Ultramarine, die Zweite: Kanadische Inselwelt und Westgrönland (12.9.-2.10.2022)

 

Unsere schöne, schicke Ultramarine im nördlichen Treibeis des Smith Sounds zwischen Nord-Grönland und dem kanadischen Ellesmere Island. Wir fahren bei schönstem Wetter Zodiac: zwischen den Treibeisschollen bildet sich schon frisches Pfannkucheneis.  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Wir sind von Düsseldorf nach Kopenhagen  geflogen (12.9.) und waren gut 3,5 h früher am Flughafen, wie allg. vorgeschlagen wurde. Das hatte aber gar keinen Nutzen, denn die SAS Schalter machen erst exakt 2 h  vor der Abflugszeit auf! Wir hatten insofern Glück, das wir uns als erste vor den Schalter stellen konnten. Wir haben gut 1 h für die Sicherheit und bis zum Gate gebraucht und waren 1/2 h vor Abflug am Gate, uff. Das kostet Nerven: von 10 Spuren im Terminal A waren wieder nur drei in Betrieb. In Kopenhagen ging es mit dem Gepäck sehr schnell. Nur über die Straße lag schon das Clarion Hotel mit einem gemütlichen und kühlem Zimmer. Sicherheitshalber haben wir auf dem Zimmer gegessen, die Restaurantkarte war auch hier verfügbar. Abends um 22:30 kam endlich der heiß erwartete PCR Test ins Mail: alles paletti, uff. Wir hatten uns Sonntag am Spätnachmittag (17:45) testen lassen, wegen der 72 h Frist. Sollten das Ergebnis noch vor 24:00 am Sonntag bekommen, aber das klappte nicht, weil der Fahrer die Test im Labor zu spät ablieferte... Für 70,- € je Test schon eine Frechheit. Aber wenn man auf dem Dorf in der Pampa wohnt, hat man keine Auswahl und kann froh sein am Sonntag überhaupt getestet zu werden.

In Kopenhagen waren wir blitzschnell durch: Gepäck aufgeben 5 min, 5 Schalter für unseren Flug nach Grönland offen. Zugegebenermaßen sind das keine Billigflüge, sondern Linie. In D wird man z.Z. auch als Linienflieger behandelt, als flöge man "Never-come-back-Airlines." An der Sicherheit waren alle 10 Schalter offen, in 10 Minuten waren wir durch, dann noch 7 min zum Gate und fertig. Dort habe ich noch ein Stündchen gepennt, wir waren ja bereits kurz nach sechs beim Frühstück (ab 4:30 eingeschränkt, ab 6:00 Vollversorgung).

 

Die Air Greenland Maschine aus Nuuk ist eingetroffen und fliegt dann weiter nach Ilulissat.                                               Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

13.9. Der Flug ging pünktlich ab. Nach 4,5 h waren wir in Kangerlussuaq.  Bei 4 h Zeitverschiebung kamen wir Ortszeit um 10:35 an. Es tröpfelte ein wenig und war durchaus trüb. Daher lohnte die Exkursion zur Eiskappe (13-18 Uhr) diesmal nicht, kein Fotowetter. Das renovierte und erweiterte Flughafenhotel war vergleichsweise für grönländische Standards gut, sogar mit Internet, sodaß wir noch ein updaten vom Reisebüro für die morgige Organisation unserer Corona-Schnelltests bekamen. Die frühere Flughafenkantine war kein Genuß. Heute gibt es dagegen gute Sachen: sehr empfehlenswert Burger aus Pulled Musk Ox mit Salat und Pommes für 14,- € total lecker!  Morgen 15:45 geht's dann aufs Schiff.

  

Burger aus Pulled Musk Ox mit Salat und Pommes: der Hit, total lecker (das Burger Brötchen brauch ich nicht); dazu ein lokales Bier und fertig. Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Endlich auf See:

   

Eissturmvögel über der ruhigen See: die Wolken spiegeln sich zusammen mit dem Vogel im Wasser.  Das erlebt man nur selten, so ruhige See, daß man nahezu künstlerische Vogelfotos machen kann. Deck 5 bietet mit seinem 360° Umlauf hier die besten Möglichkeiten. Die Vögel haben offensichtlich Spaß daran ihre Flugkünste voll auszureizen. Abends wird es windiger, aber wir haben einen tollen Mond.   Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 1 auf dem Schiff  (14.9.)

Es dauert allerdings bis 16:15, die vom ganz pünktlichen Charterflieger sind vor uns am Hafen, weil unser Fahrer statt zum Flughafen, erst zum Hafen gefahren war, um uns abzuholen ...? Anyway, die Krankenschwester testet uns negativ und alles ist in Butter. Wir sind mit dem Zodiac um 16:45 auf dem Schiff. Dort werden wir mit Hallooo empfangen, einige erkennen uns trotz Maske gleich wieder, wie Nick, der Biologe, schon am Flughafen, der auch den Fahrer herbeitelefonierte. Gillian verpaßt uns eine andere Kabine auf der Steuerbordseite, die wir dann nochmal gegen eine auf Backbord tauschen, um überwiegend auf der Landseite zu bleiben, wie auch ursprünglich gebucht. Es ist eine Art Upgrade: gleiche Kategorie wie Deck 4, aber auf Deck 6 hat der Balkon eine Glasverkleidung, man kann also schon vom Bett aus morgens aufs Wasser gucken. Deck 4 hat dagegen zur Sicherheit eine solide Metallwand am Balkon, damit große Wellen nicht das Glas der Fenster einschlagen können. Es geht gleich mit der Sicherheitsübung weiter, gefolgt von einer kurzen Einführung von unserer Expedition Leader Ali (Alison): der Reiseplan für Baffin ist zunächst hinfällig. Die Kanadier wollen unbedingt, das wir auch in Pond Inlet einklarieren müssen und nicht in Qikiqtarjuak im Süden, wie geplant. So wird die Fahrt entlang der Baffinküste mit Isabella Bay wieder nicht möglich sein. Diesmal ist es nicht das Eis, sondern die Sturköppe in Nunavut, die Renates Wunsch endlich Grönlandwale zu sehen, verhindern.

 

 

Oben und links unsere aktuelle Reiseroute. Rechts unten der ausgeschriebene Plan von Quark: große, wichtige Teile der Baffin Insel waren für uns nicht erreichbar, da wir nicht in Qikiqtarjuaq einklarieren durften, sondern in Pond Inlet einklarieren mußten. Das Kleingedruckte in den Reiseverträgen macht dies möglich. Quark ist ja für die Politik in Nunavut nicht verantwortlich!   Fotos: © Renate Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 2 - Seetag  (15.9.)

Morgens hören wir die Pflichtvorträge zur Sicherheit, dem Zodiac fahren und Verhalten an Land. Ich frage die Stellvertretende EL Abbey wegen der für uns noch ausstehenden ArriveCan-Prozedur. Mit Hilfe des Schiffsinternets und Gillian, die die Verbindung von Staff und Gästen organisiert, updaten wir unser ArriveCan innerhalb weniger Minuten mit den aktuellen Einreisedaten und erhalten auch sofort einen Einreisecode, klasse, Problem erledigt. Wir waren ja zuletzt am 4.8.22 - also vor 5,5 Wochen - dort mit der L'Austral eingereist. Die in Toronto gesammelten Passagiere haben das schon im Hotel gemacht und dort auch ihre Parkas bekommen. 115 kamen direkt über Kanada und nur wir 4 deutschsprachigen von Polaris-Tours, sind direkt nach Kangerlussuaq geflogen. Mit 119 Paxen und 33 "Mann" Staff, sind wir sehr gut betreut.

Für die Reederei dürfte das kein großes Geschäft sein, trotzdem versichert man uns mehrfach, wie froh alle sind, das wir gebucht haben. Scheinbar ist ein Leben am wirtschaftlichen Break-even besser als Pleite zu gehen: man kann seine Leute halten, das neue Schiff am Laufen halten. Frage ist, wie lange das gutgeht, wenn jetzt die Europäer bedingt durch die Energiekrise weniger Geld fürs Reisen in der Tasche haben?  Hier im Hochpreissegment dürfte die Lage noch besser sein als bei den billigen Kreuzfahrten, die sich die letzten Jahre etabliert haben.

 

 

19:45: So große Tafeleisberge sind selten im Westen Grönlands. Und dann noch ein Eisbär drauf, so ein seltenes Glück.            Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Weiter im Stoff, ergibt sich ein anderes Reiseproblem: das Eis, mal wieder. An Baffins Küsten ist es nun verschwunden, aber sowohl im Lancaster Sound, dem östlichen Eingang zur Nordwestpassage wie auch besonders im Smith Sound zwischen Ellesmere Island und Nordwest-Grönland erwarten uns größere Eisfelder mit bis zu 9/10 Treibeisbedeckung. Mal sehen, wo wir da noch überall Probleme kriegen. Um 11:45 begegnen wir einem großen Tafeleisberg von etwa 2,5 km Breite, der etwa 12-15 Meter - gemessen am Eisbär - aus dem Wasser ragt und demzufolge maximal 90 Meter dick sein dürfte. Darauf läuft ein einsamer Eisbär herum!!!  Der dient als Referenz mit einer geschätzten Schulterhöhe von 1,5 Metern. Der Kapitän unterbricht die 12 Knoten schnelle Fahrt nach Norden und dreht das Schiff in eine gute Beobachtungsposition. Unser Geologe Mike Hambrey, (seit 8 Jahren pensionierter Professor für Geologie und Glaziologie aus UK) denkt, daß der Eisberg am ehesten vom Petermann Gletscher in Nordwest-Grönland stammen könnte, da die Eisstruktur (leicht buckelige Oberfläche, ohne Risse und Spalten) dieses schwimmenden Gletschers gut zu unserem Eisberg paßt, ebenso die Größe des tafelförmigen Eisabbruchs. Wie der Bär darauf geklettert (?) ist und was er da will, mitten in der Baffin Bay ist rätselhaft. Diese Nacht, die möglicherweise klar bleibt, hoffen wir auf bessere Nordlichter als das Bißchen von gestern. Meine Videokamera hab ich schon klargemacht und die warmen Klamotten für die Nacht liegen auch parat. Die See ist ganz ruhig, das Schiff wunderbar stabilisiert. Außer dem Eisberg wurde noch sehr weit entfernt ein Pottwal gesichtet und eine Schule Großer Tümmler (Delfine, Tursiops truncatus).

 

Tag 3 - Seetag  (16.9.)

Wir werden dann auch um 1:00 die Uhr eine Stunde zurückstellen, um uns über 2 Nächte langsam der kanadischen Zeit anzupassen. Die Nacht verlief leider ohne Nordlichter! Es ist 6:00 früh und ich bin glockenwach und schreibe daher an unserem Log solange ich noch die Zeit dafür habe. Nachdem wir in Pond Inlet einklariert sein werden, wird sich die Schlagzahl der Ereignisse wohl deutlich erhöhen und dann bleibt zum Schreiben keine Zeit mehr. Dann gibt es nur noch Notizen für die spätere Ausarbeitung... und ich kann ja auch immer noch auf Renates Eintragungen in Ihr Exkursionsnotizbuch zurückgreifen, was ich auch immer wieder tue! Wir verbringen den Tag morgens bei schönem Wetter mit Fotografieren von künstlerisch angehauchten Eissturmvogel Bildern.

Eissturmvogel - schwerelos.                                         Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Dann hält Nick einen Vortrag über Eisbären, ihre anderen Bärenverwandten und deren Zukunft mit weniger Eis. Das Wetter wird schlechter, erst etwas Nebel, dann trüb. Nachmittags stellen die beiden Inuitköche ihre Ideen zu einer Novelle Cuisine auf Iniutart vor: winzige Portionen mit einheimischen Zutaten aus Grönland. Naja, da kann man denken, was man will. Aber sie sind auch die beiden Chefköche hier an Bord und das Essen ist sehr gut. Beide haben ihre Ausbildung in Dänemark bekommen und können international kochen, ohne Zweifel.

Morgen geht es los: laut Planum 9:30 Pond Inlet per Zodiac mit nasser Landung. Nachmittags Landung in Bylot Island (Naturschutzgebiet). Heute Nacht stellen wir die Uhr nochmals eine Stunde zurück und sind damit der kanadischen Zeit angepaßt (-6 h gegenüber D).

 

Wohl dem, der die Lage seine Kabine richtig plant (für diese Reise ist Backbord angesagt, für Landratten: links in Fahrtrichtung): die Motive schwimmen an einem vorbei, man braucht bloß noch zu fotografieren. Eisberg im Abendlicht. Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 4 - Exkursionstag  (17.9.)

Es geht los: 9:30 Pond Inlet per Zodiac mit trockener Anlandung am kleinen Pier. Führung durch die Siedlung von einer Lehrerin, die das prima gemacht hat. Tee und Scones gibt es vom offenen Feuer am Strand. Anschließend die Show im Gemeindehaus, wie wir sie schon gesehen hatten. Nachmittags setzen wir nach Bylot Island über um dort das Naturschutzgebiet zu besuchen. Wir können wegen Sturm nicht anlanden, 1,5 m Swell am Ufer. Zurück nach Baffin und landen süd-östlich von Pond an: Tundra Walk, Frostmusterböden. Dieser "Walk" ist aus der Not geboren, es ist die einzige Anlandestelle die möglich war... 

   

Teezeremonie nach Inuit Art: Kräuter werden aufgekocht und mit Plätzchen serviert.                                                             Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

In der Nacht überqueren wir den Lancaster Sound und landen morgens vor Dundas Harbour (Devon Island):

 

Tag 5 - Exkursionstag  (18.9.)

Dundas Harbour: in diesem Eisgürtel können wir nicht anlanden! Wir suchen uns die Nachbarbucht aus und laufen zu Fuß. Unterwegs kommen wir an interessanten Brekzien (Gesteinsschotter mit scharfen Kanten, der von feinerem Sedimentmaterial "zusammengeklebt" wurde) vorbei.  Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Devon Island. Morgens gibt es wieder eine kleine Wanderung nach Dundas Harbour mit RCMP Hütten und Thule Kultur.  Bei den Hütten selbst können wir wegen eines breiten Treibeisgürtels nicht anlanden. Das Gestein stammt aus dem Silur. Nachmittags fahren wir in die Croker Bay mit zwei unbenannten Gletschern. Seitdem die Inuit in Nunavut das Sagen haben, können die Geografen nicht mehr so einfach das Gelände bezeichnen, wie sie wollen. Die Inuit müssen gefragt werden und die haben offensichtlich an Formationen, die keine jagdliche Bedeutung für sie haben, auch kein Interesse! So machen wir eine Zodiactour am östlichen Gletscher und finden in einer Bucht Belugas beim Jagen entlang des Ufers vor.

 

Wir zodiacen in der Croker Bay vor einem leider namenlosen Gletscher. Die Inuit wären für die Benennung verantwortlich, haben aber "keine Lust" dazu, weil ein Gletscher für sie keine Bedeutung hat. Wir als Geowissenschaftler verstehen das nicht, sind wir es doch gewohnt alles zu Benennen und zu Klassifizieren.....               Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Beluga mit Blas entlang der Küste: sie jagen hier die Handspannen langen Polardorsche.                                           Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 6 - Exkursionstag  (19.9.)

Über Nacht geht es zurück nach Nord-Baffin in das Admiralty Inlet entlang der Borden Halbinsel zum Elwin Inlet: Lehrbuch Geologie aus dem Ordovizium: Zodiactour  im Inlet mit unserem Geologen (Prof.em.Dr.) Michael Hambrey. Eine improvisierte Geologievorlesung vor Ort, Klasse.

 

... eine Erosionsrinne wie aus dem Lehrbuch !

Michael hält eine hochspannende Geologievorlesung direkt vor Ort auf dem Zodiac, wir hatten das Glück dabei zu sein.     Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Da wir schonmal hier sind in Nord Baffin, landen wir noch an einem bärenfreien Platz ohne Namen an. Die Tundra ist flach, leer und übersichtlich und lädt so zu einem Spaziergang am Flußtal ein. Ich unterhalte mich länger mit Daven Hafey, einem Guide mit interessanter Vita: er hat in Alaska über Grizzlies gearbeitet und so kommen wir ins fachsimpeln, ich erzähle von unseren Erfahrungen mit den Bären im Denali National Park und in Geographic Harbour. Er hat in Montana und Wyoming als Ranger gearbeitet und auch dort kennen wir einige Nationalparks. Das Gespräch ist spannender als die triste Landschaft, die einer Steinwüste gleicht. Über Nacht geht es wieder nach Norden, über den Lancaster Sound...

 

 

Unser "Notlandeplatz" in der Tundra von Nord Baffin am Ausgang vom Admiralty Inlet.                                                Pano-Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 7 - Exkursionstag  (20.9.)

Devon Island, Morgens Maxwell Bay Ostarm: Beluga Beobachtungen. Wir sehen mehr als 50 Weiße Wale beim Jagen auf den kleinen Polardorsch. Die Crew bringt uns an den nächstmöglichen Strand, so einen Kilometer müssen wir noch über den Schotter laufen. Ich positioniere mich an einer Engstelle und setze mich auf den Drybag vom Tele. Es ist -3,5°C und windig. Nun heißt es abwarten. Renate geht noch weiter, wo die Anderen alle stehen. Aber die Wale jagen am Ufer entlang und zwingen die kleinen Dorsche bis aufs Ufer wo sie dann in Mengen ersticken und erfrieren. Und sie passieren meine Position zweimal: so gelingen wir ganz brauchbare Fotos vom Ufer aus, besser als die, die wir in der Crocker Bay vom Zodiac aus machen konnten!

 

Es ist bitterkalt durch den Wind, aber das Warten lohnt sich, die Belugas kommen vorbei.                                             Foto: © Renate Kostrzewa (9/2022)

Belugas von rechts und von links, sie schwimmen auf und ab und jagen kleine Polardorsche...                          Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Nachmittags: Maxwell Bay Westarm: wir sichten einen ruhenden Eisbären am Ufer, unsere EL Alison organisiert eine Zodiactour. Alle Gäste werden in die Boote verladen und warten bis alle ausgebootet sind. Dann fahren wir im Konvoi langsam hintereinander Richtung Bär, am Bären vorbei und in einer großen Kurve wieder zurück. "Wagonwheeling" nennen die Quarks das, haben wir schon in Spitzbergen im Juni praktiziert. Klappt gut: der Bär schnüffelt, erhebt sich gemächlich, läuft ein wenig den Strand entlang um dann auf unser Boot loszustürmen. Wayne, unser Bootsführer dreht gekonnt ab und hat die Hand am Gas, fährt aber erst los nachdem mein Kameramotor stoppt. Das ermöglichte mir die besten Bärenbilder bislang von allen Touren. Der Bär stoppt am Ufer ab und guckt. Wir ziehen uns zurück. Die Bilder sind alle etwa mit 1/1.000 sec. aufgenommen und yippeee scharf. Wayne, you made my day!

Wir fahren alle nah beieinander und warten das sich alle Zodiacs aufreihen: dann gehts los zum "Waggonwheeling."               Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Eisbär am Strand, er überlegt ob wir was zu Fressen sein könnten.     Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Was für ein Tag: Belugas und Eisbären endlich mal in Fotonähe. Da hatten wir im Juni an sich in Spitzbergen drauf gehofft und sind doch ziemlich enttäuscht worden...

 

Tag 8 - Exkursionstag  (21.9.)

Devon Island, Morgens Radstock Bay bis ganz durch und dann ab Frühstück langsam nach Süden. Wir finden erst 2 Eisbären auf der Strandflate am Ende der Bucht, Später noch eine Mutter mit diesjährigem Kind und dann noch eine mit zweien. Habe 5 Eisbären auf einem Foto. Das Video zeigt, daß sie aggressiv gegeneinander sind: drohen, greifen aber nicht an:

Vom Schiffsdeck aus: Fünf auf einen Streich !                                                                                                                                      Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Später kommt die Anlandung am Caswell Tower mit sehr gut erhaltenen Thule Häusern, wir müssen uns beeilen, sind spät dran: Die Charcot hat den Slot am Nachmittag gebucht.

Wir liegen vor dem Caswell Tower vor Anker. Landen dort an, um die Thule Häuser zu besichtigen: hier wurden die Knochen von Grönlandwalen für die Dach- und Wandkonstruktion verbaut. Als Dachsparren dienten die langen Rippenknochen.    Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Dann nach dem Lunch machen wir einen Abstecher nach Beechy Island, direkt vor Devon (ist bei Ebbe über eine Nehrung mit Devon verbunden).

Wir am Strand von Beechy Island, im Hintergrund liegt viel größere Insel Devon Island. Alles scheint hier nur noch aus kargem Schotter zu bestehen: die arktische Wüste par excellence, knochentrocken, so gut wie keine Vegetation. Hier hat die Franklin Expedition 1845 ihren ersten Winter verbracht, vier Gräber zeugen davon, bevor die ganze Expedition dann verschwunden ist...   Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Acht Leute von uns laufen die 18 km vom Caswell Tower nach Beechy Island über groben Schotter zu Fuß, soll 6 Stunden dauern. Sie werden von drei Guides begleitet: Fabrice erzählt, daß sie viele Bärenspuren gesehen haben, aber keinen Bären, bloß Polarfüchse. Beechy Island ist eng mit der Franklin Expedition verbunden. Dort liegen die Gräber von.... und stehen die Reste von Northumberland House... Das ist ein zwei Kilometermarsch über den Schotter verschiedener Strandebenen. Die Fußlahmen der "Contemplative group" werden mit dem Zodiac geshuttelt. Eine Bartrobbe kommt neugierig gucken, leider zu weit für mein 24-120.   

 

Tag 9 - Seetag  (22.9.)

Fahrt über Lancaster Sund nach Süden zur Siedlung Arctic Bay, dort werden wir einen Erkrankten ins Flugzeug bringen, der nach Ottawa ins Krankenhaus muß. Soweit der Plan von gestern: Heute ist es mal wieder anders! Es hat erst Nebel, dann Schnee, der Winter zieht auf. Der Evakuierungsflug ist abgesagt, der Patient bleibt in Arctic Bay im Krankenhaus... Wir haben derweil die Helikoptereinweisung. Werden in voller Arktismontur gewogen und dürfen ins Schneetreiben den Hubschrauber  - ein Airbus H145 mit 4 Rotorblättern und gekapselter Heckturbine - ansehen. Sieben Leute haben Platz, es ist aber eng wie immer. Gegen 12:00 sind alle durch mit der Besichtigung und das Schiff legt ab von Arctic Bay, diese kleine Gemeinde sieht so richtig trostlos im fallenden Schnee aus. Da möcht ich im Winter nicht tot überm Zaun hängen. :-)

 

Hubschraubereinweisung vor Arctic Bay liegend. Unser Erkrankter wird derweil mit dem Boot zum "Flughafen" übergesetzt. Wegen "Wetter" kann die Maschine nicht landen, er muß in der Krankenstation abwarten. Hoffentlich kein Schlaganfall oder Infarkt, denn da spielt die Zeit eine wichtige Rolle.  Foto: © Renate Kostrzewa (9/2022)

 

Danach geht es weiter nach Norden durch durch den Lancaster Sund in die Baffin Bay ... Jean Pennycook hält einen tollen Vortrag über das weltweite Zugsystem der Vögel und schafft sogar ihre geliebten Adeliepinguine darin einzubauen. Im Recap berichtet Erinn Drage über ihre erfolgreichen Bemühungen zusammen mit den Inuit den gesamte Lancaster Sound als Meeresschutzgebiet auszuweisen, da dieses Habitat eine enorm hohe Biodiversität aufweist. Wir gehen in der Lounge auf Deck 7 Capuccino trinken und knabbern an dem Zimtschneckchen, was wir beim Frühstück "geklaut" haben.  Nach dem Recap gibts Essen und danach einen "bar talk" von Jimmy MacDonald, der eine Filmcrew an die Hudson Bay geführt hat, um dort Eisbären im Frühjahr und Sommer zu filmen. Die Szenerie lag 100 Kilometer nördlich von Churchill in der Nähe von Arviat. Heute Nacht stellen wir die Uhren wieder 1 h zurück.

 

Tag 10 - Seetag/Exkursionstag  (23.9.)

Im Treibeis vom Smith Sound                                                                                                                                            Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Pfannkucheneis in Schwarzweiss                                                                                                                                   Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Wir fahren bis zum Eis südlich vor Ellesmere Island und auch ein schönes Stück durch lockeres Treibeis im strahlenden Sonnenschein. Einige Schollen in größerer Entfernung sind mit mehreren Seehunden/Robben belegt. Einer schwimmt sogar vor dem Schiff. Wir machen dann um 14:30 eine Zodiac Tour durchs Treibeis und landen - suprise, suprise - auf einer Scholle mit Bar an. Es gibt Kakao mit Baileys und Kaffee mit Rum:

Neugierige Ringelrobbe                                                                                                                                                Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

 Selfie auf der 1,2 Meter dicken (mehrjährigen) Eisscholle. Sowas muß man finden um sicher drauf anzulanden.   Wir haben als nördlichste Position 78°18' erreicht ! Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Es finden sich mehrjährige Eisschollen, wie auch einjähriges Meereis, Reste von Eisbergen und frisches Pfannkucheneis auf unserer 2,5 h Zodiactour. Es sind minus 3,5°C aber so gut wie kein Wind. Dick in Zwiebelschichten eingepackt, kann man es in der Sonne gut aushalten.   Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Nach der Fahrt sitzen wir gemütlich auf Kabine auf dem Sofa in der Sonne gucken bei offener Balkontür aufs Eis und schlürfen einen großen, heißen Capuccino. Herrliches Wetter und um 17:30 beginnt der berüchtigte "Polar Plunge", der auf Johann Hanson zurückgehen soll, der seinem abtreibenden Kanu hinterher gesprungen sei, weil er sonst auf der Eisscholle hätte verhungern müssen. Nur hier verhungert keiner. Alles auf Sicherheit, die Springer hängt am Sicherheitsseil, außer Sicht meiner Kamera liegt ein Zodiac. Die Frau Doktor ist da mit Ihrem Notfall Defibrillator. Jeder Reisegast, der sich dafür schon von zu Hause angemeldet hat, muß eine positive Begutachtung seines Kardiologen mit EKG vorlegen... Etwa 40 Leute springen !

Heute Nacht überqueren wir den Smith Sound nach Osten und stellen wir die Uhren eine weitere Stunde zurück und haben wieder grönländische Zeit.

Der berühmte Polar Plunge oder op Kölsch: Pollaar Plantsch. Wie jeck es dat dann ?  Enää, dat künnt isch net...            Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 11 - Exkursionstag  (24.9.)

Wir fahren nach Etah, der nördlichsten Siedlungs Grönlands, die allerdings zuletzt 1953 aufgegeben werden mußte. Der Foulke Fjord ist 4,5 Meilen lang und das Schiff muß draußen bleiben. So haben wir eine lange, kalte Zodiacfahrt bei -5,5°C vor uns. Geplant war gestern noch die Hubschrauber einzusetzen für einen Rundflug dorthin oder gar eine Landung. Doch die Sicht ist schlecht, es schneit zudem und einer der beiden Hubschrauber zeigt - statt anzuspringen - bloß rote Warnlampen! Dem ist wohl zu kalt und der will wieder in seine schöne Garage ??!! So sitzen wir wieder mal in Fabrices Zodiac und rumpeln über die Wellen ans total vereiste Ufer. Es gibt nur verfallene Gebäude hier von einigen nur noch der Grundriß in Form von Steinen. Die Hütten sind grob zusammengenagelt. Es gibt einen Ofen zum Heizen und Kochen und eine Bettstatt. Isoliert wurden sie von außen mit Grassoden. Das Ganze ist vielleicht 12-15 qm groß und dann gibt es noch einen Windfang vor dem Eingang, wo sicherlich die Klamotten getrocknet und die Stiefel aufbewahrt werden konnten. Keine Terrasse, kein Pool, keine Bar...

  

Die verlassene Siedlung Etah liegt am Ende des 4,5 Meilen langen Foulke Fjords. Hier, am nördlichen Ende der besiedelbaren Täler Grönlands fängt langsam der Winter an. Wir überlegen nur ganz kurz uns hier anzusiedeln :-), die Reste der Hütten sehen wenig einladend aus. Die Nahrung besteht aus Moschusochsen und Fisch, die man wahrscheinlich mit den Eisbären teilen muß, wie man an den Knochenresten sieht. Wir fahren knapp eine Stunde mit dem Zodiac. Einige Guides, auch Fabrice, tragen rote Anoraks und scheinbar keine Schwimmweste - wie dem aufmerksamem Leser vielleicht nicht entgangen sein dürfte -  das sind sog. "Floater": in die Jacken sind die Schwimmwesten bereits ntegriert. Die sind sehr teuer und gehören den Nutzern privat.  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Nachmittags klappt das mit den Fliegen immer noch nicht. Wir machen eine Zodiac Fahrt zum sich neu bildenden Meereis, was aber durch den starken Wellengang nicht so gut zu sehen ist. Aber wir werden ziemlich naß dabei, weil der Wind ganz schön bläst.

So macht Zodiac fahren weniger Spaß, bei Regen, Schnee mit fetten, nassen Flocken und Wind wird das zur klammen Angelegenheit und erfordert auch viel Kamerapflege hinterher.  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 12 - Seetag/Exkursionstag  (25.9.)

Morgens um Sieben liegen wir schon vor Qaanaaq und sehen seine Lichter am Ufer. Es ist ziemlich stürmisch mit 1,5 Meter hohen Wellen. Wir müssen ein ruhiges Plätzchen finden um in die Zodiac zu steigen, was für die weniger Beweglichen nicht so einfach wird. Nach einer Meile nasser Fahrt landen wir am Pier. Hier ist alles auf den ersten Metern vereist und auch der untere Teil der Straße ist eine Eisplatte. Wir kämpfen uns durch. Das Expeditionsteam hat Sand besorgt und die schlimmsten Stellen unten am Hafen für uns gestreut. Die Mädels & Jungs sind wirklich unermüdlich! So kommen wir ohne Blessuren zum Gemeinschafthaus aka Sporthalle, wo die Vorführung stattfindet.

 

Alec Peary erzählt so eindrucksvoll von der Jagd, das seine Worte in meiner Phantasie lebendig werden !  Das Künstler Paar: sie Throatsinger, er Trommeltänzer, hatten wir schon 2007 kennen gelernt.  Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Qaanaaq, oder - Ultima Thule - ist heute wieder eine "normale" Inutsiedlung. Die Inuit wurden ja von den Amerikanern im 2. Weltkrieg wegen des Flugplatzes an ihrem angestammten Siedlungsplatz einfach zwangsweise umgesiedelt.  Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Dort treffen wir auf Alec Peary (ein Nachfahre von Rober Peary) einer der acht englisch sprechenden Bürger der 602 EW. Er erzählt sehr Eindrucksvoll und aus erster Hand wie Robbe und Eisbär gejagt werden und wie die Hunde dabei teilweise selbstständig mitarbeiten. Sie können zwischen beiden Jagdarten unterscheiden. Hunde sind im Winter essentiell: Sie riechen auch bei Nacht (Polarwinternacht) ein Robbenloch oder einen Eisbären, wenn der Jäger selbst nichts sieht und führen den Schlitten dorthin. Bleiben aber weit genug vom Robbenloch  entfernt stehen, damit diese nicht verscheucht wird. Es war faszinierend zu hören wie die Hunde genau wissen was zu tun ist. Sie kommen erst von selbst zum Jäger samt dem Schlitten, nachdem der Schuß, der die Robbe getötet hat, zu hören war. Sie wissen, nun gibt es was zu fressen. Der Jäger teilt mit uns. Die Walrossjagd dagegen ist sehr gefährlich. Sie findet auf sehr dünnem Eis statt. Die Hunde bleiben auf festem Eis zurück. Die Jäger gehen breitbeinig in größerem Abstand, um nicht einzubrechen immer dann weiter, wenn das nächste Walross schnauft, denn dann kann es nichts hören.

 

Tag 13 - Seetag  (26.9.)

Wir fahren schnell und weit an der Melville Bay vorbei und haben Seegang bis um die 3 Meter. Das Schiff stampft nur etwas. Die stabis verhindern das Rollen fast vollständig. Wir hören zwei  interessante Vorträge von Fabrice über das Leben im Eis vom Einzeller bis zum Spitzenpredator im Vergleich Arktis zur Antarktis. Jean berichtet über Vogelwanderungen weltweit und vergleicht die verschiedenen Vogelgruppen. Beides exzellente Vorträge! Ich sortiere Bilder kopiere alles nochmal auf Festplatte und schreibe ein wenig und recherchiere  (heute mal wieder gutes Netz) nochmals POP's (Umweltgifte) in der Arktis und lande beim 300 Seiten starken AMAP Bericht von 2002. Was Neueres gibt es leider nicht.

 

Tag 14 - Exkursionstag  (27.9.)

Wir werden gegen Mittag Uummaanaaq erreichen und wollen morgens schon im Fjord dorthin unser Flightseeing absolvieren, was diesmal auch problemlos klappt. Renate und ich werden durch die Gruppenzusammenstellung nach Gewicht getrennt und so überfliegen wir im Abstand von 15 Minuten verschiedene Küstenteile. Da jeder eine Kamera dabei hat, ist das ganz prima. Vom Wetter her ist der Flug eher ein Schwarz-Weiß Tag. Die Vorbereitung ist kompliziert: wir werden zu je 7 Leuten eingeteilt und aufgerufen. 7 gehen zur Waage, Jean notiert das Gewicht, man steht ja in voller Arktismontur auf der Waage, wenn die 7 zum maximalen Startgewicht passen, können sie aufs Helideck und werden verladen. Sonst werden einzelne mit der nächsten Gruppe getauscht. Ein Helfer legt die Hosenträgergurte an oder kontrolliert sie bei den Flugerfahrenen. Der Gast neben dem Piloten bekommt noch eine extra Einweisung bloß nix anzufassen von der Flugtechnik. Dann Tür zu und los gehts.

   

  

Heliflying auf der Ultramarine: erst mal gucken. Es ist eng zu dritt in einer Reihe mit vollen Klamotten, der speziellen Schwimmweste und den Gurten. Könnte ja sein, das wir notlanden müssen und dann braucht es warme Sachen. Aber es gibt helfende Hände und ein aufmunterndes Lächeln.  Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Wir überfliegen das kleine Örtchen Niaqornat auf der Nussuaq Halbinsel. Die 15 Minuten vergehen wie im Flug :-)          Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Heute ist kein schönes Flugwetter für unseren einzigen Flug. In Kanada durften wir nicht, aber immerhin, hier geht es.                 Foto: © Renate Kostrzewa (9/2022)

 

Nach dem Lunch geht es dann per Zodiac in Uummaannaaq ans Pier, wo wir freundlich empfangen werden. Wir besuchen die Kirche, das Museum, den Supermarkt, das Blubberhaus, wo heute Kunsthandwerk entsteht und auch um 16:00 von den Kindern des Kinderheims ein Trommeltanz vorgeführt wird. Die Kinder sind total nett, propper angezogen und leben in einem sehr schönen Heim, wie wir das in Deutschland noch nicht gesehen haben. Jean Pennycook durfte dorthin gehen (sie ist eine erfahrene Lehrerin und unterrichtet per Video für die US-amerikanische Science Foundation auch aus der Antarktis) und hat ein eindrucksvolles Video gedreht, was sie im Recap zeigte.

Wir ja schon oft hier - bei besserem Wetter - aber immerhin man sieht den "Herzberg." Uummaanaaq bedeutet Robbenherz.   Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Die Einwohner leben im Spannungsfeld zwischen Tradition wie Kirche und Moderne: das Einkaufszentrum.                 Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

   

Mädchen in traditioneller Festtagskleidung im Museum. Der Trommeltanz findet wegen des Regens im Blubberhaus statt.           Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 15 - Exkursionstag  (28.9.)

Heute steht der Perfelfiup Glacier auf dem Flugprogramm: der Plan war noch gestern hier eine Heli Landung auf einem Nunatak (einer Bergspitze umgeben vom Gletschereis) mit Übersicht über den Fjord und den Gletscher, der aus der Eiskappe kommt, zu machen. Doch morgens haben wir 3,5°C (gut), keinen Wind (schlecht) und Nebel bis fast runter aufs Meer (ganz schlecht). So machen wir erstmal eine Zodiac Tour zu einer Gletscherzunge, die an Land in einem See endet und wandern bis auf eine Moräne, die einen guten Überblick über die in Nebel getauchte Landschaft bietet. Anschließende machen wir noch eine Zodiac Tour zum Wasserfall und zu "Höhlen"  die ausgewaschene Risse im 2 Mio. Jahre alten Gneis darstellen.

Perfelfiup Gletscher und Moränenschutt der Grund- und Seitenmoräne.                                                                          Fotos: © Achim Kostrzewa (9/2022)

Im Perfelfiup Fjord.                 Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

In der schrägen, geschützten Erosionsrinnen sind erstaunlich viele Pflanzen zu finden: große Büsche arktischer Weide (60cm hoch), Hornkraut recht üppig und in der Moräne haben wir auch ein einzelnes arktisches Weidenröschen, Grönlands Nationalblume, gefunden. Nach 3h sind wir wieder an Bord, naß durch den leicheten Niesel, der aus dem Nebel fällt und hungrig, aber es gibt gleich Essen: also raus aus den nassen Anoraks und Zodiachosen und rein ins Restaurant. Nach so einer Exkursion geht Hunger vor Schönheit... Nachts fahren wir durch den Vaigat Sund Richtung Ilulissat.

 

Tag 16 - Exkursionstag  (29.9.)

Ilulissat: Wir können nicht in den Hafen mit unseren Zodiacs, alles voll Eis. Es sind wohl einige große Eisberge über die Endmoräne gedrückt worden, die von einer großen Menge Growler gefolgt wurden. Nun liegt eine breiter Eisgürtel vor der Fjordmündung. Wir wollen versuchen im Süden, auf der anderen Fjordseite evtl. sogar an Land zu gelangen. Auf der Nordseite waren es heute Morgen 27,5 kn Wind. Hier im Süden scheint es besser zu werden, außerdem steigt die Wolkendecke und bekommt zunehmend Löcher. Wir fahren jetzt schon 2h hier entlang, es ist nun 10:30 und immer noch kein "Ankerplatz" in Sicht.

Das, liebes Expeditionsteam, ist der besch... Landeplatz der ganzen Reise: 25 Meter glitschige Algen über grobem Schotter und dann vereiste Steine den Berg hoch, na Danke !  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

       

Wir schnappen uns Fabrice Genevois, der nicht nur einer der besten Zodiacfahrer ist, sondern auch ein hervorragender Kollege der Seevogelbiologie !  Und machen eine tolle Eisbergtour. Fabrice hat 18 Monate auf den Kerguelen an seiner Bio-Diplomarbeit über Strumvögel gearbeitet, wenn er nicht führt oder Bücher schreibt, arbeitet er am Naturkundemuseum in Paris.  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Der kommt erst heute Mittag: ein steiles Stück Fels mit groben Geröll gilt es zu erklettern, bevor man auf die Tundra gelangt. Nichts für Renates aktuell gereizte Hüfte und ich hab auch keine Lust da raufzuklettern für einen Blick, der dem Sermermia Tal nicht das Wasser reichen kann. Aber das Expeditionsteam ist unter Druck, weil wir eben nicht in Ilulissat selbst anlanden konnten. Sie haben noch versucht eine Genehmigung für unsere Hubschrauber zu bekommen, denn es gibt ja am Beginn/Ende des Trails das alte Helipad. Aber das würde mit dem Verkehrsflieger am frühen Nachmittag und auch Flugplänen für den SARs Hubschrauber kollidieren. Für uns die beste Lösung: wir machen eine tolle Zodiac Tour zu fünft mit Fabrice am Steuer und fahren 1,5 h um quasi jeden freiliegenden Eisberg herum... TOLL für uns, wir waren ja gerade vor 6 Wochen in Ilulissat gewesen.

 

Morgens kurz vor Sechs mein Blick vom Balkon: Eisberge des Kangia Gletschers begleiten uns auf dem Weg nach Ittileq.         Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Tag 17 - Exkursionstag  (30.9.)

Morgens ist Bilder Sichern angesagt, immerhin knapp 3.000 Bilder sind zusammengekommen. Leider verpasse ich so Jeans schönen Vortrag über die gesellschaftlichen- und politischen Wandlungen die aktuell die Arktis verändern. Renate war da und hat mir berichtet. Der Klimawandel macht in Zukunft andere Handelswege wie die Nordost Passage und auch vermehrten Bergbau möglich. Die Frage ist nur, wer profitiert davon? Die Urbevölkerung oder die multinationalen Konzerne???   Die Mädels Gillian & Alison machen Luftsprünge vor Freude, als sie das Ende der Arrive Can Prozedur für den 1.10. erklären können. Nach den USA hat nun auch Kanada diese bürokratische Einreisehürde abgeschafft.  Die 115 Gäste, die in Toronto von Bord gehen werden, brauchen sich nun nicht mehr erneut mit den Einreiseformularen via Internet herumzuschlagen, viele davon benötigten die Hilfe der beiden Damen, die dafür einen ganzen Tag am PC verbringen mußten...

 

Itillieq: die meisten Häuser sind gut gestrichen und bewohnt, es gibt aber auch zunehmend Leerstand: als Sommerklause zum Schreiben könnte ich mir das vorstellen, alles renovieren, Panoramafenster zum Meer hin und rot oder blau anstreichen mit weißen Fensterrahmen.   Fotos: © Renate & Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Wir haben Kaffeemik bei Susi, stolz zeigt sie uns ihr proper aufgeräumtes Heim.                                                 Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

   

Links: ein Schinken vom Moschusochsen, lecker !           Rechts: unsere beiden Pinguinfrauen - Jean Pennycook verbringt seit 20 Jahren jeden Südwinter 10 Wochen im Zelt neben einer Adelie Kolonie und zeichnet für ca. 4.000 Brutpaare den ganzen Brutzyklus wissenschaftlich auf. Renate hat ja früher auch über 10 Jahre in der Antarktis gearbeitet.             Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Itilleq werden wir erst im Laufe des Mittags erreichen. Es scheint sogar ein wenig die Sonne. Die Kirche ist auf. Wir gehen zum Kaffeemik in das Privathaus von Susi, einer Grönländerin mit 4 Kindern, einem Mann (der ist Jagen) und einer properen Wohnküche. Renate läuft noch bis zum Friedhof. Ich feuere derweil unsere Schiffsfußballmannschaft an. So haben wir einen gemütlichen Nachmittag in Itilleq, bis wir um 17:00 wieder zum Schiff düsen. Abends gibt es den üblichen Abschiedsdrink. Ein Dinner mit Meeresfrüchten und Hummer, die wir in ein wenig frz. Chablis schwimmen lassen. Und zu guter Letzt die Dia-Video-Show der Reise (zu schnell geschnitten, teilweise unscharf bei den Schwenks), wir fallen anschließend ins Bett.

 

Tag 18/19 - Abreisetag  (1.+ 2.10.)

Morgens erreichen wir Kangerlussuaq. Die paar Männekes, die nach Kopenhagen fliegen, sollen kurz nach 9:00 augebootet werden. Fabrice fliegt von Kopenhagen weiter nach Paris, wir nach Düsseldorf, die anderen nach München. Wenigsten können wir noch gemütlich um 8:00 frühstücken. Gepackt ist alles. Dann gehts ins Zodiac mit allem Gepäck. Wir haben etwas Schneeregen, die Kameras sind komplett wasserdicht weggepackt. An Land herrscht Glatteis, vor allem auf der Treppe rauf vom Pier. Wir sehen den Airbus pünktlich landen und können auch gleich Einchecken. Das Ding ist proppevoll und wir haben 2 Mittelsitze, oh Graus, da hat unsere Reisebüro gepennt statt die extra zu bezahlende Sitzplatzreservierung zu nutzen. Eine Qual für 4,5 h. Das Clarion Hotel in Kastrup ist gut.

Von Kopenhagen nach Hause kostet nochmal einen ganzen Tag: der Morgenflug wurde gestrichen und auf nachmittags umgebucht, der hatte dann noch 1 h Verspätung. Wenigstens klappte das mit dem Parkplatztransfer schnell und dann ab nach Hause. Pünktlich zur "heute" Sendung um 19:00 erreichten wir unsere Heimat und wir bekommen was zu essen: ganz schnell einen Nudel, Schinken + Käse Auflauf in der Pfanne gemacht und die Welt ist wieder einigermaßen in Ordnung. Mittags in Kastrup standen wir 50 min. in der Sicherheitsschlange. Im Flieger gabs nix, da mußten wir uns mit eigenen Notreserven (Kekse + Schokolade) behelfen. Und beim Frühstück im Hotel bei noch gefühlten 5:00 morgens bekam ich kaum was runter...

 

Vorläufiges Fazit für die kanadische Hocharktis: Der Lancaster Sund als Eingang in die Nordwest-Passage zeigt uns, daß es nach Westen hin immer wüstenartiger wird. Eine typische Kältewüste an Land mit kaum noch Vegetation und wenig spektakulären, eiszeitlich abgeschliffenen Landschaften, was auch unsere Geologen bestätigen. Devon und Beechy Island sind schon gute Beispiele dafür. Anders sieht es mit Baffin und evtl. mit Ellesmere aus: da steckt noch jede Menge Potential für uns drin. Die Axel Heiberg Reise können wir knicken; zu trocken, kaum Vegetation, zuviel nördliches Treibeis zwischen den Inseln und die Probleme mit den Kanadiern in Nunavut. Der Charterflug von Quark wurde für Resolute von Resolute abgesagt! Sodaß die Reise in Kangerlussuaq beginnen mußte, wodurch nach Aussagen aus dem Expedition Team insgesamt FÜNF An- und Abreisetage zusätzlich entstanden sind, die alles durcheinander gebracht haben und die eigentlichen Ziele teilweise unmöglich machten. Herausgekommen ist eine Reiseroute, die vergleichbar mit unserer jetzigen war. Ähnlich wie wir von Qik im Süden von Baffin nach Pond Inlet im Norden zur Einreise umgeleitet wurden... Also bevor die Kanadier sich nicht besinnen sich an ihre Abmachungen zu halten, hat das keinen Zweck in Nunavut einklarieren zu wollen. Baffin und Ellesmere bleiben aber auf der Liste der interessanten Ziele.

Westgrönland hat sich wieder mal gelohnt: Wir haben die nördlichste Ansiedlung Grönlands, Etah, erstmals besuchen können, die in den späten 1930er Jahre verlassen wurde und dann nochmal 1984 erfolglos wiederbesiedelt wurde, weil zu wenig Jagdmöglichkeiten bestanden. Qaanaaq lohnt sich immer wieder mal, wir haben da noch Künstler getroffen, mit denen wir schon 2007 gesprochen hatten. Uummannaaq ist immer wieder schön zu sehen und die Eisberge vor Ilulissat mit dem Zodiac erkunden zu können, das hat schon was. Itilleq war für mich neu, für Renate nicht, sie hatte dort in den frühen 2000er Jahren sogar den damals amtierenden Ministerpräsidenten Hans Enoksen (2002-2009) kennengelernt. Nachdem wir nun so ziemlich alle Siedlungen im Westen abgeklappert haben, heißt es Aufbruch zu neuen Ufern im Osten von Grönland ?!

Vier Jahreszeiten an einem Tag !  Morgens Sonne, dann Nebel, dann dickes Schneegestöber und dann bleibt es erstmal trübe, bis am späteren Abend wieder die Sonne rauskommt...  Foto: © Achim Kostrzewa (9/2022)

 

Wetter - in den gut 20 Jahren, die wir mit unseren Reisen in den hohen Norden überblicken, ist das Wetter im Sommer immer feuchter und wolkiger geworden. Was Wunder, in dieser Zeit hat sich die Temperatur in der Arktis um etwa 3°C erhöht (wie auch auf der Antarktischen Halbinsel) und demzufolge hat es mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, also mehr Wolken und Regen und Sturm. Früher gab es i.d.R. ein stabiles Sommerhoch über Grönland, heute nicht mehr, weil sich der Jetstream verschoben hat. Klimawandel halt!

 

Text & Fotos:  © Achim Kostrzewa (25.11.2022, fertig mit 80 eigenen Fotos) Nachdruck und Zitate nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors, widerrechtliche Nutzung wird verfolgt.

Disclaimer: wir stehen in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Quark und haben die Reise selbst bezahlt, wie alle Antarktisreisen der letzten 13 Jahre und alle Arktisreisen seit 2019.