Ein Leslie für meinen Hammond SK-1/73 Clone – im Selbstbau

Zum 60. schenkte meine Frau mir eine echte Hammond Orgel. Ich war selig. Endlich wieder selbst Musik machen nach über 40 Jahren. Aber auch anstrengend den inneren Schweinehund zu überwinden und zu üben. Und üben tat und tut Not… Wenn man dann trotz der vollmundigen Versprechungen der Hersteller eben doch nicht den gewünschten Hard Rock Sound erreicht, kann die Lust am Spiel auch wieder abflauen.

Foto: Mein SK-1/73 Set up - die Orgel geht nun direkt ins Leslie, welches von einem Marshall Amp befeuert wird. So machts wieder Spaß!

 

Nach einiger Recherche, zahlreichen YouTubes und dem Lesen von viel Literatur war klar, wenn die Hersteller ihre Orgeln vorführen, kommt der Sound oft nicht aus den gezeigten Aktivmonitoren, sondern meist aus einem alten, einkanaligen Röhrenleslie, das mikrofoniert hinter der Bühne steht und dann erst auf die Aktivboxen geht. Jedenfalls wird in den meisten Videos die Verfolgung der Soundquelle bis zum Ausgabemedium verschleiert. Nur wenn mir der Hammondorganist beschreibt, wie er mit welchen Mitteln zu seinem Sound kommt, kann ich das nachvollziehen und auch evtl. nachmachen. Ein gutes Beispiel ist der Italiener Marco Balla in seinem vielen YT Videos oder auch der Amerikaner Jim Alfredson. Viele Hammond Rocker spielen entweder noch das Original: eine B3/C3/A100 oder benutzen Hammond oder Nord Orgeln via Leslie Pre-amp Pedal in ein Leslie 147/145 ®. Dann erst klingt es richtig nach Rock Hammond.

 

      

  

5 Fotos: die obere Etage des Leslies: oben Horn, Motorrolle mit Riemen und Stabilisierungsfeder für die Riemenspannung. Bei diesem Leslietyp ist die Motoraufhängung fix, bei späteren Baureihen verschiebbar, da braucht es die Hilfsrolle mit der Feder nicht mehr. Wenn man nicht den Originalen Mittelhochtöner Jensen V21 (max. 40 Watt, wird nicht mehr gebaut) benutzen möchte, weil die bei höherer Belastung durch Rockmusik mit viel Overdrive gerne ausfallen, wird im europäischen Raum gerne der Adastra 952.210 Driver (UK) benutzt, der wiederum baugleich mit dem Monacor 516 ist. (16 Ohm und 50 Watt, 650-7000 Hz). Für diesen Lautsprechertyp braucht man dann eine Adapterplatte, die oben das Lager des Horns aufnimmt und unten eine 35mm (genauer= 1 3/8") Muffe aufweist, um den Driver da einzuschrauben. Damit die Höhe der Riemenscheibe des Horns mit der Motorrolle übereinstimmt, muß noch ein  Höheausgleich von hier 19mm aus Sperrholz eingepasst werden. Mein Metall-Adapter stammt aus einem ital. Leslieclone, den gibt es aber auch neu bei Musifix.nl. Wichtig sind überall die „Grommets“ einzubauen, das sind Gummidämpfer, die beim Horn und den Motoren zur Anwendung kommen. Das ganze wurde dann mit sechs 50 x 5 mm Maschinenschrauben und selbstsichernden Muttern an der oberen Schallwand verschraubt. Auch meine Frequenzweiche und die Schaltbox wurde gummigelagert, sicherheitshalber, damit nichts vibriert und mir den Sound versaut.

 

Was also tun? Eines bei Hammond Suzuki kaufen. Die haben ein angeblich schlecht gebautes (dünn furniertes Pressspan/MDF, andere Motoren, andere Lautsprecher, ich hab es noch nie gesehen) aber immerhin mit dem quasi originalen Röhrenverstärker ausgerüstetes 122XB für sage und schreibe 4.000 Euronen. Wenn man eine Hammond XK-3 mit Röhrenvorverstärker besitzt, könnte das passen. Ich hab aber "bloß" die SK-1/73, weil mir die zum Üben die meisten Möglichkeiten bot: nicht nur Orgel, sondern auch Klavier und diverse E-Pianos. Also, dachte ich, mach ich es wie die Profis, besorge mir ein altes, kompaktes Leslie 145 mit Pre-amp und lege los. Ja, Pustekuchen, diese Leslies sind dünn gesät und die zum Verkauf stehen mehr oder weniger Schrott, oder es werden Phantasiepreise verlangt. Dazu kommt, man muß hinfahren angucken, anhören und ausprobieren, denn die Angebote verteilen sich über ganz Deutschland und man muß auch selber abholen. Okay, selbst das große 251er Gehäuse passte noch in meinen Kombi. Viel häufiger und billiger werden Transistorleslies vom Typ 760/770 angeboten. Superkompakt ist das 330/860er. Die kommen fast immer von der Bühne und sind ramponiert und nur aufwändig auf Röhre umzubauen. Am  besten geht das noch beim sehr seltenen 330er. Von den Transistor Rotosonic Leslies (800er Nummern, Ausnahme 860=verkürztes 760) würde ich abraten, wegen der völlig anderen unteren Trommel.

 

  

Fotos: rechts etwas weiter unten kommt dann die neue Frequenzweiche, die aus Spulen und Kondensatoren besteht, die Filter für die hohen, bzw. niedrigen Frequenzen bilden und bei 800 Hz trennen: alles >800-7.000 Hz wandert zum Mittelhochtonhorn und alles unter 800 Hz in den 12 Zöller. Die Kondensatoren sind „ein wenig“ überdimensioniert (400 Volt Motorkondensatoren) aber kleinere mit den entsprechenden Mikrofarradwerten hab ich nicht bekommen. Mußte diese schon „stückeln“, um überhaupt die richtigen Werte zu erreichen. Auch bei den Spulen mußte ich mehrere zusammenschalten und etwas Draht abwickeln. Der untere Lautsprecher bekommt ebenfalls eine Adapterplatte aus Sperrholz, weil die Öffnung dort für einen 15“ ausgelegt ist. In die Rückwand wird eine 20mm Aussparung eingelassen für den 6,3mm Klinkenanschluß, der die Lautsprecher mit Saft vom Verstärker versorgt (Kabel = 2 x 1,5mm2).

 

Meine Wünsche waren klar definiert:

·        Originales Mittel-Hochton-Horn und Bassrotor mit Schnell-Stop-Langsam Schaltung

·        Flüsterleiser Leerlauf, ohne mechanische Geräusche und Brumm

·        Fußschalter und/oder Half-Moon-Schalter an der Orgel

·        Adäquate Lautsprecher 16 Ohm

·        Röhrenverstärker, evtl. mit Pre-amp

·        Sichere, EU-konforme Stromversorgung

·        Möglichst kompaktes Holz-Gehäuse, Wohnraum tauglich  

 

Die Recherchen im Netz ergaben einige YouTubes von Keith Appleton, einem Engländer, der ein Studio betreibt, eine gechoppte C3 benutzt und zwei "145er" Leslies dazu gebaut hat, die er über einen Marshall Stereo 100/100 Watt Röhrenverstärker mit 4 x EL34 Röhren betreibt. Basis dazu waren die originalen Leslie Teile wie Motoren, Riemen, Lautsprecher, Frequenzweichen, sowie eine selbstgebaute Motorsteuerung mittels Schwachstrom Relais. Das alles in einem professionell extra vom Schreiner gebautem Gehäuse in Originalmaßen; perfekt!

Des Weiteren im Musiker-Board eine ausgezeichnete Doku über den Selbstbau eines Leslies durch Jens. Perfektes Holzgehäuse mit echten Louvres, teilweise Original- aber auch Klon-Teilen (aus alten ital. Leslie Nachbauten) und einem selbstgebauten Röhrenvorverstärker plus Transistorendstufe. Auch hier eine selbstgebaute Motorsteuerung, die ich für mein Leslie weitgehend kopiert habe. Ebenso die Frequenzweiche habe ich dort und bei Keith teilweise abgekupfert.

Dann habe ich hier 50 km weiter von meinem Wohnort einen Elektroingenieur kennengelernt, der selbst Hammond spielt und auch repariert und über Teile verfügt. Der nannte mir einige Bezugsquellen und überließ mir ein echtes Lesliehorn alter, originaler Bauart aus einem Leslie 122/147. Von Jens habe ich die Basstrommel. Aus mehreren Motoren habe ich zwei gut und leise laufende Motorstacks mit Hilfe von Internet Publikationen und Anleitungen überholt und umgebaut. Riemen sind kein Problem, die kann man in Europa problemlos bestellen. Die Spannrolle für den Hornriemen habe ich z.B. aus Polen, Ersatzteile für die Motoren aus Berlin, vieles aus E-bay Kleinanzeigen. Bis ich alles zusammen hatte, hat es gut zwei Jahre gedauert.

 

 

Fotos: die mittlere Technik Etage enthält die beiden Lautsprecher und die Motoren für den Horn- und Trommelantrieb. Diese sind diffizile Teile ziemlich primitiver Technik: der größere ist der Schnellläufer, der das Horn bei etwa 400 U/min und den Bass bei 360 U/min rotieren läßt. Darauf aufgepfropft der Langsamläufer, der nur 10% der Geschwindigkeit erzeugt. Beide haben eine getrennte Stromversorgung, die bloß hin und her geschaltet wird. Bei Stopp bekommen sie keinen Saft. Der langsame Motor wird durch eine kleine Feder ausgekoppelt. Ohne Stromzufuhr drückt sie den Anker aus den Magneten etwa 8-10mm heraus, so daß die Welle nicht mehr an dem Gummitreibrad läuft. Der Druck auf die Welle ist diffizil einzustellen und erfordert etwas Feingefühl: zu stramm und die Welle trennt sich nicht von dieser Rolle und zu schlaff bedeutet vor allen bei der schwereren Trommel ein zu langsames Anlaufen. Der Gummi nutzt sich ab, daher muß hier regelmäßig kontrolliert werden. Auf ein Tröpfchen Öl tut hin und wieder gut. Die Gummirollen (O-Ringe) kann man austauschen. Bei der Basstrommel muß auch die Riemenspannung kontrolliert werden. Der untere Motor ist drehbar gelagert und kann verstellt werden. (Anleitungen zur Wartung finden sich bei Bryan Davenport http://www.davenportmusik.de/care.htm  und Bentonelectronics https://bentonelectronics.com/servicing-the-leslie-motors/#1). Ohne den Lock-down wegen Corona hätte ich vielleicht gleich die regelbaren Motoren vom Tastendoktor Harald Spieß http://tastendoktor.de/ eingebaut, aber was nicht ist kann ja noch kommen. Erstmal läuft alles. Damit keine stehenden Wellen im Gehäuse produziert werden, kommt von unten noch Dämmmaterial gegen die Platte mit dem Horn und seiner Technik. Erstmal versuche ich die klassischen Eierkartons und packe den Horntreiber in eine Dämmmatte ein. Akustisch ist die mittlere Etage sowieso schwierig: nicht richtig offen aber auch nicht richtig geschlossen wegen der Lüftungsöffnung für den unteren Motor und dem ominösen Dreiecksausschnitt in der unteren Schallwand… Beide Gehäuseteile wurden mit einem Streifen Sperrholz zusammengeschraubt. Verklebt wird das erst beim Lackieren...

 

 

Problematisch blieb bis zuletzt das Holz-Gehäuse mit folgenden Optionen:

 

·        Selber bauen aus 19mm Tischlerplatte

·        Fertiges Holz-Gehäuse kaufen

o   Bei B3guys 1.000 € plus Versand Übersee

o   Gebrauchtes Gehäuse groß - 122/147/251/770

o   Gebrauchtes Gehäuse klein – 145

o   Gebrauchtes Gehäuse klein – 120/125, da müssen noch Schallöffnungen für das Mittelhochtonhorn eingefräst werden und eine Ebene für das Horn wird eingezogen

Die häßlichen Tolex bezogenen 760/800/900er Kisten standen nie zur Diskussion.

145er gibt es so gut wie nie, weil das ist das beliebteste Holz-Leslie, weil kompakt und besser zu transportieren. Die 120/125er sind genauso groß, ihnen fehlen aber die oberen Schallöffnungen, weil sie nur unten einen 12“ Breitband (Gitarren) Lautsprecher haben. Da kann man zusätzliche Schlitze reinfräsen und oben ein Leslie Horn mit 2. Motor installieren. Dann braucht es noch eine Frequenzweiche die bei 800 Hz trennt und fertig ist die Laube. Jedenfalls fast.

Meine „Wahl“ viel dann auf ein großes 251er Gehäuse, was ich von einem Sommer-Herbst Urlaub in Schleswig-Holstein mitbringen konnte. Das 251er ist baugleich mit den 122er Typen, hat aber einen 2. Kanal für die Hall-Lautsprecher unterhalb der Horn-Etage. Das habe ich um 18,5cm gekürzt und die zusätzlichen Lautsprecheröffnungen von innen verschlossen: é voilá jetzt ist es mein 2.45er.

Das gebrauchte Gehäuse mußte ein wenig renoviert werden, weil besonders die Kanten der Rückseite ramponiert waren. Deckel und Boden wurden auch teilweise erneuert. Der Deckel wird gedübelt aber nicht geklebt, sondern aufgeschraubt, das erleichtert Wartungsarbeiten am Motor und Horn, die man sonst nur sehr fummelig/schwierig ausbauen kann. Sehr praktisch wäre die Konstruktion von Jens, wo beide, Trommel, wie auch Horn auf Schubladen ähnlichen Böden herausgezogen werden können. Das läßt sich bei einem fertigen, gedübelt und verklebten Originalgehäuse aber nachträglich nicht mehr machen. Alles ist jetzt fertig und muß nur noch mit einigen Leisten aufgepolstert, abgeschliffen, neu gebeizt und lackiert werden. Das mache ich aber erst im Frühjahr, da kann ich die Werkstatt besser lüften. Alles aus- und einbauen dauert jeweils eine Stunde, da hab ich jetzt viel Übung. Solange steht es etwas roh und scheckig in meinem Studio und macht schonmal was es soll: anständigen, fetten Sound.

 

 

  

Fotos: in der unteren Etage wohnt der Bassrotor. Er ist kleiner als das Original, welches früher aus Holz war und heute aus Styropor geschäumt ist. Es gibt Rotoren für 15“ und 12“ Lautsprecher. In mein 2.45er Gehäuse paßt nach wie vor ein 15“ Rotor hinein. Ich habe bloß bislang keinen vernünftigen finden können. Und jetzt nach den praktischen Tests mit der Orgel, die ich ohne Fußpedal spiele, scheint das auch nicht nötig. Links vom Rotor wäre Platz für den 147er Verstärker. Statt des gibt es dort die Box mit der EU-konformen 220Volt Stromversorgung und den beiden 12V-Relais für die Motorschaltung Schnell-Stop-Langsam. Das Gehäuse stammt aus einem alten PC und beherbergte einmal ein Netzteil. Ein kleines, angeflanschtes 12V Steckernetzteil liefert den Schaltstrom und versorgt auch die beiden Leuchtdioden über ein Stück Telefonkabel. Die Motoren sind mit fünf Adern 220V versorgt: je 2 x Phase und Nullleiter, sowie 1 x Erdung. Das Leslie wird derzeit am Keyboard geschaltet: benutze derzeit einen einpoligen Umschalter aus dem Autozubehör. Der Half-Moon-Schalter ist noch in Arbeit, ebenso die Box für die Umschaltung per Fuß.

Einige Fotos stammen noch aus der Bauphase und zeigen nicht den optimalen Endzustand. Zunächst hatte ich alles in das große Gehäuse eingebaut um es auszuprobieren: Motoren, Riemen, Lager mußten auf Funktion überprüft werden. Fotos vom fertig lackierten Gehäuse folgen nach Ostern. Das graue Kabel, welches in die mittlere Etage führt, gehört zu meiner Arbeitslampe!

 

Warum kein Neubau? Man kann die Louvres nicht schneiden, weil es dafür ein Europa kein Werkzeug gibt. Es gibt die Möglichkeit eine Kreissäge entsprechend umzubauen. Zur Herstellung des Fräs-Werkzeugs braucht man gute Kenntnisse im Metallbau und eine Dreh- und Fräsmaschine für Metall, denn das Teil muß 3.000 U/min. aushalten, ohne einem um die Ohren zu fliegen… Also keine Option für mich, ohne Finger kann man schließlich nicht spielen.

Man kann die Louvres auch gerade mit einer Oberfräse arbeiten, statt im 45° Winkel, aber dann sieht es nicht mehr original aus. Ob das wirklich Einfluß auf den Klang hat, glaube ich eher nicht. Die Leslies der Typen 760/8xx/9xx haben schließlich nur große Ausschnitte an dieser Stelle, die mit Lautsprecherstoff abgedeckt sind. Wie kompliziert das Selberbauen werden kann, kann man an dem Bericht von Jens gut verfolgen. Außer den Louvres muß man noch viel Bohren für diverse Einschlagmuttern und Fräsen für die Lautsprecher- und Motoröffnungen. Das fällt bei einem Gebrauchtgehäuse alles weg. Die Originalteile passen in die Öffnungen und Bohrlöcher immer rein, da alles normiert ist. Die Einschlagmuttern haben Zollmaße, lassen sich aber leicht gegen M5 austauschen, wenn man keine passenden Zollschrauben hat.

Das Gehäuse millimetergenau zu kürzen, zwei Lautsprecheradapter bauen und vor allem ein paar Holzrenovierungsbearbeitungen sind schon Arbeit genug.

 

Die Lautsprecher kann man im Original bei Ebay und beim Bass auch als Nachbau bekommen (Jensen C15K). Dieser hat aber im Frequenzgang deutliche Schwächen bei 200 und 400 Hz. Der Mittelhochtöner ist ein Druckkammer Typ ebenfalls von Jensen (V21, wird nicht mehr gebaut, Diaphragma als Ersatzteil aber noch lieferbar; in Amerika werden als Ersatz Atlas oder JBL Druckkammern eingebaut), der bei hoher Belastung durch Overdrive regelmäßig ausfällt. Daher also meine erste Wahl fürs Horn ein "europäischer" Adastra/Monacor, (der als Ersatz für den V21 empfohlen wird) mit 50 Watt und für die Trommel ein 12“ Celestion Vintage 60, der sich bis 1.000 Hz durch einen besonders geraden Frequenzgang auszeichnet. Zusammen mit der Eigenbau 800Hz Frequenzweiche bekomme ich einen sehr ausgewogenen Ton sowohl clean und auch im crunch Bereich.

 

Der Verstärker wäre original am besten ein 147er mit 6550er Röhren (oder auch KT88, 6V6, 6L6) in der Endstufe, das entspricht in etwa der Schaltung eines Fender Bassman aus den 1950er Jahren. Klar, daß die Firmen Hammond und auch Leslie sich bei Bauteilen auf dem heimischen, amerikanischen Markt bedienten. Dieser Fender typische Verstärker ist stark in Richtung clean unterwegs und verzerrt erst bei voller Lautstärke.

Als Ersatzteil kostet ein neu aufgebauter/revidierter 147er Amp etwa 1.000,- €. Dazu braucht man dann noch den Vorverstärker (mit eingebauter Stromversorgung) als Pre-amp Pedal für 300-600,- €. Das ist aber Transistortechnik. Will man einen edlen Vorverstärker (für seinen Clone) mit Röhren haben, schlägt das mit 900,- € zu Buche. Da liegt es nahe einen Gitarrenverstärker zu nutzen. Wenn man den Cleansound des Leslie Verstärkers vom Typ 147 kopieren will, kann man derzeit auf den kleinen Fender Super Champ X2 mit 15 Watt zurückgreifen. (Auf den 2.Kanal mit seinem Hybrid Modelling kann man ja verzichten). Kanal 1 hat die richtige Beschaltung mit den richtigen Röhren.

 

Ich habe mich für einen Marshall Amp entschieden, der eher in die sanfte Verzerrung geht, und auch schon bei geringerer Lautstärke einen warmen Overdrive erzeugt (s.u.).

 

Der originale, (symetrische122/asymetrische 147er) Leslieverstärker erfüllt aber in seinem Gehäuse noch andere Funktionen, nämlich die Motorsteuerung „schnell/langsam“, sowie deren Stromversorgung über den Verstärkertrafo. So läuft über das eine Verbindungskabel zur B3/C3 Orgel alles in einer Leitung: die Stromversorgung mit 117Volt oder (EU) 220Volt, das Musiksignal vom Vorverstärker der Orgel und der Schaltstrom für die Motoren, der ebenfalls die volle Stromstärke hat. Das Relais dazu steckt mit im Verstärkergehäuse. UND es gibt KEINE ERDUNG in diesem ziemlich primitiven amerikanischen System. Man kann also am Half-Moon-Switch beim 147/145er und 251er die volle Stromstärke abkriegen, wenn man Pech hat. Und wie oft schaltet man da um, um diesen wundervollen Anlauf- und Bremseffekt des Leslies zu nutzen! Das ist nicht nur gefährlich, bei uns in der EU auch strikt verboten. Bei der Kombination B3/C3 und symetrischem122er Leslie beträgt der Schaltstrom nur 30-60Volt (Herrn Dr.H.Spieß, danke für die Info). Klassische Hammond Orgeln dürften sicherheitstechnisch so auf keiner europäischen Bühne mehr stehen. Man kann sie aber umrüsten: die Orgel und das Leslie jeweils mit geerdetem Kaltgeräteanschluß versehen. Ins Leslie eine Schwachstromrelaisschaltung einbauen und ein Kabel zwischen Orgel und Leslie schalten, das nur noch Ton und den schwachen Schaltstrom überträgt. Da gibt es ganze Bausätze dafür. Die „alte“ Technik führt auch zu Störungen wie Brumm und wenn die Kondensatoren am 117Volt Relais im Laufe der Zeit schwächeln zu Schaltgeräuschen über die Lautsprecher.

 

   

Leslie Pre-amp Pedal für 145/147er: 6-poliges Lesliekabel zur Box und ein/zwei Line Eingänge für Hammond (bei zusätzlichem Line-out) oder Clone Orgeln, auch andere Instrumente wie Gitarren lassen sich anschließen. Der Transistor Pre-amp verstärkt die Line Signale auf ausreichende Voltzahlen für die Leslie-Endstufe. Ausreichend Platz am 122/147er Verstärker für den EU-konformen Umbau: Kaltgerätedose für 220Volt und Neutrik-Stecker für die Ton- und Schaltleitungen. Quelle: internet

 

Ich habe daher die Schaltung von Jens adaptiert und zusätzlich für eine Trennung von Ton (alle Kabel und Technik liegen rechts in der Box) und Strom gesorgt. (Relaisschaltung für die Motorsteuerung mit 12Volt, 220Volt Kaltgeräte Anschluß mit Sicherung, Schalter mit Betriebsleuchte, links in einem abgesicherten, geerdeten Gehäuse. Auch die Motoren wurden dort über eine zusätzliche Leitung geerdet.) Man hört kaum Laufgeräusche, alle Lager laufen gut und sind frisch geölt. Bei hoher Umdrehung (360-400 U/min.) hört und spürt man Windgeräusche vom Horn und etwas Laufgeräusche von der Trommel. Sonst nix. Das ist aber normal. Schon beim leisen Spiel hört man nix mehr von der Mechanik: so soll es sein.

 

 

 

Fotos: Gesamtansicht vor der Lackierung. Anschlüsse wie im Text beschrieben. Oben und unten bekommen die Öffnungen noch eine Abdeckung: oben plane ich Streckmaterial aus Messing und unten eine gefräste Platte aus Sperrholz einzubauen. Jetzt geht mir Corona bedingt das Material aus. Die aktuelle Abdeckung unten wurde nur Probe halber aus den rausgeschnittenen Stück Rückwand erstellt. Diese weist mir aber zu viele Katsche auf, also werde ich die gesamte Rückwand neu in 19mm Tischlerplatte herstellen, sobald das wieder möglich ist.

 

 

 

Der einkanalige Verstärker besteht aus Vor- (die 3 kleinen Röhren) und Endstufe (die beiden großen EL34) und verfügt noch über eine Send-Return-Funktion und einen Booster, die beide per Fußschalter von der Orgel aus bedient werden können. Ein DI-Ausgang ist vorhanden. Quelle: Marshall

 

Mein 2.45er hat demnach drei Anschlüsse:

·        Rechts den Lautsprecher Eingang 16 Ohm über Mono-Klinke, dahinter liegt gleich die Frequenzweiche und die kurzen Kabel zu den beiden Lautsprechern

·        Links Stereo-Klinke für die 12 Volt Relaissteuerung Schnell-Stop-Langsam für Pedal und/oder Half-Moon-Schalter

·        Links EU-Kaltgeräteanschluß

o   Links oben gibt es noch zwei Leuchtdioden: rot=schnell und grün= langsam, bei Stop leuchtet nichts

Die Orgel* geht direkt in den einkanaligen Marshall Origin 50 H Verstärker, dessen 16 Ohm Ausgang in die Leslie Box. Jetzt grummelt, schmatzt und röhrt es aus der Orgel, daß es eine wahre Freude ist, in die Tasten zu greifen. Dabei läuft der Verstärker nur in seiner 5 Watt Position. Die beiden EL 34 Röhren in der Endstufe bekommen ihren Strom über drei Trafo Stellungen und leisten dann entsprechend 5/10/50 Watt. Marshall nennt diese Technik „Powerstem“ im Gegensatz zu „Powersoak“, wo die zunächst geleisteten Watt in Leistungswiderständen wieder vernichtet (=verheizt) werden. Sie erst gar nicht zu erzeugen, scheint mir wesentlich nachhaltiger.

Die Kosten halten sich erfreulicherweise sehr in Grenzen: das Leslie samt aller Teile hat knapp 500,- € gekostet. Den Marshall Amp habe ich auch preiswert geschossen: ein Vorführmodell mit voller Garantie. Das Bauen hat mir viel Spaß gemacht, habe auch viel dabei gelernt, wie z.B. Leslie Motoren auseinander und wieder zusammenzubauen, zu warten und einzustellen. Vielleicht baue ich noch zwei Reed Kontakte an der Trommel ein, die pro Umdrehung einen Impuls an die Leuchtdioden geben. Aber erstmal ist jetzt wieder Spielen angesagt.

Hinweis: jetzt ist auch UK kein gutes Lieferland mehr, alles muß durch den Zoll wie bei US Bestellungen und das dauert...

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*Genauer gesagt: Das HAMMOND SK-1/73 Stage Keyboard stellt am 8-poligen Orgelausgang "on board" einen Equalizer, diverse weitere Ton beeinflussende "Bodentreter" wie Overdrive (bis zur Stellung 12Uhr über den Marshall und Leslie viel besser als über die Studio Monitore), Phaser, Flanger, Ring Modulator, Delay, Hall, uvm. bereit, sodaß man damit erstmal auskommt. Dieses pure Orgelsignal nehme ich über einen 5-poligen 180° Diodenstecker ab, der so beschaltet ist (1=Signal, 2=Masse, schaltet die Sim ab, 5=Masse, 2+5 werden im Stecker gebrückt), daß er die interne Lesliesimulation der SK-1 abschaltet. Das Signal geht dann direkt in den Amp. Die anderen Instrumente wie Pianos, E-Pianos, Clavinett, Strings und einige Synths bleiben auf den Mono L/R Klinkenausgängen und gehen direkt durchs Mischpult in die Studio Monitore. Auch hier klingen die Overdrive Sounds z.B. beim Rhodes und Wurli mit den emulierten Röhren genau wie bei der Orgel grauenvoll kratzig und sind mehr oder weniger unbrauchbar.

 

Text & Fotos: © Achim Kostrzewa (15-17.1.21)