Unser Artikel über das "abschmelzende Eis" aus der Naturwissenschaftlichen Rundschau 2/2009- NR 728: S. 61 - 68.

 

Titelbild 2/2009 © Dr.Achim Kostrzewa, Nov. 2008 - Nicht nur in Grönland und der Antarktis schmilzt das Eis:

Gletschertor im Patagonischen Eisfeld. Mit einer Fläche von 22.000 km2 ist das Patagonische Eisfeld etwa so groß wie das Bundesland Hessen und damit das drittgrößte Gletschergebiet nach Grönland und der Antarktis. Das Eisfeld liegt im Süden von Argentinien und Chile auf den Südanden.

Das Eisfeld umfasst 50 große Gletscher. Drei sehr große befinden sich im Nationalpark Los Glaciares: der Perito Moreno, der Upsala-Gletscher und der Viedma-Gletscher. Insgesamt strömen 14 Hauptgletscher vom Patagonischen Eisfeld nach Osten. Einige davon in den türkisfarbenen Lago Argentino (187 m ü. NN), einem mindestens 15000 Jahre alten See, der mit 1560 km2 etwa dreimal so groß wie der Bodensee ist und zahlreiche Buchten aufweist. Bei einer Tagestour mit einem Katamaran kann man normalerweise den Upsala, Orinelli- und Spegazzini-Gletscher besichtigen. Im Oktober 2008 hatte sich 10 Kilometer vor dem Upsala-Gletscher eine Eisbarriere aus zahlreichen weiß bis tief kobaltblau schimmernden Eisbergen gebildet, die zumindest über Wochen die Einfahrt in die Bucht verhinderte. Der Upsala-Gletscher ist 60 km lang und hat eine Fläche von rund 600 km2. An seiner Front beträgt die Höhe der Gletscherzunge 60 bis 80 m. In den letzten Jahren bricht immer mehr Eis ab; der Gletscher weicht zurück. Das hier abgebildete Tor ist ein Teil dieser Eisbarriere und wurde im November 2008 aufgenommen. Solche Eistore sind Reste von Schmelzwasserkanälen in Gletschern. Nach dem Kalben, d.h. nach dem Abbrechen von der Gletscherzunge,  bleiben manchmal solche grandiosen Tore über.

Unser Fazit des Artikels: Verlierer und Gewinner der Erwärmung – ein Ausblick

Kurzfristige Gewinner sind die Menschen in der Arktis, z.B. in Südgrönland, wo man jetzt wieder Acker- und Gemüsebau betreiben kann. Den Nordgrönländern hingegen schmilzt das Eis unter den Schlittenkufen, sie können nur noch stark eingeschränkt ihrer winterlichen Jagd nachgehen. In Nordwestgrönland hat sich auch bereits die Polarnacht um einen Tag verkürzt. Weil die Eiskappe an Höhe verliert, sehen die Einwohner die Sonne einen Tag früher aufgehen. Der Eisabfluss der Gletscher, wie beim Kangia bei Ilulissat erfolgt dramatisch schneller, das weich gewordene Eis lässt die Eiskappe langfristig ausbluten. Auch in der Antarktis brechen ständig große Platten vom Schelfeis ab und treiben bis vor Neuseelands Küsten.

Die Tierwelt reagiert mit der Eroberung von vorher unbesiedelbaren - da zu kalten - Gebieten: Gryllteisten brüten in der alaskanischen Hocharktis, einzelne Pinguinarten dringen immer weiter in die Antarktis vor, um nur zwei positive Beispiele zu nennen. Das schwindende Eis hat aber natürlich auch  negative Auswirkungen: in der Arktis auf Eisbären und Robben, in der Antarktis auf die kälteliebenden Adeliepinguine.

Und der Klimawandel selbst? Der ist Realität, aber alle langfristigen Prognosen sind schwierig. Der anthropogene Anteil am Klimawandel wird zu einem erheblichen Teil von der Verbrennung fossiler Brennstoffe und den daraus resultierenden Emissionen von Kohlendioxid (CO2) sowie der Freisetzung weiterer so genannter Treibhausgase gefördert. Neben dem Kohlenstoffdioxid, welches als Referenzwert dient, sind das Methan (CH4), Distickstoffoxid (Lachgas, N2O), teilhalogenierte und perfluorierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW/HFCs, siehe Ozonloch) und Schwefelhexafluorid (SF6). Nur an den anthropogenen Emissionen können wir selbst ansetzen. Alle Maßnahmen zur Emissionsminderung und auch zu einer sparsameren und effizienteren Nutzung von Energie- und Ressourcen, zu  denen  wir ohnehin aufgrund des Bevölkerungswachstums gezwungen sein werden, werden die Erwärmung hoffentlich verzögern. Packen wir es an!

Wenn Sie sich genauer informieren wollen, können Sie hier den gesamten Artikel kostenlos per E-Mail bestellen. (© Dres. Renate & Achim Kostrzewa, Naturwissenschaftliche Rundschau 2009) .