Reisenotizen aus Westaustralien (W.A., Sept. 2010)

 

© Achim Kostrzewa   (weitere Fotos und Texte werden noch folgen, Stand 4.1.11)

 

Reiseroute: Frankfurt – Perth – Westküste (Coral Coast) nach Norden hoch bis zur Shark Bay – wieder zurück über Perth die Küste entlang bis in die Südwestspitze – Südküste weiter bis Albany (South West) und Esperance (Golden Outback) – weiter nach Osten bis zur Nullarbor Plain – nach Norden zum Wave Rock (Hyden) – Perth.  6.500 Autokilometer in 4,5 Wochen.

 

Wache um 2:20 auf, zähneklappernd, eisekalt in meinem Camperbett. Ein Blick auf das Außenthermometer zeigt auch warum – es sind nur noch 5° Außentemperatur und innen gefühlte 8° C. Sonst würde ich nicht so frieren in meinem langen Schlafanzug und der dicken Zudecke. Also schnell meine Notfall-Ausrüstung aus dem Schrank gekramt, 4mm dicker Fleece als Hose und Pulli. Die ziehe ich in der Antarktis immer extra drunter an (über die lange Seidenunterwäsche), was da wärmt, reicht auch hier am Rande der großen Australischen Wüste…

(Da lernt man auch gleich, was Tageszeitenklima wirklich bedeutet: tags schwitzen und nachts frieren, bei einer Temperaturdifferenz von 20 und mehr Grad).

 

Der Camper, ein Euro-Tourer von Apollo, ist das gleiche Modell wie im Dez. in TAS. Ein nicht isolierter Scheibenbus von VW, ein 3,5 t Crafter ®. Diesmal aber nicht so proper wie in Hobart, sondern schon ziemlich abgewohnt und schlecht gepflegt in seinem dritten Jahr. So angegammelt sah auch die ganze Station in Perth aus. Der Wagen ist simpel eingerichtet, aber mit Toilette und Dusche, keine richtige Heizung und nur ein 12 V Kühlschrank ohne Solarpanel. Aber relativ preiswert und verbrauchsarm mit 10,5 Litern Diesel auf 100 km. Bequem hab ich es zu Hause, hier wird schließlich Abenteuer-Expeditions-Foto-Hobby-Urlaub gemacht.

 

 

Foto: Camping an der wilden Küste in Shark Bay (Eagle Bluff Wilderness Camp, tel. Anmeldung in Denham erforderlich, kostenfrei, aber kein Wasser, keine Toilette).  © Achim Kostrzewa   Technik: D700, 100ASA, AF 28-85.

 

Die „Pinnacles“ im Nambung Nationalpark – ein Highlight zu Beginn

Um 5:00 Uhr klingelt der Wecker. Im Auto herrschen „arktische“ Temperaturen. Aber dagegen gibt es ein einfaches Mittel: Motor an und gleich losfahren, noch im Schlafzeugs mit dicker Patagonia ® Polar-Fleecejacke drüber. Nach 6-7 km fängt die Heizung schon an zu wärmen, Gebläse voll auf und nach 20 km ist es mollig warm im Auto. Hier vom Campingplatz in Cervantes (ca. 250 km nördlich von Perth, WA) kommt man noch am besten in den Nambung NP mit seinen „Pinnacles“. Das erste Ziel meiner Liste hier in WA. Bett wegräumen, Fotogeräte auspacken, alles wurde am Vorabend vorbereitet. Um 5:50 stehen wir gestiefelt und gespornt mit Stativ zwei vormontierten Kameras mit 18-35 und 28-85mm, einem 14ner SWW und einem 105er Makro sowie diversem Kleinkram auf dem NP Parkplatz. Im Rucksack steckt zur Sicherheit auch noch das 80-200mm. Nur das 300er mit seinem 1,4 fach Konverter bleibt im Wagen. Die Sonne soll heute um 6:41 aufgehen. Reichlich Zeit einen guten Platz für das erste Streiflicht zu suchen. Die Steinsäulen finden sich über 2-3 Quadratkilometer verteilt. Ich suche mir die eindrucksvollsten aus und warte auf das Licht. Man stapft durch festen Sand und hält vergeblich nach Australiens Giftschlangen Ausschau…

Dreimal mache ich das abends und morgens, jedes Mal sieht die Szenerie anders aus: mit Wolken, ohne, mit wechselndem Sonnenlicht mal härter mal weicher. Richtig ärgern tun mich nur die vielen Fußstapfen der Touris, um die man nicht immer herum fotografieren kann. Bringe demnächst auch noch einen Reisigbesen mit! Netto hat man weniger als eine Stunde gutes Licht. Man muß also gut planen, was, wann, wie wo und womit. Auf alle Fälle gibt es anschließend Frühstück mit viel heißem italienischen Filterkaffee.

Die Tageslichtzeit ist kostbar! Zwischen 25° und 35° Süd liegt unsere Route, das bedeutet im September etwas weniger als 12 h Sonnenlicht. Und bei Dunkelheit sollte man wegen der Känguruhs tunlichst nicht fahren, denn auch die australische Vollkasko deckt „nächtliche Unfälle ohne weitere Fahrzeugbeteiligung“ nicht ab. Esel, Kamele, Rindviecher, Känguruhs oder Emus werden so zum teuren Privatvergnügen. Der geneigte Leser wird meinen Esel, Kamele und Rindviecher gäbe es auch auf deutschen Straßen genug, recht hat er. Ich treffe auch jeden Tag welche, die sind aber zwangsversichert!

 

 

 

Foto: Entstehung der Pinnacles - Sie bildeten sich aus Meeressedimenten, die während der Eiszeit als Dünen ins Land verblasen wurden. Diese wurden von Bäumen und Büschen bewachsen, die durch ihr Wurzelsystem den kalkigen Boden im Bereich der Wurzelballen veränderten und dabei offensichtlich auch härter machten. Die folgende (Wind-)Erosion legte dann diese härteren Wurzelballen frei – die Pinnacles waren entstanden und sind immer noch als kleine Inselberge im Entstehen begriffen. 

©Achim Kostrzewa   Technik: (oben) - D300, 200ASA, AF 28-85 @ 28mm. Unten (l) - D700, AF-D 14mm; (r) AF-D 18-35 @ 21mm, Stativ etc.

 

 

Die Stromatolithen von Shark Bay

Weiter nach Norden geht es über den Great Northern Hwy Richtung Shark Bay. Nach den Stromatolithen steht mir der Sinn. Zum ersten Mal habe ich  davon in der Botanik Grundvorlesung gehört: diese Luftverpester – Blaualgen machten vor 3,5 Mrd. Jahren die ganze Uratmosphäre kaputt mit ihrer Sauerstoffproduktion. Sie erzeugten das für die anderen Lebewesen hoch giftige und reaktionsfreudige Gas qua Photosynthese. Etwa eine Mrd. Jahre dauerte das an und all der Sauerstoff verschwand in der Geochemie. Die Erde verrostete und alle oxidierbaren Materialien wurde oxidiert. Nachdem dieser Bedarf abgesättigt war und auch die Meere kein O2 mehr aufnehmen konnten, war die Atmosphäre dran abgesättigt zu werden. Dieser für viele simple Lebensformen katastrophale Prozess führte zu einer völlig neuen Lebensgrundlage – unserer heutigen Stickstoff-Sauerstoffatmosphäre.

 

Und diese Übeltäter gibt es heute noch als lebende Fossilien an wenigen Stellen auf unserem Planeten zu bestaunen. Die flache Lagune von Hamlin Pool am südlichen Rand der Shark Bay ist sicherlich der bekannteste davon. Die Stromatholithen sind völlig unspektakuläre knollige Gebilde von 50-100cm Breite und etwa eben solcher Höhe im Gezeitenbereich von ruhigen Salzwasserbuchten. Sie werden von immer neuen Schichten zusammenklebender Blaualgen gebildet, bis diese wieder vom Sand und Detritus zugedeckt werden und darüber wieder eine neue Schicht bilden. So geht das immer weiter bis der Wasserstand sich ändert, oder die Salinität, die Temperatur oder was auch immer eine solche „Kolonie“ zum Absterben bringt. Wenn man einen solchen Klumpen querschneidet und anschleift, kann man mit dem Aufsichtmikroskop die Schichtstruktur leicht erkennen. Es sind allerdings keine „Jahresringe“ oder ähnliches. Eine Zeitachse lässt sich dem meines Wissens nicht zuordnen.

 

 

Foto: 3,5 Mrd. Jahre chemische und biologische Evolution quasi life zu erleben, geht nur noch hier! Habe das Blau aus dem Bild weitgehend rausgefiltert. Blau ist unser Himmel erst, seitdem der Sauerstoff sich in der Atmosphäre angereichert hat, Dank dieser Blaualgenknollen im Flachwasser warmer Meere.  ©Achim Kostrzewa   Technik: D700, 200ASA, AF-D 2,8/14mm.

 

Seit Beginn meines Studiums, als ich zum ersten Mal von der Existenz dieser lebenden „Steinknollen“ erfuhr, schwärmte ich davon diese einmal zu sehen. Aber mit 20 hätte ich mir nie träumen lassen, mit 39 meinen Fuß in die Antarktis zu setzen oder mit nun über 50 einmal selbst hier in WA vor diesen lebenden Fossilien stehen zu dürfen und 3,5 Mrd. Jahre chemische und biologische Evolution quasi life zu erleben.

 

Dugongs in Monkey Mia

Wie, keine Delphine, werden Sie vielleicht jetzt fragen? Also diese Delphine fand ich persönlich eher peinlich! Wenn man das Buch der Amerikanerin Rachel Smolker – „Das Lied der wilden Delphine“ (Ullstein TB, 2002) liest, und die Forschung dazu etwas kennt, bekommen die Touris kein gutes Bild davon geboten, denn da stehen morgens um 7:30 200 Leute in Badelatschen am Strand und glotzen auf 4 träge Delphine, die doch nur auf ihre Fische warten. Wenn die Erläuterung dann endlich vorbei ist – die Hälfte der Leute verstehen wahrscheinlich sprachlich schon nichts – dann dürfen 3 davon jeweils einem Delphin einen Fisch reichen, der nimmt ihn vorsichtig entgegen und zieht von dannen, das war Monkey Mia…Also besser vorher das Buch lesen!

 

Toll dagegen ist die Mittagstour mit der „Shotover“, einem pensioniertem Regatta-Katamaran in tipptoppen Zustand. Raussegeln zu den Seekühen, den Sirenen des Odysseus und sie beim Weiden auf den Seegrasfeldern im flachen Wasser sicher 2 h zu beobachten. Am nächsten Tag dürfen wir denn noch auf der Abendtour in den Sonnenuntergang segeln. Diesmal unter den strengen Augen von Skipper Yasmin, die das Ruder der „Shotover“ fest im Griff hat.

 

Kalbarri NP

Der Kalbarri erstreckt sich vom Inland bis ans Meer. Der Ort selber ist vom NP ausgespart. Die Küsten bieten atemberaubende Ausblicke, Gesteinsformationen und einen durchgängigen Wanderpfad. Im Inland führt eine 27km lange, schlecht gepflegte Schotterstraße ins Tal des Murchinson Rivers, sowie eine 4km lange Asphaltstraße zum Ross Graham und Hawk Head Lookout. Letzteren sollte man unbedingt bei Sonnenaufgang ansehen.

Stehe abends unterhalb des Red Bluff (roter Sandstein) und fotografiere den Sternenhimmel. Das älteste Licht sollte 13,5 Mrd. Jahre alt sein. Meine Kamera konzentriert sich auf das Zentrum der Milchstraße, die man hier wieder einmal in wunderbarer Klarheit sieht. Am Kalbarri NP sollte man keinesfalls vorbeifahren!

 

 

Foto: Red Bluff, Brandungslinie im Sandstein.  ©Achim Kostrzewa   Technik: D700, AF-D 18-35 @ 21mm, Stativ etc. 

 

 

 

Foto: Beim Umherstreifen in der Mulga treffe ich auf zwei Vertreter der Reptilien: links - den Dornteufel

und rechts - den Tannenzapfenskink, hier mit seiner typischen Drohhaltung.  © Achim Kostrzewa   Technik: D300, AF 28-85.

 

 

 

 

Foto: Sirius, der hellste Stern am Südhimmel. Unten"nahezu Neumond" und die Milchstraße am Cliff Head, Coral Coast, Westaustralien, Beekeeper Nature Reserve. Nirgendwo habe ich  den Himmel je schöner gesehen,  als hier auf der Südhalbkugel. Da lohnt auch mal Aufstehen in der Nacht.

Richtiger Neumond wäre besser gewesen, aber z.B. während Halb- oder Vollmond sind solche Aufnahmen gar nicht möglich, alles wird überstrahlt. Da muß man dann warten, bis der Mond untergegangen ist oder auf die nächste Neumondphase. 

© Achim Kostrzewa    Technik: D700, 6400ASA, AF-D 14mm, Stativ, Langzeitbelichtung

 

 

Ist die Coral Coast (n. von Perth) noch dünn besiedelt, ändert sich das nach Süden in den Regionen Perth und South West deutlich, hier ist die Ferienregion von W.A. Überall die respektablen Wochenendvillen von offensichtlich gut betuchten Leuten bis Augusta/Cape Leeuwin und weiter nach Albany.

Zwischen Mandurah und Bunburry verläuft der HYW 1 hinter der Sekundärdüne, hier gibt es immer wieder Abzweigungen zum Meer mit großen Campingplätzen. Interessant sind die Thrombolithen im Yalgorup NP/Lake Cliffton. Thrombolithen sind „Lebende Steine“: Mikroorganismen bilden um einen Kern aus Muschelkalk herum ein knollenförmiges Wachstum im Flachwasser durch Photosynthese und scheiden dabei Kalziumkarbonat aus, ähnlich wie Korallenstöcke. Ihr evolutives Alter wird auf 650 Mio. Jahre geschätzt. Also viel jünger als die für die Evolution wesentlich bedeutenderen und viel älteren Stromatholithen (s.o.).

Zwischen Cape Naturaliste und Cape Leeuwin erstreckt sich der Leeuwin Naturaliste NP mit dem Zentrum Margaret River. Hier ist im Sommer sicherlich sehr viel los, aber wir sind ja noch „off season“ und haben die „Day use areas“ abseits der „Caves Road  250“ meist ganz für uns. Dramatische Wolkenstimmungen mit stürmischen Regenschauern am Smith Beach (Canal Rocks), lassen mich hier fotografisch verweilen.

 

 

 

Foto: Schlechtwetterfront im Leeuwin Naturaliste NP  Da hängen natürlich auch schon Regenschauer unter den Wolken und regnen auf die hier üppige Küsten-Mulga. Minuten später war ich  nass.  © Achim Kostrzewa   Technik: D700, 100ASA, AF-D 18-35 @ 21mm, Bl.18, 1/8sec., Polfilter, Stativ etc.

 

 

 

Der große Australische Wald

doch den gibt es noch! Heute in der Region South West, grob gesagt zwischen westlich von Pemberton (Holzindustrie) bis Denmark entlang des Hwy 10. Früher sogar zwischen Perth und Albany. Hier regnet es in der „Wet Season“ (Winter) genug, um Wald wachsen zu lassen: Bis zu 90 Meter hohe Eukalypten (E. diversicolor) sind das Resultat. Hier gibt es viele neu ausgewiesenen Parks.  Speziell im Warren NP ist der 200-jährige Baum (75m) und gleichzeitig raffiniert einfach konstruierter „Feuerturm“ oder der „Tree Top Walk“ im Walpole NP, für den man auch gerne 10 Dollar Eintritt bezahlt, besonders interessant. Ein bis zu 40 Meter hoher Steg führt durch die Wipfelregion der Eukalypten. Endlich sieht man den Wald mal aus der echten Vogelperspektive, wirklich beeindruckend. Auch der Wald drumrum lohnt den Rundgang. Einer der Bäume soll 400 Jahre alt sein! Weiterhin locken verschiedene „Forest Drives“ durch urwaldähnliche Gebiete. Bevorzugtes Arbeitsgerät der Waldarbeiter: die gute deutsche Stihl® Säge!

Der Wald wird heute großflächig vom „Corn belt“ verdrängt, der sich sogar in die Mallee bis fast nach Esperanza vorwagt. Kenntlich an riesigen Schlägen: 100ha und mehr Getreide und Raps. Im September blüht der und man glaubt manchmal gar nicht in Australien zu sein. Nur die Kornsilos („bins“) entlang des Hwy sehen weder europäisch noch kanadisch aus.

 

Südküste

Ausgespart von der Bauwut der Australier scheint der D’Entrecastaux NP an der Südküste zu sein. Windy Harbour hat den etwas verlebten Charme einer Strandhauskolonie im Stile der 1960er Jahre, wunderbar. Der Salmon Beach bietet hohe Wellen, die direkt aus dem Südozean kommen. Sonst jede Menge toller Strände (viele davon nur für 4- Wheeler) bei Albany ist die Frenchman Bay wie auch in Bremer Bay von hässlichen Campsites begleitet. Tipp: hier die „Day Use Areas“ von John Cove und Cairn Lookout tagsüber nutzen. Besonders schön auch die Elephant Rocks im William Bay NP. Hier brandet der kalte Südwind aus der Antarktis an die Südküste von W.A.

 

 

Foto: Elephant Rocks im Abendlicht.  ©Achim Kostrzewa   Technik: D700, 100ASA, AF 2,8/80-200 @ 200mm, Stativ etc.

 

Bei 35° Süd ist das Meer offensichtlich nicht kalt und produktiv genug, um größere Mengen an Seevögeln zu ernähren, wir sehen immer nur einige Dominikaner Möwen, Australmöwen, Elsternscharben und wenige Austernfischer. Weit draußen im Meer auch Australtölpel.

Die Nächte werden langsam wärmer und nun kann auch der Frühling allmählich sein blaues Band spinnen. Letzte Nacht hatten wir noch 4,5° und unser Aussi-Nachbar lästerte, „wenn dir kalt ist, lass doch einfach nachts die Kühlschranktür auf, dann wird es wärmer im Wagen!“ Erst der Nordwind bringt Wärme aus den zentralen Wüstengebieten zu uns aber auch Wolken. Aus dem stahlblauen Himmel wird eine graue, flockige Suppe, aus der auch 2-3 Tropfen Regen fallen, mehr aber nicht.

 

 

 

Foto: Weißgesichtshonigfresser und Türkisstaffelschwanz. Beide waren so aufdringlich mich in meinem Mittags-Silenzium zu stören 

©Achim Kostrzewa   Technik: D300, 200ASA, AF-S 4/300 mit TC 14eII, freihand.

 

Ein guter Grund ins Inland zu fahren: 60 km nördlich von Albany liegen die Stirling Ranges, ein NP mit 1.100m hohen Bergen, die sich schroff aus der platten Landschaft erheben. Die Berge erheben sich aus einer Eukalyptus Mallee voller toller Pflanzen. Schon am Parkplatz sechs Orchideenarten. Wir treffen auf eine geführte Exkursion, die 25 Orchideenspezies am Morgen gefunden haben, dank sachkundiger Führung. Die interessanten Pflanzen blühen aber winzig klein zwischen den 15m hohen Fluß- und Geistereukalypten. Auch an denen kann man schier verzweifeln, über 700 Arten soll es geben, da muß man schon ein Koala sein, um das alles auseinander halten zu können. Aber die Koalas haben da ihre eigene Methode, sie „schmecken“ die verschiedenen Arten raus…

 

Foto: Stirling Ranges im letzten Abendlicht.  ©Achim Kostrzewa   Technik: D700, AF- 28-85 @ 80mm, Stativ etc. 

 

 

Golden Outback

Das Golden Outback beginnt auf unserer Tour grob bei Bremer Bay, reicht an der Küste bis Esperance und dann hoch in den Norden bis auf die Breite von Shark Bay (ca. 25° Süd). Wir erleben nur einen kleinen Teil davon auf den fahrbaren Asphaltstraßen. Auch viele 4-Wheeler leiden noch an der „wet season“, viele Tracks sind noch gesperrt. Da hat man den teuren Wagen gemietet - zu Vorsaison Preisen versteht sich – und kann doch nicht fahren, wie man möchte! Esperance reklamiert die weißesten Strände Australiens für sich, wohl mit Recht, nachdem was ich zwischen dem Cap Le Grand NP und dem Great Ocean Drive so gesehen habe. Im Hinterland testen wird den Weg in die Nullarbor, die „Keinbaum-Ebene“ Richtung Adelaide über den Hwy 1. Keine Bäume, weil der Blick auf die geologische Karte Kalkuntergrund anzeigt, der zu Karst wurde, in dem das bisschen Wasser – ca. 250mm/an – wie nix versickert, dazu die Sommertemperaturen…die Ökologie ist also ziemlich klar, die Landschaft macht es deutlich. Bis es soweit ist, queren wir eine wunderschöne Mallee. Nur die Emus machen sich rar, oder fliehen gleich angesichts meiner Telelinse… Von Esperance bis kurz vor Hyden und dann wieder hinter Hyden Richtung Perth nur noch Landwirtschaft… in rauen Mengen. Keine Spur vom Outback, das fängt nämlich erst richtig auf einer Linie 50km östlich von Hyden an, wo es für Ackerbau zu trocken wird.

 

Wave Rock/Hyden – ein Highlight zum Schluß

Ich war ja ein wenig skeptisch, da es aber quasi am Weg von Nullarbor nach Perth über die „40“ liegt, kann man ja mal schauen. Und Überraschung, die in Büchern, Prospekten oder im Web gezeigten Fotos sind alle viel schlechter als die Wirklichkeit. Der Wave Rock ist ein Inselberg wie der Ayers Rock en miniature. Leider nicht hoch genug um deutlicher aus der Landschaft zu ragen, sonst wäre hier die Hölle los. So kommen nur 150.000 Besucher pro Jahr. Mir gefällt das gut, fast immer freies Fotoschussfeld zu haben! Die Wave selber ist größer (Höhe 15m, Länge 100m) als vergleichbare Strukturen am Ayers Rock. Wie so oft, ist auch dieser Platz durch ein Foto bekannt geworden. Im Winter 1963/4 hatte das Bild des australischen Fotografen Jay Hodges den Kodacolor Preis in New York gewonnen. Heute gibt es ein kleines Infocenter, Kiosk und Campsite.

 

 

Foto: Der Wave Rock ist ein Inselberg in Westaustralien, der vor etwa 60 Mio. Jahren aus der Ebene herauserodiert ist. Er besteht aus  2,6 Mrd. Jahre altem Granit. Hinter mir liegen die schönsten 30 Meter der Wave. Die Streifen im Gestein sind durch herunter laufendes Wasser entstanden. Sonst ist alles in Outback Ocker eingefärbt. Ohne Größenvergleich wirken die Bilder nicht.  ©Achim Kostrzewa

Technik: D300, 200ASA, AF 28-85 @ 28mm, Zweitstativ, ein paar Schönwetterwolken dämpfen das sonst so harte Sonnenlicht.

 

Ärgernisse

“In W.A. you pay! They make you pay just to see the scenery…” schrieb ein verärgerter Aussi auf einen Picknicktisch. Ein bisschen was Wahres ist dran. Überall, wo es hier in Westaustralien Campingplätze gibt, ist frei campen streng verboten und es werden bis zu tausend Dollar Strafe dafür angedroht. Das ist lächerlich, weil Feuermachen während der Trockenheit „bloß“ 500 Dollar kostet. Die Campingplatzbesitzer-Mafia  sei in jedem Stadt- und Regionalparlament in W.A. stark vertreten, erzählten Reisende Aussis aus Melbourne abends beim Feuer auf einem gut frequentierten, weil kostenfreien Übernachtungsplatz am Hwy „1“. Diese Überlandplätze gibt es alle paar hundert Kilometer. Sie sind mit einem Baumsymbol und dem Zusatz „24 hours“ gekennzeichnet. Trinkwasser bekommt man auf den „Wüstenstrecken“ an Regenwassersammlern, sonst an den Tankstellen und natürlich auf Campingplätzen. Quellwasser für Kaffee oder Tee gibt es in 10l Kanistern im Supermarkt. Dumps für die Toilette werden auch regelmäßig ausgeschildert. Also alles kein Problem mit dem WOMO Reisen. Aber Australien ist teuer geworden: Camping mit „Power“ (220 Volt) kostet schon 30 Dollar, selbst im Nationalpark ohne Power noch 18 AUD. Und die Plätze sind meist echt schäbig: wie staubige Parkplätze sehen diese Ghettos für Caravans aus. Landschaftliche Schönheit ade.

Meine Lösung, erst abends bei Dunkelheit drauffahren und morgens bei Dämmerung wieder weg. Frühstück in einer schönen „Day use area“. Man muß halt das Beste daraus machen. Das war in Tasmanien doch deutlich besser, wie auch viele Camper bestätigten. Auch bei der Tour über den Stuart Hwy vom Ayers Rock nach  Darwin (2004) gab es nur in NPs Campingplatzzwang, was natürlich völlig okay ist. Aber auch die Aussis haben den Tourismus als permanente Einnahmequelle entdeckt und sind gerade die Nerven und Portmonees  der europäischen Camper am Austesten, wie weit sie sich melken lassen wollen. Vieles ist sehr aufgemotzt wie das Walmuseum in Bremer Bay, eine Videoshow statt Museumspädagogik in den alten Trantanks, ein paar Walskelette in Fabrikhallen und ein aufgedocktes Walfangschiff. Und das für 25 AUD pro Person, Argument, „man könne schließlich den ganzen Tag bleiben…“  Wozu bloß? Um auch noch im Museums-Restaurant schlecht und überteuert zu essen?

Noch ein Nachsatz zu unserem Apollo Euro-Camper: er gab so stückweise den Geist auf: erst wurde die WOMO Batterie schlapp, aber nicht ersetzt, weil nach Auskunft der Vertragswerkstatt noch innerhalb der Regelleistung. Haha, Leistung, nach einer Stunde parken in der Sonne war sie leeeeer. Nach drei Wochen ging nur noch eine von drei Kochplatten. Die Campingstühle waren Schrott … An einigen Möbelkanten habe wir uns immer wieder geschnitten. Kommentar der Sachbearbeiterin beim Vermieter in Perth: „ja wir kriegen hier immer die schlechtesten Autos, weil wir so weit vom Schuß sind. Die Stühle ersetzten wir natürlich, für die anderen Sachen müssen Sie sich bitte an die Zentrale wenden…Nein, einen Stationsmanager haben wir hier nicht.“ Die wissen schon warum! Das VW-Basisfahrzeug hatte 200.000km Garantie und erst 155.000 drauf, das lief noch prima.

 

Glückgefühle

Trotz des etwas übertriebenen Geschäftssinns der Tourismusmanager, sollte man die Vorzüge Australiens nicht vergessen: Der Sternenhimmel über der wilden Küste in Shark Bay (Eagle Bluff Wilderness Camp, tel. Anmeldung in Denham erforderlich, kostenfrei, aber kein Wasser, keine Toilette), D’Entrecastau NP, Bremer Bay, Cap Le Grand NP und im Outback Richtung Nullarbor ist einfach grandios, ohne wenn und aber. Die saubere klare eiskalte Luft zeigt die Milchstraße ohne zivilisatorisches Streulicht vor oder nach Mondauf/-untergang in einer ungewöhnlichen Klarheit und Nähe, wie ich es noch nie erlebt habe. Das reizt natürlich zu einigen Fotoexperimenten die D700 bei hoher Empfindlichkeit auszutesten: ein bisschen Astrofotografie ohne große Nachführtechnik nur von Stativ aus mit Weitwinkel und Langzeitbelichtung über den Kabelauslöser. Das braucht merklich viel Strom aus dem Akku, aber die Ergebnisse sind frappant! Erstaunlich wie viel mehr der hochempfindliche Chip an Sternen sieht!!! Und wie wenig das rauscht. Da ist die Digitaltechnik dem Analogen weit voraus. Früher haben die Astrofotografen ihre Filme in tief gefrorenem Zustand belichtet, weil das die Empfindlichkeit steigert; heute dreht man einfach die ASA hoch, fertig.

Die wilden weißen leeren Strände, die blühende Mallee mit ihren 5.000 verschiedenen Frühlingsblumen… Da surrt dem europäische, die palä- und nearktische Artenarmut gewohnten Nebenfachsvegetationskundler der Kopf. So viele Bestimmungsbücher kann man gar nicht haben wie man hier brauchte, also „alles“ fotografieren und zu Hause mindestens bis auf die Familie und Gattung nachbestimmen. Endemische Arten gibt es hier geradezu massenhaft: Eukalypten, Akazien, Proteen wie Banksien, Grevillien etc. gehen in die hunderte. Australien beherbergt mehr als 10.000 Pflanzenarten, also Botaniker ran an den Speck.

Aber mit der Tierwelt ist es nicht viel besser, auch hier massenhaft Unbekanntes und Hochgiftiges. Jede Menge fremdartige Wirbeltiere – wie unsere Regierung, Management by Kangaroo: nix im Beutel, aber große Sprünge machen. Hierzu auch der Bericht über Tasmanien vom Dez. 09.

All das wiegt natürlich das Campingärgernis bei weitem auf. Und man ergibt sich bald dem australischen Gleichmut – „no worries, mate“ bei einem schönen roten australischen Shiraz.

 

 

Foto: Zu guter Letzt: Australien ohne Wallabies wäre wie China ohne Reis?! ©Achim Kostrzewa   Technik: D300, 200ASA, AF-S 4/300 mit TC 14eII, Stativ.

 

Fotografisch war die Reise ein Highlight. da sind noch viele Bilder zu entwickeln. Mein Bericht zeigt nur einen kleinen Ausschnitt. Die Vielfalt hier in W.A. ist groß: Küsten, Ästuare, Berge und Wälder, Herz, was brauchst du mehr... Die Motive wollen allerdings - wie fast überall - erarbeitet werden.

 

 © Achim Kostrzewa, ohne die schriftliche Genehmigung des Autors dürfen Bilder und Texte nicht kopiert und anderswo verwendet werden. Jeder Missbrauch wird rechtlich verfolgt.