Fotos in eisiger Kälte – was man beachten sollte

 

Gerade hatten wir den ersten kleinen Schneeeinbruch hier in der Eifel. Ein Grund mal in der Diakiste/Festplatte nach eiskalten Fotos zu kramen…

Im Eifelnationalpark: Morgens hatte es noch minus 10°C, kein Problem für meine Ausrüstung (D700 mit VR 70-200) Fuji X-E2 mit XF 2/18. Foto: © Renate Kostrzewa

 

Wenn es ganz kalt wird im Winter in hohen Norden oder auch im Frühjahr (Okt./Nov.) und Herbst (März) in der Antarktis ist Vorsicht angesagt: Meine Filmkameras sind schon eingefroren nachts zwischen den grönländischen Eisbergen, Filme sind beim Motortransport gerissen oder die Perforation ist ausgebrochen.  Eingefroren meint genau das: die Schmierstoffe für die Mechanik frieren bei zu tiefen Temperaturen ein. Man kann seine Kameras durch Spezialschmierstoffe arktisfest machen, muß sie aber später wieder in den Service geben, um zu den normalen Schmiermitteln zu wechseln. Sonst laufen diese bei Hitze nämlich aus, weil sie zu dünnflüssig werden.

 

Eisberg kurz nach Sonnenuntergang - Abends im späten August in Nordwest-Grönland kurz nach Mitternacht. Die Sonne war ca. 10 Min. vorher untergegangen. Diese intensive Lichtstimmung hielt nur für etwa eine Minute an, dann waren die Wolken zu... Der Kapitän hatte die Fram beigedreht bei diesem Eisberg. Alle anderen Fotografen standen nach "getaner Arbeit" bereits an der Bar... während ich mit klammen Fingern weiter ausharrte: Die Mamiya mit Sensia 100 war eingefroren und die F4 mit Velvia 50 geladen, kein Freihandfoto mehr möglich. Blieb nur die neue Sony R-1 bei 200 ASA und mittlerer Brennweite ca. 60mm (Zeiss 24-120mm). Leider nur im JPG-Format. Zu dieser Zeit fotografierte ich noch nicht in RAW. Wollte die Sony ja nur mal ausprobieren! Foto: © Achim  Kostrzewa

 

Bei kleineren Digitalkameras mancher Mitreisenden haben sich die Miniakkus  schnell verabschiedet.  Amateurkameras halten zwar erstaunlich viel aus, sind aber nicht für die Extreme gebaut. Sie stellen dann einfach ihren Dienst ein,  wenn die spannendsten Motive auftauchen. So ging es mir mit meiner Fuji X E-2 nach dem ersten Panoramafoto bei minus 18°C. Das Pano wird aus etwa 20 Hochformat Einzelaufnahmen  in der Kamera als JPEG zusammengesetzt.  Das zieht natürlich viel Strom aus dem kleinen Akku, der sonst gut für 300 Aufnahmen reicht. Da ist dann schnell Sense: kurz leuchtet noch die Akkuwarnung auf, dann wird alles dunkel. Da muß man immer  2-3 warme* Akkus vorhalten. Aber auch bei Himmelsaufnahmen mit langer Belichtungszeit, also Sterne oder Polarlichter sind die kompakten spiegellosen im Nachteil: die Akkus machen zu schnell schlapp.

 

Eisberge zur blauen Stunde. Wenn man abends auf Bootsexkursion zwischen die Eisberge geht, fällt die Temperatur wie ein Stein, sobald man im Schatten ist. Minus 10-15°C sind keine Seltenheit (D700 mit VR 70-200). Da die Exkursionen nur 2-3 Stunden dauern, ist das kein technisch Problem. Foto: © Achim  Kostrzewa

 

Abhilfe schafft nur eine Spiegelreflex mit leistungsfähigem Akku, wie meine alte Nikon D4: auch nach stundenlangen Gebrauch in eisiger Kälte bei -17°C und Wind machte der Akku nicht schlapp. Selbst die D700, deren Akku nur halb so groß ist, erlaubte mehrere Stunden Arbeit bei diesen Temperaturen. Da muckte eher schon einmal die Spiegelmechanik der D700. Nur die D4 arbeitete vollkommen zuverlässig, wie man das von einer Profikamera erwarten darf. Bis zu minus 22°C habe ich bis jetzt Dauer getestet. Auch die aktuellen VR-Objektive halten das problemlos durch:  4/24-120, 4/70-200, 4/200-400. Den VR habe ich aber bei Kälte vorsorglich abgeschaltet: er braucht Strom und ich weiß nicht, ob der piezo-elektrische Antrieb mechanisch bei Kälte zuverlässig arbeitet. Zur sicheren Komposition meiner Fotos bevorzuge ich sowieso das Stativ. Nächsten Spätherbst wird es dann in Nordkanada noch kälter werden: unter -25°C. Aber ich vertraue auf die Zuverlässigkeit meiner ausgetesteten Systeme. Das alte AF-S 4/300 mit Konverter ist auch 100% Kälte tauglich, getestet bis -22°C.

 

Tagesexkursionen ins Packeis (daher Schwimmweste!) bei minus 15°C und Wind sind da schon fordernder. Man braucht viellagige Polar-Kleidung und starke Akkus. Foto: © Renate Kostrzewa (mit D700 und VR 70-200)

Meine Foto-Exkursion ins Packeis beginnt morgens um 4:15 bei minus 22°C und Wind. Man braucht gute Handschuhe als Fotograf. Foto: © Achim Kostrzewa (mit D4 und VR 70-200)

 

 *“Warme Akkus“ also am Körper getragen wie Hosentasche, Parkainnentasche, tendieren dazu beim Einlegen in die eiskalte Kamera zu beschlagen, weil die vorhandene Luftfeuchtigkeit auf dem warmen Akku sofort kondensiert. Das führt dann oft zu Kontaktschwierigkeiten. Besser ist es  - sofern von den Temperaturen und der Leistung her möglich – den Akku einfach in der Außentasche oder dem Fotorucksack zu transportieren. Dann verliert er zwar auch an Kapazität, beschlägt aber nicht so schnell. Auf keinen Fall den Akku anhauchen, beschlägt sofort! Wenn man einen zu kalten Akku aufwärmen will oder muß, kann man ihn kurzfristig in den Handschuh stecken.

Akkus vor der Reise testen - Sind sie noch leistungsfähig genug für die zu erwartende Beanspruchung? Wie der Akkutest in Ihrer Kamera funktioniert, verrät die Bedienungsanleitung. Kleiner Tipp nebenher: Originalakkus sind zwar unverschämt teuer, halten aber meiner Erfahrung nach auch deutlich länger durch. Die Qualität macht sich halt bei extremen Bedingungen erst richtig bezahlt.

Warnung  - bei hohen Minustemperaturen die Kamera nicht unter dem Parka tragen, sie bleibt zwar schön warm, beschlägt aber sofort mit Feuchtigkeit, sei es vom Atmen des Fotografen oder von der Luft. Meist von beidem. Auch die Linsen und der Sucher beschlagen, so daß Fotografieren nicht mehr möglich ist. Es kann sogar zu Kurzschlüssen am Akku kommen.

 

Im Presseis. Wird Packeis vom Wind weiter zusammengedrückt, bilden sich bis 10 Meter hohe Presseisbarrieren, die man mit dem Hundeschlitten meiden sollte. Foto: © Achim Kostrzewa (mit Fuji X-E2 mit XF 2/18) ein Treffer aus vier grob gezielten Versuchen, weil ich im elektronischen Sucher nichts mehr sehen konnte...

 

Neue Kameras – sollte man im Winter zunächst zu Hause testen oder nur als Back-up mitnehmen. Ich würde nie mit einer neuen Kamera zu unwiederbringlichen Motiven reisen, egal was die Hersteller versprechen. Und die versprechen viel, wie z.B. „Spritzwasser geschützt.“ Da habe ich schon so manches „dichte“ Gehäuse im Regen absaufen sehen. Mit Regenhülle wär das nicht passiert. Und dazu reichen oft schon ein modifizierter Zip-Lock Beutel und Paketgummis aus. Praktiker, die es wissen müssen schreiben dazu:

“I don’t believe in weather resistance myself. I believe like life; water will find a way. I believe in plastic baggies and rubber bands.” (Roger Cicala, lensrentals.com/blog)

 

 

Mir geht es da wie Roger: Plastiktüte (Zip-Lock) und Paketgummis lösen das Regenproblem für viele Stunden Dauerregen. Für die ganz langen Linsen habe ich noch eine extra Regenhülle, die Überregenhülle für meinen großen Fotorucksack. Vorteil: klein, leicht, immer dabei...   Foto: © Achim Kostrzewa

 

Kalte Kameras – sollte man tunlichst draußen lassen! Wenn man sie mit reinnehmen muß, sollten sie vorher einigermaßen luft-, bzw. wasserdicht verpackt werden. Also Rucksack in große Plastiktüte verpacken und zubinden, sonst bildet sich Rauhreif auf der kalten Oberfläche (= Kondenzwasser) von allen Geräten…

 

Zu diesen Überhandschuhen mit Ausgriff für die Finger und den Daumen trage ich normalerweise noch meine feinen, gefütterten Lederhandschuhe, damit ich die Kamera bedienen kann. Foto: © Renate Kostrzewa

Text & Fotos  © Achim Kostrzewa