Eisberge fotografieren

 

 

 

Antarktis: aufziehender Sturm über Tafeleisbergen. Nikon FX mit 80-200mm: Licht und Schatten sind wunderbar verteilt. Auf der Eiskante des großen Tafeleisbergs arbeitet das Treiflicht die Konturen besonders heraus.  Foto © Achim Kostrzewa

 

Der beste Platz dafür ist in Westgrönland, in der Disko Bucht am Eisfjord, wo der Kangia Gletscher ins Meer fließt. Man kann von Kopenhagen gleich über Kangerlussuaq nach Illulissat mit Air Greenland fliegen und sich dort im Hotel einmieten. Das geht recht flott: Abends nach Kopenhagen und am nächsten Morgen nach Westgrönland. Zum Mittagessen ist man schon da.

 

Eisberge spätabends in der Melville Bay, West-Grönland                                        Foto © Renate Kostrzewa

 

Zum Gletscher im Sermermiut Tal kann man über einen leichten Weg mit guten Holzplanken sogar zu Fuß laufen. Von der Meerseite her ist es fotografisch noch interessanter. Die Fischer bieten Touren zu verschiedenen Tageszeiten – am besten sind für mich die Abendtouren, wegen der tollen Lichtverhältnisse. Sie fahren mit ihren Booten zwischen den Eisbergen herum und man sieht dabei auch oft Buckelwale. Will man erstmal schauen, wie das in Grönland so ist, bietet sich auch eine Kreuzfahrt nach Westgrönland an.

 

Auch in Ostgrönland oder der Antarktis kann man gut Eisberge vom Schiff aus fotografieren. Mittlerweile werden auch im Winter Touren ins Packeis angeboten.

 

Eisberge zu fotografieren ist ein Sondergebiet der Landschaftsfotografie und es gelten die bekannten Regeln der Bildgestaltung, die in vielen Büchern und Artikeln leicht nachzulesen sind…

Besonders wichtig für den Fotoerfolg ist die Lichtführung: die Motive weisen vielfältige Kanten und Flächen auf, diese lassen sich im Seitenlicht besonders gut differenzieren. Bewölkter Himmel ist oft von Vorteil, er läßt Strukturen im Eis hervortreten, die bei direktem Sonnenlicht nicht sichtbar sind.

 

Auf dem Zodiac oder Ausflugsboot geht es relativ eng zu: man hat nicht so richtig die Möglichkeit Objektive zu wechseln oder Filter. Daher mein praxiserprobter Vorschlag: eine Kamera mit mittlerem Weitwinkelzoom, eine zweite mit Telezoom. Extreme WW braucht man eher nicht, weil sonst viel zuviel von den Mitreisenden ins Bild kommt. Also 24-85, 24-105, 24-120mm ergänzt durch Tele 70-300 oder besser 100-400. Dann ist man für alle Situationen bereit. Eine Bildstabilisierung kann auf dem schwankenden Boot hilfreich sein. Es ist halt eher Reportagearbeit als genüßliche Landschaftsfotografie vom Stativ aus...

 

 

Kangia Eisberge vom Sermermiut Tal aus gesehen. Es sieht jeden Tag anders aus, da sich die Eisberge Richtung Meer bewegen. Vom Ortszentrum in Illulissat läuft man eine gute Stunde bis hierhin und man kann noch weiter nach links das Tal aufwärts laufen. Wichtig ist auch hin und wieder einen Größenvergleich zu haben. Erst dann werden dem Betrachter die Dimensionen klar.  Nikon FX mit 28-85mm. Hier kann man vom Stativ aus arbeiten!   Foto © Achim Kostrzewa

 

 

 

Eisberg in der Diskobucht unter Tageslichtbedingungen: wenigstens arbeitet das leichte Gegenlicht die Konturen heraus.

 

 

Eisberg in der Diskobucht im Abendlicht vom Bug des Schiffes aufgenommen. Auch nicht ideal, aber wir konnten nicht mit den Fischerbooten fahren, zuviel Wind.

 

 

 

Ideale Bedingungen: Windstill und bewölkt am Cape York (NW-Grönland). Wir können mit den Zodiacs auf Motivsuche rausfahren. Das obere Foto wurde vom gleichen Standort aus gemacht, dem Sidegate des Schiffes. Reisezoom 24-120mm, unten mit 24mm oben mit 120mm, Sony R-1.  Fotos © Achim Kostrzewa

 

 

Zodiac Tour zu den Eisbergen vor Saqqaq. Durch das Einbinden des Zodiac ins Eisberg Foto gewinnt man den Maßstab für weitere Detailaufnamen.                               Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Kreuzfahrtschiff und Eisberg.   Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Das ist unser Lieblingsschiffchen! Rot ist komplementär zu Blau und bringt Leben ins Bild. Auch hier der Größenvergleich! Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Bootstour zu den Eisbergen vor Illulissat. Durch das Einbinden der Leute ins Eisberg Foto gewinnt man Komplementärkontrast und Maßstab.

Foto © Achim Kostrzewa

 

  

 

Man kann sich das Licht oft nicht aussuchen: gebucht wird die Tour Tage/Wochen vorher, sonst hat man keine Chance auf einen Platz! Bei so harschen Lichtverhältnissen wie links im Bild, sind Fotos von Landschaft mit Eisbergen eher schwierig. Man kann sich dann mit dem Telezoom (100-400) auf Details, wie links die Gletscherspalte auf der Schattenseite des Einberges verlegen. Fotos © Achim Kostrzewa

 

 

 

Telezoom (100-400, resp. 300mm Tele im meinem Falle) auf Details, wie hier dieser Gully, verlegen. Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Kleines, amerikanisches Kreuzfahrtschiff liegt vor den Kangia Eisbergen bei Illulissat. Auch hier der Größenvergleich! Die Eisberge sind bis zu 50 Meter hoch.                Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Vor einem Gletscher: Warme Kleidung und fertig montierte Kameras mit Reserveakkus gegen die Kälte helfen die Arbeit zu erleichtern. Nicht immer scheint die Sonne!       Foto © Renate Kostrzewa

 

Für die ganz Harten: Wintertouren ins Packeis werden z.B. in Grönland, Spitzbergen oder Nordkanada angeboten:

 

 

 

Morgens bei Sonnenaufgang hat es noch Minus 22°C...  Nikon FX mit 70-200mm, Stativ.   Foto © Achim Kostrzewa

 

 

Bei der Belichtung gilt das, was bei schwierigen Motiven mit hohem Kontrast angesagt ist: da kann ich nur das Aufnehmen im RAW Format empfehlen, denn hier kann man die Belichtung nachträglich – quasi verlustfrei – um +2 Blendenstufen am Computer korrigieren, was einen riesigen Vorteil darstellt. Außerdem sind erweiterte Kontraste und Qualität durch ETTR Belichtung möglich, dazu muß man allerdings ein bißchen lernbereit sein! Der RAW Konverter wird vom Hersteller mitgeliefert und der normalen JPEG Bearbeitung einfach vorgeschaltet. Dazu braucht man weder Photoshop noch Lightroom zu mieten. Wer das nicht will, kann auch in kritischen Situationen im JPEG Belichtungsreihen in halben Blendenstufen machen und sich das „beste Bild“ raussuchen. Ein bißchen mehr Aufwand macht sich schnell in der Bildqualität bezahlt.

 

 

 

Synphonie in Blau: Das Licht machts'  Oben - Eisberge in der Antarktis; man sieht im Streiflicht wunderbar die Schichtung des Schnees aus dem dieses Gletschereis entstanden ist. Unten - Eisberg mit Schmelzwasserabfluß aus dem Patagonischen Eisfeld im Gegenlicht. Nikon FX mit 80-200mm.  Fotos © Achim Kostrzewa

 

Mehr Eisberge von uns gibt es hier: https://naturfotografen-forum.de/o113990-Eisberge?rel=search&q=eisberg&types%5B%5D=cal&types%5B%5D=usr&types%5B%5D=ser&types%5B%5D=rub&types%5B%5D=img&types%5B%5D=art&types%5B%5D=pms&types%5B%5D=xte&types%5B%5D=boo&submit=Suchen

 

 

Text und Fotos © Achim Kostrzewa (2004-18)