MS Hamburg – Arktischer Polarsommer 24. Aug.- 2. Sept. 2017

Die Hamburg ist für fast vier Wochen unsere bequeme, schwimmende Heimat vor Westgrönlands Küsten: auf der ersten Reise wohnen wir in der Außenkabine 101 auf Steuerbord direkt neben dem Sidegate und können so direkt ins Zodiac hüpfen. Auf der zweiten Reise in 505 an Backbord auch sehr praktisch zwischen dem Loungedeck (Vortragsraum) und dem Sonnendeck mit seinem Pool und Palmgartenrestaurant. Auf Ebene 5 ist auch die Bibliothek, in der ich bei schlechtem Wetter arbeite. Von hier kann man gleich raus aufs Heck zum Fotografieren im Fall das ein Wal vorbei kommt... Foto: © Achim Kostrzewa

 

Kangerlussuaq

Der Tag des Gästewechsels ist immer heftig: die einen gehen früh morgens zum internationalen Flughafen von Södre Strömsfjord per Tender an Land. Sie mussten schon am späten Vorabend die Koffer rausstellen und bis spätestens 8:00 ihre Kabine räumen. Zum Flughafen geht es per Tender, wir liegen hier weit draußen auf Reede, weil der Fjord an seinem Ende völlig versandet ist, und weiter mit dem Bus.

Die „Neuen“ kommen per Charter aus Düsseldorf, Köln und Paris. Die „Alten“ fliegen nach Köln oder Düsseldorf. Es geht ein wenig hektisch zu an Bord. Die neuen Gäste haben vielfach die Gletscherexkursion gebucht, essen mittags am Lake Fergusson und kommen nachmittags gegen 16:00 auf das frisch gewienerte Schiff. Das Gepäck befindet sich schon auf Kabine, alles easy. In Kanger macht sich das ortsfeste Grönlandhoch immer noch bemerkbar, wir hatten den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein, wie fast immer. Die Reiseleitung hat nun zwei fast gleichgroße Gruppen zu bedienen: die Deutschen und die Franzosen, die eigene Lektoren und Reisebegleiter mitbringen. Alles ist nun doppelt angelegt: Vorträge und Exkursionen müssen, wegen der Sprachbarriere, doppelt ausgewiesen werden. Im Vortragsraum, der Lounge, herrscht Hochbetrieb, Überziehungen sind weder für die Künstler noch die Lektoren mehr möglich. Alles ist streng getaktet, funktioniert aber prima, Dank der deutsch-französischen Freundschaft. Viele Franzosen sprechen mittlerweile gut deutsch, da muß ich mich für mein eingerostetes Schulfranzösisch eher schämen. Ausnahmen auf beiden Seiten bestätigen die Regel. Jetzt müssen wir nur noch das gute Wetter von Kanger an die Kette legen und mit nach Norden schleppen. Und das klappt leider nicht so richtig dauerhaft…

 

Renate war wieder zur Eiskappe unterwegs: am Ende des Weges wird Gletscher geguckt. Vor 10 Jahren konnte man noch auf die Eiskappe laufen.  Foto: © Achim Kostrzewa

 

Sisimiut

ist unsere erste Station am Pier. Hier ist Wasser tanken angesagt: 360 Paxe plus Crew ballern unglaubliche Mengen an Wasser durch die Duschen. Das tanken wir heute nach. Bei strahlendem Sonneschein beschließe ich bis hoch in die Stadt zur Post zu laufen und auf dem Weg ein paar neue Fotos zu machen.

 

Von der Kirche aus hat man einen tollen Überblick über das alte Sisimiut vom Museum im Vordergrund bis hin zum Hafen.   Foto: © Achim Kostrzewa

Klassischer Blick durch die Unterkieferknochen eines Wals vom Museum bis hin zum Hafen.   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Gegenüber dem Supermarkt liegt der neue Fischmarkt, eine Halle in der lokaler Fisch und Fleisch vermarktet wird. Heute ist nur wenig los, ein wenig Robbenfleisch, eine große Keule vom Moschusochsen, ein paar Kisten geräucherter Heilbutt und das war es schon, obwohl heute Freitag ist. Der Buchladen, der auch gleichzeitig Schreibwaren verkauft und das Museum sind auf. Hurra! Auch die Kirche hat auf und der Organist übt auf seiner kleinen Pfeifenorgel Choräle für eine bevorstehende Beerdigung. Er spielt schauderhaft im Einfingersuchsystem. Fototag. Ich finde in einem der Vorgärten auch blauen Eisenhut und frage mich welche Frau da ihren ungeliebten(?) Mann vielleicht loswerden will?  Aber, wir kultivieren zu Hause auch Oleander. Ein Tee aus seinen Blättern wirkt genauso gut… Die Zipfelkapuze des Nasaasaaq ist heute gut zu sehen.

 Alles Handarbeit, aber die Eisbären gefallen mir nicht so recht...  Foto: © Achim Kostrzewa

Oma guckt zu und nickt doch meistens ein.  Für mich riskiert sie mal ein Auge und ein gaaanz kleines Lächeln.        Foto: © Achim Kostrzewa

Am frühen Nachmittag machen wir noch einen privaten Besuch bei den Kunsthandwerkern. Einer präsentiert mir die Herstellung eines Ringes aus Rentiergeweihknochen mit einem Eisbärmotiv. Das Werkzeug stammt aus einem Zahnarztlabor, es wird gefräst und poliert, das die Luft mit feinem Staub angereichert ist. Schmuck aus Rentierbein kann man mit dem grönländischem Zertifikat problemlos durch den strengen europäischen Zoll bekommen. 60,- € kostet so ein Ring, aber mir erscheinen die „Eisbären“ eher wie die etwas spitzeren Gesichter der Polarfüchse. Nicht gut getroffen, die Nase zu lang, der Kopf in Relation nicht massig genug. Dieses Handwerk kann meine Biologenseele leider nicht überzeugen. Sonst würde ich ja gerne die lokalen Künstler unterstützen…

 

Qeqertasuaq

Morgens gehen einige Gruppen zum Tal der Winde. Die Wanderung taugt nicht für meine Knie. Mache heute einen Spaziergang in Richtung Biologische Station. In der Bucht liegen derzeit kaum Eisberge, aber es gibt einen neuen Fußballplatz mit knatschgrünem Kunstrasen. Die Spende eines reichen Dänen. Die Dorfjugend ist begeistert! Der Platz wird andauernd bespielt. Das Wetter ist immer noch bewölkt, aber es regnet nicht. Beine vertreten tut gut.

 Qeqertasuaq Ortsmitte, absolut nix los hier.   Foto: © Achim Kostrzewa

Zwei müde Wanderer der Hamburg gucken Eisberge. Sonst ist die Bucht bei Qeqertasuaq voll davon, heute liegen nur einige gestrandete Riesen hier.   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Saqqaq

Ja, wo ist sie denn nu, unsere Hamburg? Dieser Eisberg hat schon einiges hinter sich, jede Menge Flutkehlen, mit jeder Verlagerung nach Eisabbrüchen bilden sich Neue!                        Foto: © Achim Kostrzewa

Wir machen ein kleines Seminar über Gletscherkunde auf dem Zodiac: im Hintergrund ein abgerissener Gletscher, der keine Verbindung mehr zum Meer hat. Da kommen die Eisberge nicht her. Sie stammen überwiegend aus dem Eisfjord bei Illulisat. Fünfmal bete ich meine Eisinfos heute morgen mit Begeisterung runter. Fünf Zodiac Touren bei strahlendem Sonnenschein bedeuten für mich fünfmal mehr Fotochancen als die Paxe sie haben. Und ich kann uns in Absprache mit dem Zodiacfahrer immer in die optimale Fotoposition bringen.    Foto: © Achim Kostrzewa

Eisberge, Sonne und Zodiacs. Mehr braucht es nicht zu meinem persönlichem Glück. Fahre fünfmal mit Gästen als kundiger Gast, sprich Aushilfslektor, raus. Eine Dame meint wie man denn dazu käme? Meine Antwort ernüchtert sie ein wenig: Biologie, Geografie oder Geologie studieren, besser noch beide Fächer, 20 Jahre Erfahrung als Wissenschaftler in Arktis und Antarktis sammeln, dann kann man auch guten Gewissens Zodiacführungen machen und einen kleinen Teil seiner Kenntnisse über Eisberge weitergeben :-). "Nein, soviel Aufwand möchte sie denn doch nicht treiben…", bekomme ich zur Antwort. So sind sie, die Touris, für nix arbeiten aber alles haben wollen. Moderne Zeiten. Wir machen uns auf den Weg nach

 

Uummannaq und Marmoriliik

Aber auch hier ist uns das Wetter nicht hold. Wind und Swell direkt in den ungeschützten Hafen hinein macht eine Tenderlandung unmöglich. Wir beschließen eine kleine Fjordkreuzfahrt im Uummannaq Fjord Richtung Marmoriliik zu machen. Dies ist eine verlassene Bergbausiedlung, wo bis in die 1960er Jahre 4.000 Tonnen feinsten Marmors (Carara Qualität) abgebaut wurden. Außerdem sehen wir Stollen hoch am Berg in denen Zink und Blei gewonnen wurde. Die Chinesen haatten zwischenzeitlich die Weltmärkte mit billigen Rohstoffen überschwemmt. Da lohnte der teuere Abbau hier in Grönland nicht mehr. Aber die Preise steigen in den letzten Jahren rasant an. So ist seit 2003 wieder eine kanadische Gesellschaft  mit den Vorbereitungen für eine neue Mine zugange. Die Weltmarktpreise für Metalle steigen mit dem Rohstoffhunger einer explodierenden Weltbevölkerung, bald könnte sich der Betrieb wieder lohnen.

Renate stärkt sich für die kommen beiden Stunden Fjordfahrt nach Maarmoriliik. Da gibt es viel zu erzählen an Deck.      Foto: © Achim Kostrzewa

Auf dem Weg dorthin passieren wir die kleine Siedlung Ukkukisat. 88 EW, eine kleine Fischfabrik, eine Schule, kein Krankenhaus aber ein Helipad und eine kleine Krankenstation mit Krankenschwester. Sehr abgelegen. Wer hier ernsthaft krank wird, muß erst nach Uummannaq geschafft werden, wenn das nicht reicht weiter ins Krankenhaus nach Ilulissat oder gleich nach Nuuk in die Uniklinik. Man sollte also hier weder einen Herzinfarkt noch einen Schlaganfall bekommen. Fischer typische Blessuren wie Prellungen und Quetschungen werden vor Ort auskuriert. Glatte, einfache Brüche geschient.

 

 Ukkukisat: eingezwängt zwischen einer schroffen Felswand und dem Meer.   Foto: © Achim Kostrzewa

Die Krankenversorgung ist kostenlos aber sparsam. Für Bagatellen ist kein Hubschraubereinsatz nötig. Bettruhe, „weiße oder schwarze“ Salbe, Schmerztabletten und Verbände müssen reichen. Medizin so wie bei uns noch in den 1960er Jahren praktiziert…  Renate kennt sich hier aus, war schon vor mehr als 10 Jahren hierhin eingeladen. Ihre Beschreibungen im Vortrag „Willkommen in Grönland“ sind sehr plastisch und lebensnah.

 

Kein tolles Foto, aber es sind die Alfred Wegener Berge. Deutschlands wichtigster Beitrag zur Kontinentalverschiebungstheorie!           Foto: © Achim Kostrzewa

Foto: © Achim Kostrzewa

Wir fahren, die Alfred Wegener Berge in der Hecksee zurück lassend wieder in den Vaigat Sund Richtung Disko Bucht. Dampfen aber vorher noch weit auf das Meer hinaus, um ordnungsgemäß vorgereinigtes Duschwasser abzulassen. Abends vom Palmgarten aus beim Essen tut sich ein kurzes Sonnenuntergangsspektakel mit Eisbergen für uns auf.

 

Eisberge beim Abendessen, die Kamera immer parat. So hätte ich mir das auf diesen beiden Reisen öfter gewünscht und näher! Der Balkon vor dem Restaurant "Palmgarten" eignet sich hervorragend für Bilder nach vorn. (Nikon FX mit AF-S 4/300mm Tele)                                   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Equip Sermia

In der Nacht biegen wir im Vaigat Sund links ab zum Equip Sermia. Ein Gletscher, der seine Front noch so gerade im Meer liegen hat. Am nächsten Mittag haben wir den Gletscher in Sicht, oder doch eher die Nebelbank, die vor dem Gletscher thront. Wir machen aus der Not eine Tugend und steuern mit den Zodiacs einen Wasserfall und ein paar Eisberge an, die etwa fünf Kilometer rechts von der Gletscherzunge liegen. Einige Paxe jammern „warum können wir den nicht versuchen zum Gletscher zu fahren?“ Ich erkläre lang und breit wozu denn die komischen Dinger auf der Stange hinten links am Zodiac dienen: Radarreflektoren! Ob jemand schon einmal in der Situation war, das Schiff nur mit Funkmeldungen finden zu müssen, wenn man die Hand vor Augen nicht sehen kann und Eisberge zwischen uns und dem Schiff liegen. Man findet zurück, das kostet aber Stunden und Nerven nur mit Funk und ohne Kompass. Eine geregelte Zodiactour im Stundenrhythmus wäre so nicht möglich. Und: ich stände dafür als Guide auch nicht zur Verfügung.

 

Irgendwo da weiter rechts im Nebel sollte der Gletscher liegen. Wie sehen nichts davon und müssen uns mit ein paar Eisbergen begnügen.     Foto: © Achim Kostrzewa

Auf der ersten Reise hatten wir strahlenden Sonnenschein am Eqip Gletscher   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Zodiac fährt man auf Sicht, keine ausreichende Sicht, keine Tour. „Ja, aber der Nebel kann doch aufreißen…“ „Aber, was, wenn er noch dicker wird?“ frage ich zurück. Letztlich setzen Wind, Wellen, Regen und der Kapitän unseren Zodiac Aktivitäten ein Ende. In solchen Situationen gewinne ich häufig den Eindruck, dass die akute Gefahr, in die man sich ohne nachzudenken begeben will, von den völlig Arktis unerfahrenen Paxen gar nicht realisiert wird. Alles was in Katalog steht, muß angeboten werden, Gefahren gibt es auf einer solchen Kreuzfahrt keine. Niemand liest das „Kleingedruckte“: hier steht ganz klar, die Reiseroute und der Reiseablauf kann sich jederzeit ändern, wenn sich die Witterungsbedingungen ändern und der Kapitän aus Sicherheitsgründen so entscheidet! In Grönland sind übrigens zwei Lotsen an Bord, erfahrene Eiskapitäne, die hier jeden Meter Küste kennen. Wenn die abraten irgendwo hinzufahren, wird der Kapitän den Teufel tun diesen Rat in Zweifel zu ziehen. Wir befahren schließlich Gewässer, die außerhalb der normalen Schifffahrtslinien liegen. Und am nächsten Tag steuern wir

 

 Wenn es für draußen zu naß und oder zu kalt ist, kann man auch im Palmgarten (Restaurant) mit Blick in Fahrtrichtung gut arbeiten. "E wieß Blatt Papier, ne Bleestef,  Jedanken bei dir, setz ich am Finster un hühr en mich ..." (Bab, Du kanns zaubere). So der Eine, der Andere hat drei Kameras und seinen Fotocomputer in Reichweite. Foto: © Achim Kostrzewa

 

Aasiat

an, wir liegen am Pier und tanken wieder mal Frischwasser. Es gießt in Strömen. Ich bleibe an Bord und ordne meine Bilder, die Notizen dazu und schreibe ein wenig hinter einem großen Fenster an Steuerbord warm und gemütlich beim dampfenden Capuccino in der Bar sitzend. Schaue aufs Land, das von Regenschauern gepeitscht wird. Auf Hafenarbeiter, die in ihren gelben Regenoveralls eingehüllt, stoisch ihre Arbeit verrichten.

Wenn's regnet sind die Museen und Kirchen beliebte Plätze: Frau am Museum in Paamiat   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Ach wie gut doch, dass im letzten Jahr hier so schön die Sonne geschienen hat. Nachmittags in

 

Christianshab

das gleiche Spiel, Regen ohne Ende. Aber auch hier war ich bei etwas besserem Wetter schon an Land. Die Fotos sind gemacht. Es wird etwas heller und ich fahre nochmals kurz in den Hafen, um im Museum noch einige Bilder zu machen. Die Dänin, die heute Dienst hat, bedeutet mir, keine Bilder, Fotografieren im Museum strikt verboten. Komisch, letzte Woche bei der netten Grönländerin war das noch erlaubt. Ich schicke ein paar Gäste vor und bitte sie mit großen Scheinen zu bezahlen. Jeder hat jetzt nur noch 100 Kronen zu Hand, na so was. Sie muß im Nachbarhaus Wechselgeld holen. Ich mach derweil meine Bilder und verstaue meine kleine Halbformat Fuji wieder in der Parkatasche. Die Kameratasche hatte ich demonstrativ auf ihrem Tresen stehen lassen. Hab' ein Teil meines Studiums als Pressefotograf verdient, da lernt man so etwas… Es gießt wieder, fahre zum Schiff zurück. Am nächsten Tag erreichen wir

 

  

Museum von Christianshab. Bei Regen sind Museumsbesuche angesagt. Fast wie bei Körperwelten: so wird der Fuß von verschiednen Felleinlagen vor Kälte geschützt. Und da war dann Fotografieren auf einmal verboten?!   Fotos: © Achim Kostrzewa

 

Es gießt wieder, fahre zum Schiff zurück. Am nächsten Tag erreichen wir

 

Ilulissat

Illulisat, von morgens bis abends viel Wind und Wolken. Wir liegen auf Reede relativ nah bei den Eisbergen und können keine Bootstouren durch die Eisberge am Fjordausgang machen, die liegen zu dicht beieinander mit viel Crush Ice dazwischen.  Foto: © Achim Kostrzewa

Tele statt Zodiac: Eisberg am Abend - erquickend und labend......   Dem 300mm Tele an der DX Nikon sei Dank. Das Licht wechselt von Minute zu Minute                                             Foto: © Achim Kostrzewa

 

in der Frühe. Der Hafen ist diesmal einigermaßen frei. Die Wanderung zum Sermermiut Tal fährt los. Hier zieht allmählich der Herbst ein. Renate ist mit einer großen Gruppe im Fjell unterwegs um zum Kangia Gletscher zu wandern. Vom Busparkplatz ist das etwa einen Kilometer weit über einen guten Brettersteg, der vor einigen Jahren über das Fjell gelegt wurde, erreichbar.

 

.   Die Roten und Gelben Farben der Blaubeerbüsche,  Polarbirken und -weiden überwiegen. Alles ist verblüht. Aber auch keine Mücken mehr da! Im Hintergrund sieht man schon die Eisberge im Kangia Fjord.   Foto: © Renate Kostrzewa

 

Eisberge im Kangia Fjord. Bis hierher dauert es höchstens eine halbe Stunde zu Fuß. Nur die letzten Meter gehen über Fels. Die Gletscherfront hat sich mindestens 20 km weit ins Inland zurückgezogen Foto: © Renate Kostrzewa

 

Aber die Fischer, deren Boote wir wieder gebucht haben um zwischen den Eisbergen herumzuschippern, winken ab. In den letzten Tagen hat der Wind die Eisberge zu einem undurchdringlichen Chaos zusammen geschoben. Kein Durchkommen durch das Crush Ice möglich, zu gefährlich. Na, wenn die Grönländer selbst nichts verdienen wollen? Dann können sie auch nicht! Bei den Gästen bricht eingewisser Unmut aus: „aber da draußen fahren doch Boote?!“ „Ja, aber nur weit außen um die Eisberge herum, unsere Tour sollte aber zwischen den Eisbergen stattfinden und Wale zeigen, das geht heute nicht, sagen die grönländischen Kapitäne.“

 

Die "National Geographic Explorer" macht auf dicke Hose, fährt ganz nah an die Eisberge heran, nachdem sie ihre Zodiacs wieder eingeholt hatten. Kurze Zeit später dreht sie ab und dampft davon.   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Zu allem Übel fährt auch noch ein kleines benachbart auf Reede liegendes  Kreuzfahrtschiff der Amerikaner mit den Zodiacs in Richtung Eisberge. Aber man sieht es im Fernglas gut, die werden „driß naaß“ dabei und bleiben weit von den Eisriesen weg. Es pfeift ein schöner Wind. Als der mittags einschläft, kommt Nebel auf. Die Flüge über den Gletscher werden nun auch abgesagt. Die Stimmung sinkt, so schnell wie die Außentemperatur. Aber abends wird es wieder schöner: Sonnige Strahlen stehlen sich durch die Wolken und beleuchten die Eisberge. Das hat was. Foto time für alle auf Deck. Jetzt bin ich selber grummelig: jetzt eine Bootstour zu den Eisriesen, das wär's gewesen, worauf ich nun seit drei Jahren warte; und wieder nix! Wir verlassen um 20:00 unseren Ankerplatz in Richtung Süden. Die Eislotsen bieten uns eine Küstenfahrt Richtung Süden durch die Schären an. Das hatten wir noch nie: tolle Landschaft mit Sonnenuntergang. Für mich reist es das wieder ein bisschen raus. Bloß, hier gibt es keine Eisberge, die ziehen ja vom Eisfjord aus nach Norden. Nachdem es dunkel wurde, fahren wir außerhalb der Schäreninseln Richtung Agto, unserer vorletzten Station auf dieser Reise. Das wäre was Neues für mich, da war ich noch nie. Hoffentlich bleibt das Wetter wenigstens so wie heute Abend.

 

Gen Süden: Küstenfahrt durch die Schären!  (Querformat-Pano mit Fuji X E-2 mit Nikkor 28mm) Bitte nach rechts scrollen!  Fotos: © Achim Kostrzewa

 

Kangerlussuaq, der "lange Fjord" einmal bei Tag

Aber, Pustekuchen. Am nächsten Morgen haben wir immer noch den vielen Wind, der in der Nacht aufkam. Agto adé ! Es gibt immerhin keinen Regen mehr. Jetzt bleibt uns nur noch Plan B: eine Küstenfahrt und Einfahrt in den „Langen Fjord“ (Kangerlussuaq) bei Tag. Der Fjord ist toll, wird aber fast immer des Nachts passiert, weil das Fahrplan technisch so sein muß. Man fährt um 18:00 mit den neuen Gästen los und kommt morgens um 6:00 hier an, weil die Flüge zwischen 7:00 und 10:00 am Flughafen ankommen. Die ganz Harten nutzen die Mitternachtssonne am 21. Juni, der Fjord liegt nämlich genau auf dem Polarkreis.

Kleine Gletscherkunde vom Zodiac aus. Das ist die Planung für Morgen. Alexandra, unsere CD, will in Absprache mit dem Kapitän vor einem Gletscher, den wir Geologen uns ausgesucht haben, Zodiac fahren. Die Gletscherkulisse ist wie aus dem Lehrbuch: wir machen Gletscher for Dummies right from the Zodiac. Das könnten wir natürlich auch gemütlich vom Pooldeck aus tun. Warm im Windschatten, Kaffeepott in der Hand. Der Blick auf den Gletscher und seine verschiedenen Moränen wäre von hier oben sogar besser als vom Zodiac aus zu sehen. Sogar ein schönes Kar gibt es zu sehen. Aber das hat halt keinen Expeditionsappeal. The show must go on und der Applaus ist bekanntlich das Brot des Künstlers. Zwischendurch dröppelt es wieder.

 

Schöner Gletscher in Kangerlussuaq Fjord. Wir fahren mit den Zodiac hin. Zum Angucken sieht man aber vom Deck 6 des Schiffes mehr, nämlich bis auf die Eiskappe!                            Foto: © Achim Kostrzewa

Die Paxe sind etwas nass und durchgefroren aber offenbar viel glücklicher als warm und trocken auf dem Pooldeck…Na, ja, jeder Jeck es anders, wie mer in Kölle säht. Bis morgen früh muß nämlich alles wieder Koffer trocken sein, nein, halt die Koffer müssen ja schon um 24:00 gepackt auf dem Gang vor der Kabine stehen. Gut, das ich noch ein bißchen in Grönland bleibe, um im einem kleinen Fischerdorf ein paar Tage echtes grönländisches Leben zu studieren. Da werde ich wohl noch häufiger nass werden und am nächsten Morgen wieder in möglicherweise klamme  Klamotten kriechen müssen.

Davon später mehr…

 

Die Hamburg im warmem Süden von Grönland  bei 20°C - mit Sonne geht alles besser!  Bitte nach rechts scrollen!       (Hochformat-Pano mit Fuji X E-2 mit XF2/18mm)                  Foto: © Achim Kostrzewa (2016)

 

Fazit beider Reisen:

Das Wetter und die Eislage sind für den Reiseerfolg in der Arktis immer entscheidend, genauso wie in der Antarktis! Gute Lektoren wie meine Frau und Kollege Ludger Feldmann können die Paxe auch bei schlechtem Wetter mit tollen Vorträgen bei Laune halten. Schlechtes Wetter geht aber auf Dauer aufs Gemüt und die Stimmung an Bord. Dagegen können weder die Lektoren noch unser Super Chefkoch George Podder dauerhaft was machen. Da hilft nur Sonne am Himmel und im Herzen!

Keinerlei Ähnlichkeit zwischen unserem Chefkoch und seinem Spanferkel! Heute morgen ist ein zünftiger bayrischer Frühschoppen mit Freibier, Hachsen und Weißwürschten angesagt. Das gibt es einmal pro Reise, gutes Wetter ist aber die Voraussetzung fürs Grillen und Tanzen auf dem Pooldeck.  Foto: © Achim Kostrzewa

Und unsere flotten Plantours-Mädels mittendrin: von links - Alex, die CD=Kreuzfahrtdirektorin; Olga, Ausflugsleitung; Tatyana, Ausflugsrezeption; Conny, Assistenz unserer CD. Die halten den Laden am laufen und arbeiten zur Not rund um die Uhr für die Gäste. Mit denen würden wir sofort wieder fahren.  Grönland bei Sonne und 20°C.    Foto: © Achim Kostrzewa

Müder Lektor, nach einem ganzen Tag voller Führungen und Erklärungen tut so ein Kaffee gut. Es ist kalt heute. Zwar ist der Zodiac-Anorak nicht nötig, aber Fleece-Jacke plus Weste plus winddichter Regenjacke lassen mich trotzdem wie das sprichwörtliche Michelin-Männchen erscheinen.  Foto: © Renate Kostrzewa

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Was sonst noch so an Bord passiert: Fotos einiger Künstlerauftritte (in Arbeit)

Text und Fotos: © Achim Kostrzewa im Nov. 2017