, „langen Fjord“ von Kangerlussuaq gen Westen zum Meer fahren. Die interessante Fjordfahrt dauert 6,5 h. Aber der Tag war für viele recht lang, die vier Stunden Zeitverschiebung eingerechnet, sind wir vom Flughafen Köln/Bonn (6:00) bis zum Schiff (18:00) ziemlich genau 16 Stunden unterwegs gewesen, die beiden Exkursionen eingerechnet. Wer das nicht möchte, kann auch schon mittags aufs Schiff, aber die Tour zur Eiskappe ist sehr lehrreich, um die grönländische Landschaft, die ja nur zu 20% aus Tundra und zu 80% aus Eis besteht, zu verstehen.

 

 

West-Grönland: abends machen wir uns auf in der "Langen Fjord", Richtung Polarmeer. Vom Abendbrottisch im Palmgarten kann man die Landschaftsmotive im Auge behalten. Die Kamera ist immer dabei. Foto: © Achim Kostrzewa

 

 

Sisimiut

Am nächsten Morgen haben wir Sisimiut, mit ca. 6.000 EW die zweitgrößte Stadt Grönlands, erreicht. Leider ist es sehr nebelig und wir sehen nichts vom Wahrzeichen der Stadt, dem Nasaasaaq (gesprochen ungefähr wie „Nasser Sack“ J), der geformt wie die Kapuze  eines Frauenparkas, mit 784 m Höhe über der Stadt thront. Auch die Fahrt zum Aussichtspunkt bringt keinen weiteren Einblick. Bleibt uns das Museum mit seiner alten Holzkirche von 1773, die aber erst ein Jahr später hier ankam und ein weiteres Jahr dauerte es, bis der in Dänemark hergestellte Bausatz hier aufgebaut werden konnte. Die Kirche steht also erst seit 1775 an Ort und Stelle. Vom Museumsplatz tritt man durch einen Bogen aus einem Walunterkiefer auf eine Treppe, die zum Hafen hin führt. Weiter oberhalb steht die „neue“ Kirche. Im und um das Museum wird Inuitkultur gezeigt, wie zum Beispiel das Fell bespannte Frauenboot, das Umiaq. Unsere Stadtrundfahrt endet am Nordwest Ende der Straße, wo die Schlittenhunde angeleint ihren faulen Sommer verbringen. Einzig die Welpen laufen frei herum, sie kommen ja immer wieder zu ihrer Mutter zurück. Schlittenhunde gibt es nur nördlich von Sisimiut, da weiter südlich Schafe gehalten werden, würden ausgekommene Grönlandhunde, nahe mit dem ursprünglichen Wolf verwandt, sicherlich Jagd auf die Schafe machen. Schafzucht wäre in Sisimiut von Klima her nicht mehr möglich, daher verläuft hier der sog. „Hundeäquator.“

 

Sisimiut bei gutem Wetter ist ein sehr schönes kleines Städtchen. Der "Mützenberg" ist gut zu sehen. © Achim Kostrzewa (2016)

Außerhalb der Stadt liegt die Teleinsel, ein beliebtes Gebiet für eine kurze Wanderung (1,5 h) in die nasse Tundra, die hier einem Flach- oder Niedermoor gleicht. Der Weg ist heute schlüpfrig, weil der Nebel alles mit einer feuchten Decke überzieht. Stöcke sind daher eine gute Idee. Ich verzichte auf das nasse Vergnügen… Und trinke lieber einen schönen heißen Kaffee an Bord. Gegen Abend beginnt es langsam aufzuklaren. Der „Kapuzenberg“ bleibt aber trotzdem in den Wolken verborgen. Wir setzen unsere Fahrt Richtung Norden fort und wollen Morgen früh am Pier von

 

Aasiaat

anlegen. Es regnet sehr stark, daher bleibe ich auf dem Schiff, da ich schon mehrmals bei gutem Wetter hier angelandet bin. Kirche und Museum sind die Hauptattraktionen. Der Ort liegt auf einer kleinen Insel in der südlichen Diskobucht und lebt vom Krabben- und Fischfang. Direkt am Hafen die obligatorische Fischfabrik.

 

 

 

Aasiaat, Hafenansicht und pfiffige Damespieler. Sie wollten mich schlagen und haben das auch locker mehrfach geschafft. Aber als Kind habe ich viel Dame gespielt, mich an ein paar Tricks erinnert und so auch einmal gewonnen... © Achim Kostrzewa (2016)

 

Qasigiannguits (Christianshab auf dänisch)

Ehe ich mir hier „Quasi“ einen abbreche, bleibe ich in diesem Falle beim dänischen Namen. Der Ort ist neu für mich. Er gliedert sich in den alten, um den Hafen liegenden Stadtkern mit seinem Museum und eine moderne Siedlung, die sich mit Wohnblocks weit um das Zentrum erstreckt. Die Holzhäuser dieser „Perle der Disko Bucht“ sind frisch gestrichen und knall bunt.

 

Im Nieselregen wirken die bunten Häuser besonders anheimelnd. Die Eisberge im Hintergrund sprechen eine klare Sprache: Du bist hier in Grönland! © Achim Kostrzewa

 

 

"Alles so schön bunt hier!" Im trüben Wetter oder bei beginnender Polarnacht wirken die bunten Häuser vielleicht besonders anheimelnd?! So schön die Spätsommer sind, so ganz ohne Mückenplage nach den ersten Nachtfrösten; im Spätwinter (April) möchte ich nur mal auf einer Stippvisite hier sein zum Schlittenfahren und Eisfischen. © Achim Kostrzewa

 

Mir fällt besonders auf, daß nirgendwo Felle zum Trocknen aufgespannt sind, weder Robben- noch die seltenen Eisbärenfelle! Entweder es ist zu feucht oder die Trocknung der in Frühjahr geschossenen Tierfelle ist bereits abgeschlossen. Bei früheren Touren im Juni/Juli haben wir immer zahlreiche Trockenrahmen in verschiedenen Dörfern gesehen…Es kann ja auch sein, das es hier keine Jäger mehr gibt, denn Krabben und Heilbutt sind seit dem Bau der Fischfabrik die Haupteinnahmequelle. Abends „dampfen“ wir weiter nach

 

Qeqertasuaq

Dieser Ort liegt auf einer Landzunge der Disko Insel (die ist mehr als zweimal so groß wie Mallorca!) und verfügt über einen Naturhafen, der allerdings für Kreuzfahrtschiffe nicht geeignet ist, zu klein. Wir tendern also in den Hafen.

 

Qeqertasuaqs Naturhafen eignet sich nur für kleinere Fischerboote   © Achim Kostrzewa

 

Auf der „anderen“ Seite der Landzunge finden wir eine große Bucht mit Eisbergen, die hier teilweise gestrandet sind. Links entlang der Bucht erstreckt sich der Wanderweg ins „Tal der Winde.“ Eine beliebte Strecke für geologisch und botanisch Interessierte.

 

Bis zum Helipad ist der Weg noch asphaltiert, dann geht es über Kies und Stock & Stein ins Tal der Winde. Im HG die Biologische Station © Achim Kostrzewa

Die Biologische Station, gegründet vom dänischen Botaniker Morten Porshild, existiert immer noch und enthält eine sehr wertvolle Bibliothek voller Original Handschriften und Expeditionstagebüchern berühmter Polarforscher, wie z.B. das von Alfred Wegeners Inlandeis Überquerung. Das Örtchen selber glänzt durch seine achteckige Kirche, genannt „Gottes Tintenfaß“ und eine Kurzwellenfunkstation aus Zeiten des kalten Krieges. Bunte Holzhäuser und Schlittenhunde geben dem Ganzen ein ursprüngliches Flair trotz des ganztägig bedeckten Himmels.

 

Alle zwei Tage gibt es einmal Futter für die grönländischen Arbeitshunde, die im Sommer ja nichts zu tun haben und nur angeleint in einem kleinen Areal laufen können. © Achim Kostrzewa

 

 

Nur die Welpen laufen frei, kommen aber immer wieder zur angeleinten Mutter zum Trinken  © Achim Kostrzewa

 

Abends verholen wir uns zum nächsten Ziel:

Saqqaq (es gibt drei gültige Schweibweisen: Saqaq & Sarqaq)

was wir am nächsten Morgen erreichen. Unsere Kreuzfahrt Chefin Alexandra hat eine schlechte und eine sehr gute Nachricht für uns:

Die Schlechte: wir können in Saqqaq nicht anlanden, das Pier ist immer noch kaputt. Ein Eisberg war Schuld! Die improvisationsfreudigen Grönländer haben an dieser Stelle einen großen Baukran gestellt, mit dem sie ihre Boote und das Versorgungsschiff entladen können.

 

Zwischenzeitlich ein historisches Foto - das kleine Pier von Saqqaq. Foto: © Renate Kostrzewa (19.6.2006)

 

Die Gute: wir gehen auf Zodiactour zwischen die hier zahlreich gelegenen Eisberge. Am Tag vorher hat es eine Zodiac Einweisung an Bord gegeben, die heute aus Sicherheitsgründen obligatorisch ist. Die Anwesenheit wird namentlich erfasst. Wer keine Einweisung hat, darf nicht aufs Zodiac!

 

 

 

Zodiactour um die Eisberge vor Saqqaq. Fotos: © Achim Kostrzewa

So können wir insgesamt vier Zodiacs mit Lektoren* bemannen. Drei aus dem Lektorenteam und meine Wenigkeit als Aushilfe (reise in Grönland seit 15 Jahren) fahren dann je viermal raus zwischen die Eisberge und geben Anschauungsunterricht über die Entwicklung der Eisberge vom Kalben bis zu Ihrem Abschmelzen. Das leicht trübe Licht lässt die Strukturen besonders gut hervortreten. Mittags komme ich leicht angefroren nach vier Stunden vom Zodiac und taue mich bei einer super leckeren, kräftigen Linsensuppe mit Wodkaeinlage wieder auf. Wir folgen den Eisbergen von Saqqaq durch den Vaigat Sund weiter nach Norden. Das Wetter wird besser und an Bord gibt es wieder Vorträge über Wale und die Tundra und ihre jeweilige Bedeutung für die Grönländer.

(*Lektor, wahrscheinlich eingedeutscht von engl. „Lecturer“=Universitätslehrer ohne Professorentitel, studierte, meist promovierte Naturwissenschaftler, die als wissenschaftliche Reiseleiter in den Fächern Biologie, Geografie, Geologie, Meereskunde, Ornithologie, Ökologie, Vegetationskunde etc. fungieren, an Bord Vorträge halten und an Land qualifiziert führen können. Mache ich seit über 20 Jahren hobbymäßig in der Antarktis und der Arktis.

 

Qillisat

Diese verlassene Bergbausiedlung entzieht sich unserer Anlandung. Es gibt keinen Steg und mit den Zodiacs könnten wir nur eine nasse Gummistiefel Anlandung machen. Wir haben aber keine Gummistiefel an Bord. Also werfen wir nur einen Blick darauf. Die ersten drei Häuserreihen wurden von einer Flutwelle zerstört, die durch einen Bergrutsch auf der gegenüberliegenden Seite des Vaigat Sundes, also auf der Nuusuaq Halbinsel ausgelöst wurde.

 

Qillisat, man sieht die Spur der Verwüstung durch die Flutwelle: von den Häusern am Strand stehen nur noch die Fundamente. Foto: © Achim Kostrzewa (8/2007)

 

Ummannaq

auf einer kleinen Insel nördlich der Nussuaq Halbinsel am gleichnamigen Fjord gelegen, ist unsere nördlichste Reiseposition. Bis hierher fahren auch die Grönländischen Fährschiffe im regelmäßigen Küstendienst. Früher wurde der Fährdienst – staatlich hoch subventioniert – im Sommer bis hoch in den Norden nach Qaanaq (Thule) geleistet. Doch die grönländische Regierung in Nuuk möchte die Bürger mehr im Süden haben, weil es hier einfacher ist sie mit Krankenhäusern, Schulen und ähnlichem zu versorgen. Sie am Fortschritt teilhaben zu lassen.

 

Das Herz von Ummanaq: das Museum (links, gelbe Häuser), die Steinkirche, die Grassodenhäuser (rechts, am Bildrand, scrollen) und darüber die Schule als Neubau.  Foto: © Achim Kostrzewa 

 

Ein kleiner Exkurs zum Leben in Nordgrönland

Der Museumsleiter in Uppernavik (liegt nördlich von Ummannaq) erklärte mir vor einigen Jahren die Konsequenzen: innergrönländische Flüge seien so teuer, das sie sich die Bevölkerung nicht leisten könne. Bleibt im Sommer das Boot und im Winter der Hundeschlitten. Zweimal im Jahr kommt ein Versorgungsschiff und das ist es dann. Die mehr im Norden lebenden Jäger verbleiben in winzigen Siedlungen wie z.B. Siorapaluq. Ca. 30 Personen leben hier noch von der Jagd und vom Fischfang. Der japanisch stämmige Jäger Ikou Oshima ist in ganz Grönland berühmt für seine jagdliche Kunst. Wir haben den hohen Norden bis Thule auf der Jungfernfahrt der MS FRAM 2007 erkundet. Aber man muß sich das klarmachen: niemand fährt mit dem Hundeschlitten von Thule bis in die Disko Bucht, das wären knapp 1.000 km! Also sind die nördlichen Siedlungen isoliert. Die Jungen gehen fort in die im Süden anwachsenden Städte Nuuk, Sisimiut oder Ilulissat. Dort gibt es „moderne“ Arbeit im Tourismus und der Dienstleistung. Man wohnt halt nicht mehr im eigenen Haus, sondern in Zweizimmer „Plattenbauten.“ Die intelligenten und Fortschritts zugewandten studieren in Kopenhagen Medizin oder MINT Fächer und kommen oft gar nicht wieder in ihre angestammte Heimat zurück.

Allerdings könnte die Klimaerwärmung, die in Grönland in den letzten 30 Jahren schon 3°C betragen hat, dazu führen, dass die Landwirtschaft im Süden zunimmt und die derzeit hohen Rohstoffpreise auch den Bergbau wieder attraktiv machen. Grönland ist reich an Rohstoffen, Metallen wie Gold, Zinn und Kupfer, in der See gibt es große Gasvorkommen, die es sich bald zu pumpen lohnt. Die Konzessionen sind schon vergeben! Damit könnten die Grönländer sich endlich ganz von Dänemark abkoppeln und ähnlich wie in Island selbständig sein. Fischfang und Tourismus reichen dafür nicht aus. Derzeit werden für die 56.000 EW je 8.700 € Subventionen von Dänemark gezahlt. Die vorhandenen Rohstoffe langfristig auszubeuten, könnte dies überflüssig machen!

 

Doch zurück nach Ummannaq:

hier gibt es die einzige Steinkirche Grönlands. In den gelben Gebäuden links dahinter befindet sich das Museum, durch das meine Frau Renate mehrere Führungen macht. Mehr als 20 Leute gleichzeitig passen nicht in die beengten Räumlichkeiten. Die Zimmer in den alten Wohnhäusern sind klein, die Decken niedrig, die Fenster ebenfalls klein. Die Ausstellung umfasst die gesamte Jägerkultur. Eine Vitrine zeigt auch die Schuhe des deutschen Polarforschers und Geografen Alfred Wegener, der als erster die Hypothese der Plattentektonik in den 1920er Jahren aufbrachte. Er wurde dafür verlacht. Angeregt durch geophysikalische Forschung, die auf das „internationale geophysikalischen Jahr“ 1957/58 zurückgeht, fand man 1968 durch Tiefsehbohrungen (Forschungsbohrschiff Glomar Challenger) den mittelatlantischen Rücken, das Seafloorspreading um mehrer Zentimeter pro Jahr und damit war aus Wegeners verlachter Hypothese eine tragfähige Theorie geworden (vgl. Moritz 2008). Er konnte davon leider nicht mehr profitieren, weil er auf einer Inlandseisdurchquerung in Grönland schon im Jahr 1930 an einem Herzinfarkt verstorben war. Sonst wäre ein Nobelpreis fällig gewesen!

 

Renate macht immer wieder mit viel Engagement eine Museumsführung Foto: © Achim Kostrzewa

 

Wesentlich profaner ist der Weg zum Haus des Weihnachtsmannes, was viele sportliche Touristen dem Museumsbesuch vorziehen. Ummannaqs Hausberg, „der Robbenherz-förmige“ thront über der Stadt, ist aber oft Wolken verhangen. In Ummannaq paart sich das alte Grönland mit seinen bunten Holzhäusern mit der Moderne, die sich in einem neuen Schulgebäude, einem Krankenhaus, einem hochmodernen Blockheizkraftwerk für Strom und zentraler Warmwasserheizung ausdrückt. Nicht zu vergessen die moderne Fischfabrik am Hafen, die viele Arbeitsplätze bereitstellt. Mittags geht es wieder zurück in den Vaigat Sund, aber nein, wir haben Westkurs sagt mit ein Blick auf meine Uhr (Sie kennen den Trick mit dem Stundenzeiger auf die Sonne?). Was ist loß? Wir müssen 12 Meilen weit raus aufs Meer, das viele Duschwasser wieder loswerden, was die Touris verbrauchen. Was wird in der schiffseigenen Anlage vorgereinigt und darf dann ins Meer gepumpt werden. Erst gegen Abend kehren wir zum Vaigat Sund zurück. Uns kommen wieder zahlreiche Eisberge aus dem Eisfjord bei Ilulissat entgegen, bevor wir in den Fjord einbiegen können, der uns wieder nach Norden  zum Eqip Gletscher führt. Vor dessen vier km langen Front wollen wir mit den Zodiacs rausfahren.

 

Einweisung in das Mit-Fahren mit dem Zodiac (Schlauchboot)

Mit darf nur der, der auch an der abendlichen Zodiac-Einweisung teilgenommen hat. Jeder muß seine Bordkarte dafür vorlegen und wird namentlich erfasst. So verlangen es die Sicherheitsbestimmungen seit einigen Jahren. Ich hab so was nicht, fahre seit vielmehr als 20 Jahren Zodiacs (ohne Führerschein). Angefangen hat das in Schottland als Biologe auf dem Weg zu vielen Vogelinseln, fortgesetzt hat sich das in der Antarktis bei den Pinguinen und Albatrossen, auf Spitzbergen oder wie jetzt in Grönland. Auf der MS Hamburg dürfen nur zertifizierte Bootsleute des Schiffes ein Zodiac fahren, sehr vernünftig, wie ich finde. Dann habe ich als Aushilfs-Lektor die Hände frei fürs Fotografieren!

 

Eqip Sermia

Wir fahren mit der Hamburg bei strahlendem Sonnenschein in einen Seitenarm des Vaigat Sundes wieder in nördliche Richtung, bis wir die Gletscherkante sehen. Vormittags gibt es einen zünftigen bayrischen Frühschoppen mit reichlich Grillgut auf dem Pooldeck. Auch die Weißwürste dürfen nicht fehlen. Die vom Alleinunterhalter Pavel dazu gelieferte Musik stört einige in ihrem Naturerleben, aber „wat willste maache“, selbst rheinisches Liedgut wird zum Besten gegeben. Ich hätte es auch lieber still. Aber Stille können viele moderne Großstädter kaum mehr aushalten. Reichlicher Biergenuß („Köpi“ ist nicht gerade urbayrisch) wirkt harntreibend, das ist unpraktisch auf einem Zodiac, wo man sich nirgendwo in die Büsche schlagen kann. Leute, die unruhig hin und her rutschen, werden vor der nächsten Zodiac Tour sicherlich abstinenter bleiben :-). Hier ankern wir, lassen die fünf Zodiacs ins Wasser, ein sechstes bleibt als Rettungsreserve am Schiff.

 

Wir bereiten uns auf die Zodiactour zum Eqip Sermia vor. Erstmal wird die Eissituation mit dem Fernglas angeschaut, dann ein Scoutboot losgeschickt. Bei diesen Panoramen muß man je nach Browser nach rechts scrollen! Die linke Gletscherzunge hat nicht mal einen Namen. Rechts im Foto die bis zu 40 Meter hohe Wand des Eqip Sermia.  Foto: © Achim Kostrzewa

 

Dann geht es - juchhee - bis ins Crush Ice vor den Gletscher, der noch bis ins Meer reicht. Beim Sonnenschein brechen immer wieder schmale Eisplatten von seiner Front ab. Wir hören den Knall aber erst 3 Sekunden nach dem sichtbaren Plattscher, sind also noch ziemlich genau einen Kilometer von der bis zu 40 Meter hohen Gletscherfront entfernt. Das ist auf alle Fälle genug Sicherheitsabstand, das uns auf den Zodiacs nichts passieren kann! Ich fahre insgesamt 5mal zwischen 13:45 und 19:00 zum Gletscher raus. Der Zodiacfahrer wechselt nach dem dritten Mal, er hat Pause. Trotz der Sonne friert man so langsam durch in fünf Stunden. Ich hatte schon eine Decke als Sitzunterlage organisiert und zwischendurch mal einen heißen Tee getrunken. Doch Achtersteven und Rücken werden langsam aber sicher kalt. Nur das Mundwerk ist im Dauerbetrieb: 5mal der mehr oder weniger gleiche Text über das Fließen des Gletschers von der Eismitte bis zum Meer. Der Eqip ist noch ziemlich behäbig: er fließt bloß mit vier Metern pro Tag. Aber seine Front ist schon deutlich schmaler geworden in den 15 Jahren, die wir ihn kennen. Rechts und links zeichnet sich deutlich eine Lücke zwischen der Seitenmoräne, die die maximale Gletscherbreite von über 4 km vor ca. 100 Jahren unmissverständlich in den Fels gegraben hat und der heutigen, geringeren Breite ab. Die Fragen sind immer die gleichen: wie hoch, wie breit, wie alt, wie schnell und die Masterfrage: wie schnell tauen Eisberge ab? Antwort: das kommt auf deren Größe an. Im Eisberg herrschen ca. minus 15°C. Das hält ziemlich lange vor, wie lange allerdings hängt vom Volumen des Eisklotzes ab. Je kleiner die Stücke, je schneller das Tauen. Das Zerbrechen spielt also eine bedeutende Rolle im Leben eines Eisberges. Wir sehen diese Spuren deutlich an verschieden gelagerten Flutkehlen. Jedes Abbrechen von Material führt zu einer Verlagerung des Schwerpunktes und es bildet sich dann wieder eine neue Brandungskehle. Immerhin sind ungefähr 7/8 des Volumens unter Wasser und 4/5 der Höhe. Sehen wir also 20 Meter Berg überm Salzwasser folgen noch weitere 80 Meter unter Wasser! Diese Angaben sind Circa Werte, sie hängen u.a. vom Salzgehalt des Meerwassers und seiner Temperatur ab. Das Eis des Eisberges ist ja Süßwasser, komprimierter Schnee, der hier in Grönland maximal 250.-300.000 Jahre alt sein kann. Das alles kann der Kundige aus einem bisschen Gletscher plus Eisberg und ein paar Linien in dem selben „heraus lesen.“

 

Zodiac im Crush Ice neben dem Eqip Gletscher.  Foto: © Achim Kostrzewa

Rechts neben dem Gletscher liegt das Eqip Eis Camp, eine Gruppe von ca. 12 roten Hütten, die man in Ilulissat buchen kann. Man wird dann mit dem Boot für eine Woche rausgefahren und kann in der Umgebung wandern. Hier in dem benachbarten Tal startete auch die Inlandeisüberquerung von der Schweizer Gruppe um Alfred de Quervain 1912. An dieser Überquerung war auch der Großvater unseres Lektors Stefan Orth beteiligt, der versucht hat von Ostgrönland aus die Route seines Opas zu erwandern und ein Buch darüber geschrieben hat: „Opas Eisberg“ ein schönes Stück Familiengeschichte und gleichzeitig eine Reisereportage. Stefan ist hauptberuflich Journalist und Autor. Hier mit dem Schlauchboot am Beginn der Reise seines Opas, der als Ingenieur Expeditionsmitglied, einer von Vieren, war. Alle sind wohlbehalten von dieser abenteuerlichen Reise in Tassilaq in Ost-Grönland angekommen. Für Stefan ein sehr emotionaler Moment diese Stelle 105 Jahre später vom Zodiac aus zu sehen, wo die Expedition viele hundert Kilo Ausrüstung durch das Tal auf den Gletscher geschleppt hat. Die Inuit hatten Angst vor Geistern auf dem Inlandeis, gingen nie ins Inland und waren kaum zu bewegen sich als Träger zu verdingen. So stand vor Beginn der Expedition erstmal Muskelarbeit. Jedes Kilo musste auf den Berg rauf, bevor die Hundeschlitten beladen werden konnten. Für uns geht es Nachts weiter nach Süden durch den Vaigat Sund in die Disko Bucht, die wir früh morgens erreichen.

 

Ilulissat

Der Name der drittgrößten Stadt Grönlands bedeutet „Eisberge“ und die Stadt macht dem Namen alle Ehre! Es liegen so viele Eisberge vorm Hafen, das wir nicht anlanden können! Also fallen die Gletscherflüge und die Tundrawanderung durch das Sermermiut Tal zum Eis gefüllten Fjord vor dem Kangia Gletscher aus. Es bleiben uns aber die Bootsfahrten zu dem Eisbergen, die vor der Endmoräne des Kangiafjordes liegen. Diese Endmoräne liegt heute etwa 200m unter dem Meeresspiegel.

 

Eisberge vor dem Eisfjord im Abendlicht. Foto: © Achim Kostrzewa

 

Sie verhindert, daß die großen Eisberge einfach so in die Disko Bucht schwimmen können. Sie dürfen dafür nicht mehr als 200m Tiefgang haben, damit sie vom immerwährenden Eisstrom dieses Weltnaturerbes (seit 2004) über diese Schwelle gedrückt werden können. Das bedeutet, daß der Eis- oder Kangiafjord oft fast vollständig mit Eisbergen gefüllt ist, die man auch auf der Wanderung oder aus der Luft ganz toll sehen kann. Die Fahrt mit den Fischerbooten beginnt direkt am Sidegate des Schiffes und entführt uns für zwei Stunden direkt zwischen die bis zu 50 Meter hohen Eisberge. Zum Eis kommen Buckelwale, die wir fressend und schlafend zwischen den Eisriesen treffen. So zwei Meter über dem Meeresspiegel stehend, gewinnt man einen ganz anderen Eindruck von diesen imposanten 15 Meter Riesen, als von 5. oder 6. Deck des Schiffes, wo die leider eher „winzig“ aussehen. Sonne pur, Eisberge und Wale noch dazu, besser kann es gar nicht sein! Leider nur haben wir nicht die Bootskapazität die Gäste von den Flügen und der Wanderung auf die Boote umzubuchen. Wohl dem, der beides gebucht hatte. Wir fahren den ganzen Tag Bootstouren, ich bin um 14:00 dran. Es ist bedeckt, aber trocken. Die Eisberge zeigen sich bei dem diffusen Licht von ihrer besten Seite. Die Farben sind sehr differenziert, nichts überstrahlt, ganz prima für die Digitalfotografie. Die Buckelwale nehmen wir als Sahnehäubchen obendrauf. Über Nacht geht es weiter nach Süden, nach Agto oder

 

 

Nachdem drei Boote bei den drei Buckelwalen waren, taucht dieser eine ab. Der Grönländer im Nachbarboot meinte es m.E. zu gut mit den Touristen und war zu nahe dran.                          Foto: © Achim Kostrzewa

 

Aqisserniaq (oder Agto)

unserer letzten Station vor dem Gästewechsel. Wir haben über Nacht Sturm bekommen, draußen herrscht Stärke 9 und es schaukelt ein bißchen. Ich schlafe wie ein Baby. Morgens beim Frühstück sind deutliche Lücken zu sehen, die die Seekrankheit in die Passagierreihen gerissen hat. Der Wind flaut zwar auf „7“ ab, der Swell von der Nacht macht aber das Tendern unmöglich. Bleibt uns nichts übrig, als nach Kangerlussuaq weiterzudampfen. Ich verziehe mich in die Bibliothek und beginne diesen Bericht hier nach meinen Notizen zusammen zu schreiben. Und einige neue Bilder für meine Frau vom RAW zu bearbeiten in ein verkleinertes JPEG umzuformatieren, so daß es gut ins Powerpoint passt. Ihre Vorträge werden so ständig aktualisiert und ich auch mit den aktuellen kultur-geografischen Informationen versorgt.

 

Fazit der ersten Reise: vier im Reiseprospekt angekündigte Anlandungen konnte nicht durchgeführt werden: Saqqaq, Ilulissat und Agto wegen Wind und Wetter, das ist halt so und nicht zu ändern. Wir haben aber mit dem Ersatzprogramm z.B. vor Saqqaq deutlich gewonnen. Qillisat kann man nur mit einer „nassen Anlandung“ in Zodiacs und Gummistiefeln überhaupt erreichen, das sollten die Leute, die den Katalog machen, wissen, oder mal die Praktiker auf dem Schiff fragen. Für die meisten Gäste, wie auch für mich eine gelungene Reise, die Reiseleitung auf dem Schiff hat sich ein Bein dafür ausgerissen, daß soviel wie nur möglich klappt oder ein höherwertiges Ersatzprogramm angeboten. Was mir als Biologe aufgefallen ist: die Seevögel werden immer weniger und auch die Walbeobachtungen seltener. Das Wetter hätte natürlich viel besser sein können…

 

 

Entspanntes Wissenschafts-Geplauder: "Recap" vor dem Abendessen. Noch Fragen zum heutigen Tag? Dr.Ludger Feldmann (Geologie/Geographie) und Dr.Renate Kostrzewa (Biologie/Geographie), unsere sympathischen Lektoren, stehen im Palmgarten Rede und Antwort. Foto: © Achim Kostrzewa

Text und Fotos: © Achim Kostrzewa im Nov. 2017

Teil 2 finden Sie hier:

MS Hamburg – Arktischer Polarsommer 24. Aug.- 2. Sept. 2017

 

Literatur zum Thema:

 

Kostrzewa, R. & A. Kostrzewa (2009): Das ewige Eis schmilzt! – Beobachtungen in arktischen Lebensräumen seit dem Jahr 2000.  Naturwiss. Rundschau 62: 61-68.

Kostrzewa, A. (2016): Das grönländische Eis taut immer schneller! Dieser neue Artikel aktualisiert und bestätigt die Aussagen von 2009. www.antarktis-arktis.de/Groenland_Eis_2016.htm

Stephan Orth (2013): Opas Eisberg. Auf Spurensuche durch Grönland. Piper Verlag; als TB von Malik National Geographic 2015

Helmut Moritz (2008): Das Internationale Geophysikalische Jahr 1957 und seine Folgen. Sb. Leibnitz-Sozietät 94: 201-214.