Artikel über aktuelle Pinguinbiologie:

Im Zuge der zahlreichen Reisen zwischen 1995 und 2008 wurden Koloniezählungen gemacht, mit Kollegen diskutiert, die Literatur verfolgt und Resultate aus der Freilandarbeit gezogen, die in drei Übersichtsartikeln verarbeitet wurden.

aus der Naturwissenschaftlichen Rundschau 11/2011. (siehe weiter unten)

aus Biologie in unserer Zeit 2/2010. (siehe weiter unten)

aus der Naturwissenschaftlichen Rundschau 8/2007 -                          

NR 710: S. 397 - 403.                                                                                

     

Titelbild 8/2007 – Adéliekolonie (Pygoscelis adéliae) an der Hope Bay im Abendlicht. Eine der großen Koloniecluster von mehr als 20.000 Paaren [6] dieser Frackträger liegt in der Umgebung der Argentinischen Station „Esperanza“ an der Spitze der Antarktischen Halbinsel in der Westantarktis. Solche Cluster bestehen aus benachbarten Einzelkolonien von vielleicht wenigen bis zu tausenden von Brutpaaren, je nach schneefreiem Platzangebot. Nach anderen, jedoch bislang unbestätigten Quellen [16], könnte dies sogar Teil einer der größten Kolonien dieser Art in der ganzen Antarktis sein: 120.000 Brutpaare. Diese Zahl wurde von Argentinischen Ornithologen in Umlauf gesetzt, wird aber von der SCAR-Seevogelgruppe* seit über 20 Jahren nicht bestätigt. Überhaupt sind die Zählergebnisse in Pinguinkolonien oft umstritten [22], entsprechen sie doch vielfach nicht der international vereinbarten und anerkannten Zählpraxis, über die spezielle Wissenschaftlerteams zur Qualitätssicherung [11]wachen.

(* SCAR = Scientific Committee for Antarctic Research. Die Zahlen im Text [11] beziehen sich auf die dort genannte Literatur: z.B. [22]  A. Kostrzewa: Volkszählung bei Pinguinen. In: R. Kostrzewa, A. Kostrzewa: Antarktis für Kreuzfahrer. CD-ROM Buch. ISBN 3-00-016060-4. Zülpich (2005).

Titelfoto: © Dr.Achim Kostrzewa, Januar 2002

 

Foto: © Dr.Renate Kostrzewa, Januar 2006: Adelie auf King George Island, Süd-Shetlandinseln

Unser Fazit des Artikels: Verlierer und Gewinner der Erwärmung – ein Ausblick

Wir möchten an dieser Stelle für die westliche Antarktische Halbinsel und den Inselbogen der Südshetlands einen Ausblick wagen. Wie geht es weiter mit den Pinguinkolonien, wer sind die Gewinner, wer die Verlierer der globalen Erwärmung in diesem Teil der Antarktis? Wenn der Trend der Temperatur und der Eisentwicklung so weiter anhält, werden die Adéliepinguine im Norden weniger werden, aber vielleicht südlich des Polarkreises neue Brutgebiete erschließen können, wie auch historische Daten aus Bodenanalysen für die letzten 6 000 Jahre belegen. Diese basieren auf archäologischen Methoden mit Radiocarbon bestimmtem Alter und DNA bestimmten Knochenfunden an aktuellen und historischen Koloniestandorten [4]. Die konkurrenzstarken Eselspinguine drängen nach, soweit ihre Temperaturtoleranz es zulässt und die Nahrungsbedingungen ein Brüten weiter polwärts erlauben. Die Zügelpinguine könnten die Verlierer sein, denn sie brüten später als Adélie- und Eselspinguin und sind auch kleiner. Für sie hängt es von den lokalen Gegebenheiten ab, wie und wo sie weiterleben werden. Ihre Kolonien sind derzeit noch die bei weitem größten im Bereich der Antarktischen Halbinsel, manche wie der Supercluster am Baily Head machen bis zu 120 000 Tiere aus, aber sie tun sich etwas schwerer mit Kolonieneubildungen. Die lokalen und regionalen ökologischen Bedingungen werden weiter die Prosperität der einzelnen Kolonien und Spezies im Bereich der Antarktischen Halbinsel bestimmen, auch wenn sich die Verhältnisse in Zukunft weiter verschieben können.

Wenn Sie sich genauer informieren wollen, können Sie hier den gesamten Artikel kostenlos per E-Mail bestellen. (© Dres.Achim & Renate Kostrzewa, Naturwissenschaftliche Rundschau 2007) .

Einige Kollegenstimmen dazu:

Dr.H.-U.Peter, Polar & Bird Ecology Group, Uni Jena: "...sehr interessanter Artikel, habe einmal eine (bei weitem nicht so gute) Übersicht angefügt." (28.9.07)

Dr. K.Pütz, Antarctic Research Trust, Falkland: "...ich beglückwünsche Sie zu dem Artikel über die Pinguin-Forschung. Eine wirklich gute Zusammenfassung." (21.8.07)

Prof.Dr.H.Kanz, Uni Bonn: "über Ihren exzellenten Beitrag habe ich mich sehr gefreut und bedanke mich freundlichst. Was Sie erforscht und zusammengefasst haben, ist wirklich bewundernswert. Vor allem ich als Geisteswissenschaftler bin sehr beeindruckt... (21.9.07)

Prof.Dr.Ch.Spaeth, Uni Hamburg: "...erhielt vor kurzem Euren hervorragenden Artikel von der Redaktion der Naturwissenschaftlichen Rundschau, die um ein Statement bat..." (18.9.07)

 

aus Biologie in unserer Zeit 2/2010

Klimawandel:

Pinguine – Überlebenskünstler in der Antarktis

ACHIM KOSTRZEWA

Die Westantarktis ist eine der Regionen der Erde, in der sich der Klimawandel besonders deutlich auswirkt. So wird es auch für die Sympathieträger im Frack Veränderungen in ihrem Lebensraum geben. Einige sind heute schon sichtbar: Weniger Meereis im Sommer bedeutet weniger Krill. Weniger Nahrung und geringerer Bruterfolg lässt die Kolonien der Adelies bereits deutlich schrumpfen. Aber es gibt auch Profiteure: Eselspinguine dehnen ihr Brutgebiet bis weit in die westliche Antarktis aus.

Ausriss aus dem achtseitigen Hauptthema von Heft 2/2010:

Fotos: © Dr.Achim Kostrzewa & CJ Bucher Verlag

Neueste Erkenntnisse und Daten zeigen: Wenn der Trend der Temperatur und der Eisentwicklung so weiter anhält, werden die  Adeliepinguine im Norden weniger werden und lokal aussterben. Unklar bleibt derzeit, ob Adelies vielleicht südlich des Polarkreises neue Brutgebiete erschließen können. Die konkurrenzstarken Eselspinguine drängen nach, soweit ihre Temperaturtoleranz es zulässt und die Nahrungsbedingungen ein Brüten weiter südlich erlauben. Aktuell sind sie mit drei neuen Kolonien bis zum Cape Tuxen knapp nördlich des Südpolarkreises vorgedrungen. Die Zügelpinguine könnten die Verlierer sein, denn sie brüten später als Adelie- und Eselspinguin und sind auch kleiner. Für sie hängt es sehr von den lokalen Gegebenheiten ab, wie und wo sie weiterleben werden.

Biologie in unserer Zeit  2/2010 (40): 102-109

Wenn Sie sich genauer informieren wollen, können Sie hier den gesamten Artikel kostenlos per E-Mail bestellen. (© Dr.Achim Kostrzewa/BIUZ 2010)

 

NEU:  Königspinguine bald Opfer der globalen Erwärmung ?

NR 761: S. 564-570 (Nov. 2011)

  (3 von 8 Seiten)

Fotos: © Dr.Achim Kostrzewa 2008

Mein Fazit aus den Beobachtungen (Textausriss): 

Im 18. Jahrhundert kam der Königspinguin als Brutvogel auch an der Spitze Südamerikas in Feuerland auf der Insel Hornos (Chile) und der Staateninsel (Argentinien) sowie auf den Falkland-Inseln vor [20]. Um 1870 galt die Art in diesen Gebieten als ausgestorben. Einzig auf den Falkland-Inseln wurden 1933 erstmals wieder Bruten beobachtet [21]. Heute gibt es dort 7 Kolonien, die größte liegt derzeit am Volunteer Point, wo 1995 mindestens 300 Paare gezählt wurden [22]. Derzeit ist die Kolonie auf ca. 700 Brutpaare angewachsen und erbrütet ca. 500 Junge pro Jahr [19].Wenn infolge von Klimaveränderungen (z. B. häufigere El Niño-Einflüsse) die Wassertemperatur um die Brutinseln nun stiege – was sie jahresweise ganz offensichtlich tut –, hätte dies Änderungen der Zusammensetzung der Primärproduktion und der Fischfauna zur Folge, mit direkten Auswirkungen auf die Endglieder dieses sehr kurzen Nahrungsnetzes, die Königspinguine. Die sommerliche Lage der Konvergenzzone scheint dabei relevant für den Bruterfolg zu sein. Die Messungen von Moore et al. belegen (Kasten 1), dass diese Zone ungefähr fünfmal variabler ist als bisher angenommen [23]. Durch eine Klimaerwärmung würde sich die Antarktische Konvergenzzone weiter nach Süden verschieben, was die Königspinguine empfindlich treffen dürfte, sind sie doch für die Jungenaufzucht auf die dortigen nahrungsreichen Jagdgründe angewiesen. Eine Verschiebung der Zone um wenige Hundert Kilometer würde bereits ausreichen, eine erfolgreiche Brut unmöglich zu machen. Dies stützt meiner Ansicht nach die Hypothesen von Yvon LeMahos Arbeitsgruppe entscheidend [11].

Im Bereich der neuseeländischen und afrikanischen Sektoren der Subantarktis können die Pinguine nicht auf weiter südlich gelegene Inseln ausweichen, um diese Verschiebung zu kompensieren. Nur im atlantischen Verbreitungsraum im Bereich der Falkland-Inseln und entlang des Scotiabogens (Abb.2) könnten sich Brutkolonien auf weiter südlich positionierte Inseln bis auf die Antarktische Halbinsel und die ihr vorgelagerten Südshetland-Inseln ansiedeln. Ähnliches beobachtet man seit etwa 20 bis 30 Jahren für die Adélie- und Eselspinguine [4].

 

Interessierte Leser können den gesamten Artikel kostenlos per E-Mail bestellen. (© Dr.Achim Kostrzewa/NR 2011) Kommt kostenlos als PDF.

 

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