Gerührte Luft - Leslie für das Heimstudio   

Was macht der Hobby-Rock-Musiker, was braucht er?

Eine digitale Hammond SK oder XK, einen anderen Clone wie von NORD oder die auf HX-3 Technologie beruhenden Orgeln von Uhl und Mag Custom. Letztere (P-2) brilliert mit einem genauen Nachbau des originalen B-3 Spieltisches mit Rocker Switches und einem großen Drehrad für Chorus & Vibrato. Da gibt es schöne Instrumente, sowohl als reine Orgeln wie auch Stage Keyboards mit Orgel, Piano und weiteren Sounds. Und noch vieles Andere zwischen einer Crumar Mojo und Vox Continnental

Für welche Musik?

Gospel & Jazz klingen schon über die Studiomonitore ganz gut. Das geht auch mit der internen Leslie Sim. Die angeblich beste Simulation sei der NEO Ventilator, sagt man. Der ORGEL-Weg über Studiomonitore ist quasi die HIFI Ausgabe direkt aus dem Instrument. Das ist so, als wenn man eine E-Gitarre ohne Amp direkt in den Mixer spielte. Das macht keinen oder zumindest wenig Sinn!

Einige Hersteller haben den Markt für kleine, kompakte Bühnenleslies (wie Leslie 860 und noch kleiner) erkannt und liefern verschiedene Versionen oder sind dabei solche zu bauen: das schon "klassische" Hammond Leslie 3300, Hammond USA mit dem kleinen Leslie Studio 12 (nicht für die EU), MAG Custom Organs (=Maggie, kleines 300 Watt Transistorleslie), das Tornado-Mini Leslie, (passiv mit ext. Röhrenamp oder integriertem Transistoramp) aus Italien usw. In Deutschland baut der „Tastendoktor“ handgefertigte Mini-Leslies auf Bestellung, sowohl passiv, als auch mit Röhrenvorverstärker und Transistorendstufe. Hammond-Suzuki baut weiterhin ein 122 XB mit Röhrenverstärker, aber anderen Lautsprechern und geregelten Gleichstrommotoren. Zwischen 2.000-4.000,- € gibt es also ein breites Angebot. D.h. das Leslie kommt genauso teuer wie die Orgel.

 

  

Rotor-Horn meines Leslies: alles original Teile in einem gekürzten 251er Originalgehäuse. Links: gespeist von einer SK-1/73.  Fotos © Achim Kostrzewa 2020

 

Im Rock, Prog-Rock oder Blues-Rock, da streikt die Clonewheel Orgel ganz schnell beim Overdrive und dem aggressiven Sound allgemein, wenn sie nur an den Mixer angeschlossen wird und keine eigene Bühnenverstärkung hat.

M.E. gehört hier viel mehr Augenmerk auf die Verstärker-Lautsprecher-Kette, denn da kommt 50% des Sounds her.

Die teure (beste) Lösung wäre: Leslie 147 oder 145 mit "Pre-amp Pedal Typ I" direkt an den Orgelausgang anschließen. Selten gibt es ein Pre-amp Pedal für 122er Leslies. Der Leslie Pre-amp bringt das Line Signal der Clone-Orgel auf genügend Power für die Leslie Endstufe, versorgt das Leslie mit 220 Volt Strom und schaltet die Motoren schnell und langsam. Für gut erhaltene Studio oder Wohnzimmer Geräte muß man zusammen 2.000,- € rechnen. Diese Lösung benutzen viele Profi Hammond Organisten.

Die preiswertere Lösung wäre die meine: Schicken wir also das Clone-Orgel Signal in einen Röhrenbooster (wie den BK Butler Tube Driver oder zur Not auch ein Gitarreneffektgerät, wie den "Ibanez Tube Screamer", der auf einer Dioden-Clipping Schaltung beruht) und von dort einen kleinen Marshall oder K&H Tubemeister Vollröhren Head, der einen selbst umgebauten, passiven Leslie befeuert. So bekommt man bei Übungslautstärke schon den richtigen Sound.

Wenn man gut löten kann, gibt es einen Marshall Clone (mit „richtiger„ EL-34 Endstufen Röhre) zum Selbstbau bei Tube Town, als Vorverstärker den "Tomato Booster" (mit richtiger 12AU7 Vorverstärker Röhre) ebenda. Oder man kauft einen gebrauchten Gitarrenverstärker auf Vollröhrenbasis, z.B. einen H&K Tubemeister 18 (die 18 Watt reichen alle mal für zu Hause, der Verstärker läßt sich sogar auf 5 Watt drosseln). Damit kann man eine passive Lesliebox befeuern. Bei meinem Marshall komme ich mit der 5-Watt Stufe voll aus.

Man kaufe ein gebrauchtes Transistorleslie (Leslie Holzgehäuse 770) mit defektem Verstärker zum Umbauen oder auch ein Leslie 125 mit 12 Zoll Lautsprecher und funktionierendem 20 Watt Röhrenverstärker (Achtung 8 Ohm Ausgang), dem verpaßt man dann noch oben eine Hornetage und hat quasi einen Leslie 145. (Da muß man aber für das Horn oben noch die Schlitze reinfräsen!) Das gleiche kann man mit einem passiven Leslie 120 machen. Das ist baugleich nur ohne den Verstärker. Man nehme aber ein altes Original, weil die haben die richtigen Motoren und beide Schallumleiter (Horn wie Bass) laufen gegeneinander. Praktischerweise passen dann schon alle vorgebohrten Löcher und sind schon mit Einschlagmuttern (im Zollmaß, kann man gegen M5 tauschen) versehen. Wichtig ist auch die richtige Übergangsfrequenz bei 800 Hz. (Aber Achtung, die Transitorleslies haben verschiedene Lautsprechertypen verbaut (teilw. 4/8/16 Ohm) da braucht man eine angepaßte Frequenzweiche, das ist aber auch keine Hexerei. Und wer gut schreinern kann, baut halt selbst mit alten Originalteilen aus dem Internet sein eigenes kompaktes Leslie. Da liegen die Maße bei minimalen 53 x 50 x 80 cm ohne Verstärkereinbau. Wie das geht? Nachschauen bei John Appletons YT. Für die ganze Verstärker- und Lesliebox Kette muß man keine 1.000 Euronen auslegen. Und hat den handwerklichen Spaß, so man das kann.

 

  

Links: mein verkürztes Leslie 251, alles drin, nur die Verkabelung muß noch fertig werden. Links unten die Schaltbox mit den 12 V Relais für "langsam-stop-schnell" (wird mit der Orgel via Half-Moon-Switch oder Bodenschalter über Stereo-Klinke verbunden) und die EU-konforme Kaltgeräte Buchse, Sicherung und Schalter.  Die schreinermäßig ausgetauschten/weggefrästen demolierten Holzteile müssen noch eingesetzt (Leisten rechts und links), sowie gebeizt und lackiert werden. Technisch ist sonst alles fertig und funktioniert.         Rechts - Foto aus: Hammond*forever - Leslie 122 (in einem 251er Gehäuse) bei Tonaufnahmen im Slow Modus.

 

Do it yourself: Nachdem das bei mir mit einem 125er Leslie nicht geklappt hatte (war weg, bevor ich zuschlagen konnte), fand ich eine ganz passables 251 Gehäuse von einem Zweikanal Leslie. Die Lautsprecheröffnungen für den Hallkanal wurden verschlossen, Boden und Deckel erneuert, die abgestoßenen Kanten hinten abgehobelt und mit einer Hartholzleiste wieder auf die ursprünglichen Maße aufgepolstert. Dann aus dem Mittelteil ein ca. 20cm breiter Streifen rausgesägt und wieder zusamengedübelt. Alles neu geschliffen und wird noch dunkel Mahagoni lackiert. So ist die Box ohne Rollen jetzt nur noch 84 cm hoch.

Über zwei Jahre hinweg habe ich im Internet nach Originalteilen gesucht: Motoren, Riemen, Hochtonrotor & Bassrotor. Am schwierigsten war der originale Hochtonrotor, das Horn. (Clonehörner laufen wegen der größeren Riemenräder zu langsam für die Originalmotoren). Dann die Motoren überholt, teilweise mit neuen Einstell-Schrauben versehen, die Federn in den Langsamläufern ausgetauscht, ebenso die O-Ringe, eine 12 V Relaissteuerung dafür gebaut (im Original liegen 117 bzw. 220 Volt am Half Moon Schalter, das geht gar nicht) und eine EU konforme Stromeinspeisung mit Sicherung und Kaltgeräteanschluß eingebaut. Den Bassbereich befeuert ein Celestion G12 (60 Watt, 16 Ohm) und den Mittelhochton ein Monacor 516 Treiber (50 Watt, 16 Ohm) statt des superempfindlichen Jensen V21. Der fliegt einem bei ständiger Overdrive Belastung schnell um die Ohren. Die passende Frequenzweiche gäbe es im Leslie Ersatzteilhandel für viel Geld oder für die Bauteilekosten von gut 27,- € beim gut sortierten Elektronikversender. Also hab ich selbst gelötet, funktioniert prima. Da ich kein Basspedal spiele, brauche ich die ganz tiefen Töne nicht so sehr. Sollte mich das aber später mal stören, kann man die tiefen Frequenzen durch einen Subwoofer erzeugen. Ein passendes Modell wäre z.B. der Behringer B1200D: Orgel durchschleifen und in den Röhrenamp schicken. High cut bei 120 Hz, dann kommt alles zwischen 45 – 120 Hz aus dem Subwoofer mit bis zu 200 Watt, der Rest geht ins Leslie und da bis 800 Hz in den Bass und ab 800 – 7000 Hz in den Mittelhochtöner. Höhere Frequenzen bringt die Orgel nicht. Also alles prima. Ein Yamaha Subwoofer hängt ja auch an meinem HS-8 Monitor Set-up, wegen der tiefen Synth Töne.

 

Meine Spielwiese ist bereit: verkürztes Leslie 251, ich werde es jetzt "2.45" nennen, ist ja passiv. Statt eines sauteuren, revidierten 122 o. 147 Röhrenamp plus Leslie Pre-amp, wird mein "2.45" von einem 50 Watt Marshall befeuert, der pünktlich am Sylvester morgens eintraf. Jetzt grummelt, schmatzt und röhrt es, daß es eine wahre Freude ist in die Tasten zu greifen. Die SK-1 Orgel stellt am 8-poligen Orgelausgang "on board" einen Equalizer, diverse weitere Ton beeinflussende "Bodentreter" wie Overdrive (über den Marshall und Leslie viel besser als über die Studio Monitore), Phaser, Flanger, Ring Modulator, Delay, Hall, uvm. bereit, sodaß man damit erstmal auskommt. Dieses pure Orgelsignal nehme ich über einen 5-poligen 180° Diodenstecker ab, der so beschaltet ist (1=Signal, 2=Masse, schaltet die Sim ab, 5=Masse, 2+5 werden im Stecker gebrückt), daß er die interne Lesliesimulation abschaltet. Das Signal geht dann direkt in den Amp. Jetzt steht nur noch die Lackierung aus, die habe ich aufs Frühjahr verschoben, wegen der Geruchsbelästigung.... Bass kommt übrigens satt genug!

 

Weitere Bilder vom Umbau werden folgen

Text & Fotos © Achim Kostrzewa 31/12/2020