Travellog Commandant Charcot - Antarktis bis auf 70°12' S      (12.- 29.12.2021)

Endlich wieder in die Antarktis! Nachdem wir zuletzt im Januar bis 2/2020 dort waren, brauchten wir – schon seit Jahren vom Eisvirus infiziert – eine neue Herausforderung, eine Fahrt bis in die Marguerite Bay (=MB). Gebucht hatten wir zunächst auf der MS Expedition, diese Reise wurde aber im September abgesagt und auf 12/2022 verschoben. Unser Reisebüro kam dann mit dem Vorschlag es doch mal mit dem neuen Eisbrecher bei Ponant zu versuchen: eines der südlichen Reiseziele auch dort die MB. Der Preis war schon sehr reduziert, das Schiff nur halbvoll, die Corona-Vorschriften an Bord vertrauenerweckend. Also: Versuch macht kluch. UND wir haben es nicht bereut. Wetter war durchweg schlecht: Wind, Nebel, Regen und vor allen jede Menge Schnee zur an sich schönsten Jahreszeit in der WAP (=Western antarctic peninsula).

Die "Le Commandant Charcot" ist ein Luxuseisbrecher vom Format der Khlebnikov, aber mit eher kastenförmigem Rumpf, Stabilisatoren gegen Rollen und hat nur Balkonkabinen für 200 Gäste in der Antarktis zugelassen. Hier geparkt im Eis der Hanusse Bay. Dieser Eisbrecher ist nach neuesten UmweltStandards ausgerüstet: Diesel- oder Erdgas-elektrischer Antrieb, Wasseraufbereitung u.v.a.m.       Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Die Vorbereitungen für diese Corona-Reise beginnen schon Anfang November 21: man muß sich auf der erst teilweise ins Englische übersetzten Page mevacuno.cl beim Innenministerium ein Konto beschaffen, einloggen und tausend Fragen beantworten. Bis ich das alles mit Google übersetzt hatte und die ganzen Bugs bemerkt hatte, brauchte es an zwei Tagen fünf Stunden konzentrierter Arbeit. Für Renate dauerte es dann nochmals zwei Stunden, dann war alles hochgeladen, einschließlich unserer ganz frischen Boosterimpfung. 14 Tage später kam dann das okay der Chilenen via Zustimmungskode. Erste Hürde geschafft. 14 Gäste haben es nicht geschafft, wie wir später an Bord erfahren haben.

 

Reisetagebuch:

12.-13.12.: Wir sind nach 14,5 Stunden Flug  gut in Santiago gegen 8:00 Ortszeit (-4 h GMT) angekommen. So, wir haben es wirklich nach Santiago geschafft. Die Reiseanmeldung über „Mevacuno.cl“ war eine Strafe per se: Pass, WHO Impfpass, EU-Impfzertifikat, Impfarzt, Anschrift, Datum, Chargennummern für alle drei Impfungen, wirklich alles wollten die wissen. Dann dauerte es 2 Wochen bis der Zustimmungskode kam. 48 h vor Flug, dann noch die PCR-Testergebnisse hochladen und fix und fertig, in jeder Hinsicht. Ohne den erteilten QR-Kode kann man den  Flieger NICHT besteigen!  Die Chilenen prüften alle Unterlagen, wie PCR-Tests oder Impfausweis in Santiago noch dreimal mit viel Personal, das dauert… Sollten wir in D auch machen!

So: erneut PCR getestet, diverse Formulare ausgefüllt, Gepäck abgeholt, eingereist, mit dem Bus der Reederei ins Hotel gebracht (schön: 5* Ritz Carlton) und sitzen jetzt auf unserem Zimmer seit 11:00 Ortszeit in Quarantäne. So gegen 15:00 könnten die Testergebnisse kommen via Internet, waren aber erst um 18:00 da. Gut bei uns in D sind die Labore ja auch überlastet. Wir drehen ein Runde um den Hotelblock im Viertel Las Condas und finden eine schöne Bank im Schatten um Leute zu gucken. Eins ist klar, hier im reichsten Viertel der Stadt mit Banken und internationalen Hotels, hält sich jeder an die Maskenpflicht. Nur die Linienbusse sind wie immer rappelvoll, aber auch hier tragen alle Masken. Die Inzidenz beträgt derzeit ca. 30, es ist halt Sommer. Und heute um 14:00 nachmittags dann noch ein PCR-Test fürs Schiff, die Tester gehen von Zimmer zu Zimmer: Du streckst die Nase an der Tür raus und zack ist das Stäbchen drin.

Heute Abend ab 19:00 gibt es Essen aufs Zimmer, danach gehen wir schlafen, die Nacht wird kurz. Um 22:00 sollen die Koffer schon raus, die Zahnbürsten und leichten Schlafanzüge kommen ins Handgepäck, Luxusreise eben.

14.12.: Früh um 5:00 treffen wir uns in der Lobby zu einem improvisierten Frühstück und um 6:30 geht’s zum Flughafen. Dann sind wir dreimal getestet, bevor wir heute Nachmittag aufs Schiff gehen können. Die durchgeimpfte Crew darf das Schiff im Hafen nicht verlassen, so müßte alles sicher sein. Nach fünf Tagen dann erneuter Test auf dem Schiff durch die Schiffsärztin.

 

 

Überflug über die Anden bei bester Sicht, wir überfliegen das drittgrößte Eisfeld der Erde in unserer halbleeren Chartermaschine, das patagonische Eisfeld, jeder der will kann ans Fenster. Blick nach Westen. Links: der etwas nördlicher gelegene Lago Viedma, rechts halb vom Triebwerk verdeckt der Grey Gletscher, der in den etwas südlicher gelegenen Lago Argentino mündet. Da waren wir 2004 mit dem Camper und 2008 als Nachreisehighlight mit Leuten von der Ushuaia.     Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Nach dem Einchecken erstmal Kaffee, schöne Kabine, Gepäck schon da, alles prima !

Gut ist, das Schiff hat nur 102 Gäste statt der 200 Möglichen und der Preis war ja auch sehr reduziert, weil auch viele Gäste wieder abgesagt haben, wie man so hört. Aber wir sind ja alle froh überhaupt fahren zu können, was der Kapitän bei der Begrüßung für die Seite der Reederei voll bestätigt.

 

Erstes Briefing durch den Kapitän und die Expeditionsleiterin. In der Observation Lounge gilt wie überall auf dem Schiff innen: Masken sind obligatorisch !   Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Soviel für heute, werde nochmal im Hafen nach Hause mailen. In der Antarktis selbst hat das bisher noch nie dauerhaft geklappt.

Nach insgesamt 56 Stunden sind wir um 15:00 auf das Schiff gekommen und „segeln“ um 18:00 los. Wir verpassen sogar die Ausfahrt aus dem Hafen, der Pott ist so leise, vibriert fast gar nicht, so ein leises Schiff hatten wir noch nie! (Im Vergleich, die damals neue Fram 2007 in Grönland klapperte und rappelte richtig und wenn die Ankerkette auslief oder gehieft wurde, war  das ganze Schiff wach). Die Charcot ist toll, für die Antarktis richtig luxuriös. Wir sind zu 50% belegt. Das Wetter ist überwiegend bewölkt. In Punta Arenas waren es heute 11°C.

15.12.: Heute Nacht in der  Magellanstraße. Der Windkarte nach zu urteilen ist es im Westen von Feuerland sehr windig, daher wohl der östliche Kurs. Das Schiff liegt derzeit (noch) wie ein Brett, selbst bei 16 Knoten Fahrt. Wir sind noch immer in Sichtweite von Feuerland und sehen schon die Mündung des Beagle Kanals. ABER, immerhin hat Remi Bigonneau vom Exp. Team schon einen sehr guten Vortrag über Seevögel (ex. Pinguine) gehalten. Vorstellung des Schiffs durch den Kreuzfahrtdirektor, der wie ein Heizdeckenverkäufer auf einer schlechten Bustour auf uns wirkt. Die Franzosen finden das offenbar gut. Das Offiziersteam macht einen guten Eindruck. Das Expeditionsteam mit Florence Kyper (NL) umfasst 22 Leute, incl. Kayak-, Schneeschuh- und Polar Plunge Guides. Wir wollen auch im Eis oder besser auf dem Eis anlanden, mal sehen. Alle halten sich ob der Wettersituation total bedeckt…

Abends bei Welcome Dinner sehr nett mit Barbara & Ken zusammengesessen (94 u. 96 Jahre alt und topfit, sehr weit gereist, er exNASA Ing. Raketenbau, Triebwerke. Ein Mann, der tiefe Einblicke in eine Zeit hatte, die mich total interessiert!), die wir schon auf dem Flughafen in Santiago kennengelernt hatten.

 

Fotografiere mit meiner "klassischen Vogelfotografie Kombi" aus D4 + AF-S 4/300 + TC14eII die südlichen Riesensturmvögel mit grüner Schnabelspitze…

 

Südlicher Riesensturmvogel  mit dem typischen Salzwassertropfen an der Schnabelspitze      Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Schwarzbrauenalbatros oder auch Mollymauk         Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

16.12.: liegen immer noch vor der Mündung des Beagle Kanals und warten den Sturm ab (>950 HP) 40-55 KN Wind, müßte heute Vormittag dann losgehen. Schiff ist doch ein Musikdampfer: habe schon sechs davon gesehen. Im Theater gibt es sogar einen tollen Steinway Flügel... Die Musiker tun mir ein bißchen leid, denn niemand stellte sie bislang vor.

 

Gegen 10:00 machen wir uns auf, mittags sind wir endlich auf der Höhe von Kap Hoorn. Ab nachmittags wird die See ruhiger. Nun haben wir netto schon zwei Tage der Reise verschlampt: den ersten durch die falsche Entscheidung des Veranstalters über Chile zu reisen plus den längeren Weg via Punta Arenas und den zweiten durch das Warten auf besseres Wetter, obwohl das Schiff problemlos durch das Windfeld hätte laufen können. Kapitän Garcia fährt nach eigener Aussage schon 17 Jahre die Drake. Heute brauchte man keinen >50.000 PS Luxuseisbrecher, sondern nur eine gute Seegeljacht oder jedwedes Antarktis typisches Kreuzfahrtschiff  dafür. Was sonst noch war: IAATO-Einweisung, Zodiac Einweisung, Biohazard Reinigung der Klamotten, Stiefelausgabe. Die Parkas hatten wir uns schon an ersten Tag geholt. Alle Größen sind auf kleine Franzosen (Chinesen?) ausgelegt. Meine schlanke Frau Renate hat 2XL, ich 5XL das ist lachhaft bis peinlich. Das solide Innenfutter aus Fleece ist leider nicht ausknöpfbar und daher zum Wandern mir zu warm, drunter hab ich nur ein T-Shirt. Es gibt auch keine Ventilation und nur zwei zu kleine Außentaschen. Die Kapuze hat dafür einen dekorativen Fellrand. Bei Quark (viele Taschen und Ventilation) oder Canada Goose hab ich 3XL und viel Platz darin um auch mal bei Regen eine Kamera unten den Parka zu nehmen…Bei den Stiefeln hat sie 45 (sonst 43 wegen der doppelten Socken) und ich 47 (sonst 45 wegen der Fleece Socken). Die Dunlop Stiefel scheinen eine gute Sohle zu haben sind aber auch bleischwer, da lob ich mir unsere Muck Arktis Stiefel: gute Sole, leicht und warm.

Den besten Eindruck macht bisher die Hotellerie. Restaurants, Personal und Zimmer sind top. Die kleinste Kabine hat 20 qm + 5 qm Balkon. Die Expeditionsleitung scheint noch zu unsicher wie die Verhältnisse vor Ort sein werden, wir werden sehen. Nachdem die erste Reise hier abgebrochen werden mußte wegen Wetter und dann ins Weddell Meer führte, sind wir jetzt die Versuchskaninchen für die MB.

 

 

  

 

Wenn's draußen zu üsselig ist, sitze ich in der bequemen Observation Lounge und schreibe, die Kameras und warme Jacke sind immer parat          Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

17.12.: das Wetter wird immer besser, schon >1.000 Hecto Pascal, blauer Himmel, 3 Buckelwale auf Steuerbord, helle Sturmtaucher beim Frühstück, jetzt 10:15 keine Vögel mehr. Renate läßt die Aufzüge wieder anfahren, die Rezeption hatte das vergessen! Ich gebe zwei Paper über neue Adelie Kolonien in der Marguerite Bay (=MB) der EL in der Hoffnung, dort eine Anlandung rausschlagen zu können. Der halbe Weg bis zur Höhe der WAP ist wohl geschafft. Wir laufen 14 Kn, der stetige Seitenwind von immerhin noch 25 Kn bringt uns aber nicht zum Rollen, tolle Stabilisierung ! Um 11:00 guter Vortrag über Eis von Daphne Buiron und um 15:00 chaotischer Vortrag „All about Antarctica“, völlig unstrukturiert, von Phil Norris (der bei uns intern den Spitznahmen Woodchuck bekommt) und heute Abend das erste Recap, was sehr gut war: Ausblick auf die beiden nächsten Tage, Polarkreis und nördlich Adelaide dann ins Eis durch Florence Kyper. Weiter über Nacht auf die Südseite. Dann wären wir schon in der nördlichen  Marguerite Bay. Die aktuellen Eisverhältnisse bleiben vor Ort abzuwarten…

 

Kleiner Eisberg: vielfach gedreht und zerbrocken.  Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

18.12.: Wetter heiter bis wolkig, 0°C, 15 Kn Wind, noch ein Stückchen bis zum Polarkreis. Dort treffen wir auf unseren 2. Tafeleisberg und wenig später auf Treibeis. Wir fahren hinein in die Matha Strait und sehen viele Krabbenfresser- und Weddell Robben. Ursprünglich war eine Eisanlandung geplant auf einer großen Scholle. Das hat aber nicht geklappt, das Eis ist nicht stabil genug und es gibt nur kleine Schollen. Risse sieht man nicht, weil deutlich mehr als ein Meter Schnee auf dem Eis liegt… Zu gefährlich. Marilia Olio hält einen sehr guten* Vortrag über Robben und Wale. Zum Abendessen haben wir die beiden Bio-Lektoren Remi und Elsa eingeladen. Die Lektoren gelten hier auf dem Schiff als Crew und dürfen nicht mit den Gästen im großen Restaurant essen, leider. Wir haben einen sehr interessanten Abend oben auf Deck 9. Nachts fahren wir östlich um Adelaide Island herum. *(wenn ich hier einige Vorträge als sehr gut o.ä. hervorhebe, dann heißt das, sie sind wissenschaftlich auf neuestem Stand, sachlich korrekt und didaktisch so aufbereitet, das ein Laie dem gut folgen können müßte).

 

  

Jenny Island liegt nahe der britischen Station Rothera. Die Strandflate ist hinter dem Eisberg zu sehen.   Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

Im Zodiac vor Jenny: Wind & Schnee na und, muß man abkönnen...  Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

19.12.: Morgens gegen 7:00 liegen wir vor Jenny Island. Nachdem das Exkursionsteam dort war ist klar, keine Anlandung auf der schmalen Strandflate möglich, die dicht von Seeelefanten besetzt ist. Schwell ist zu hoch: das bedeutet praktisch, wenn man mit dem Zodiac auf den Strand läuft, wird man von der nächsten Welle überspült und das ist nicht lustig... Wir machen um 9:50 (Gruppe grün, erstes Boot) 45 Min. Zodiactour, Richtung Strand und vorbei an einigen größeren Eisbergen. Auf einem sitzt ein einzelner Zügelpinguin. Am Basalthang von Jenny brüten offensichtlich Schneesturmvögel, einige sind in der Luft. Der Wind frischt bis zu 40 Knoten auf und es beginnt zu Eis regnen, die zweite Gruppe soll abbrechen. Da haben wir Glück gehabt, bleiben lange draußen, da die EL in unserem Boot mitfährt und das Ganze per Funk dirigiert. Ich bin gerne hier draußen, auch wenn's mal spritzt und zieht, Antarktis Feeling eben.

 

Im Ticker Kanal, wo wir die Hansen Insel an ihrer engsten Stelle von Süden passiert haben und auch noch ein Eisberg lauert. Rechts das Festland der Graham Küste.  Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Anschließend fahren wir in den Kanal „The Gullet“ zwischen Adelaide und dem Festland, der Graham Küste. Weiter drin haben wir Day- und Hansen Island am Lauboef Kanal (Ing. Marcel L. von Charcots Schiff Pourquoi pas?). Der Kanal wird immer schmaler. Gute Sicht, teilw. sonnig. Nachdem wir die Hansen Insel an ihrer engsten Stelle im Süden passiert haben, wo auch noch ein Eisberg lauert, finden wir nördlich davon in der Hanusse Bay wieder eine geschlossene Meereisdecke in der wir „parken“ können.

 

Wir liegen fest im Eis der Hanusse Bay   Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

Wir schätzen uns gegenseitig: die Zügelpinguine sind genauso neugierig wie wir.  Foto © Renate Kostrzewa, 12/2021

 Die erste Schneeschuhgruppe wird von einem Grönland erfahrenen Führer begleitet, der auch den Weg ausgesteckt hat.    Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

Mit dieser Inuit-Peilstange (Tut, auch mit Eismeißel übersetzt*) wird die Eistragfähigkeit geprüft. Man muß erstmal durch den dicken Schnee durch.     Foto © Renate Kostrzewa, 12/2021

 

Es dauert dann noch 2 h bis wir den Anleger draußen haben und die ganze Sicherheitsausrüstung: u.a. ein nagelneues Skidoo mit Anhänger, ein Schlitten mit einer Krankentrage zum Bergen von Verletzten, diverse Markierungen für die Strecke, u.a.m. Um 18:00 geht’s dann für die Schneeschuhleute los. Dazu kommen drei Wandergruppen: lang-mittel-leicht. Ich schließe mich denen an, die in die richtige Richtung laufen und bleibe dann dort zurück, wo ich fotografieren will, bzw. wieder auf die Sonne warten muß, die gerade hinter Wolken verschwunden war. Dem Führer hatte ich vorher Bescheid gesagt. Wir verbleiben so, daß ich auf unserer Spur zurück gehen soll, was ich wegen der Schneetiefe sowieso gemacht hätte. Der Schnee ist oberflächlich gefroren, ein Gast ist bis zur Hüfte eingebrochen. Es ist der Situation auf Snow Hill 2018 sehr ähnlich. Eine gute Stunde später bin ich wieder an Bord. Auf die Steuerbordseite konnte ich derzeit nicht, weil da auch das offene Wasser nicht weit ist. Renate geht abends um 22:00 noch auf einen Walk mit sechs Lektoren, weil sonst kein Gast gekommen ist und macht schöne Fotos, gutes Licht und Zügelpinguine direkt auf der Steuerbordseite. Wir bleiben über Nacht dort geparkt.

 

Eisberge im Meereis. Die Wandergruppen gehen leider verschiedene Wege, ich komm' nicht näher dran...   Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

20.12.: Morgens ab 7:30 gehen die Aktivitäten wieder los: lange Wanderungen und freies Gehen. Ich will endlich auf die andere Seite vom Schiff Aufnahmen machen und kapere die Bio-Lektoren Remi und Elsa für mich. Elsa macht die obligatorischen Fotos vor dem Schiffsbug und wir gehen Pinguine gucken. Dann startet der Hubschrauber zu einem Eiserkundungsflug, was die beste Route zurück in die MB sei. Nordwestlich von Hansen Island diesmal, der Ticker Kanal ist jetzt voll mit Treibeis. Darauf  Zügelpingos und jede Menge Robben. Damit haben wir die Insel dann einmal umrundet. Vorbei an Day Island geht es weiter nach Süden. Wieder im Gullet nimmt die Eisdichte ab vorbei an der englischen Rothera Station und Jenny ist das Wasser wieder offen. Auf den Eisschollen immer noch kleine Gruppen (10-20) Zügelpinguine. Im Briefing & Recap wird die morgige Reise erklärt: wir werden direkt nach Charcot fahren, das sind 240 Meilen und wird bis Morgen früh dauern. Das führt uns quasi diagonal und ohne Halt (leider!) durch die MB. Die Eissituation um Charcot scheint noch schwierig zu sein, wir schippern in ruhiger See – es stampft leicht und langwellig – unserem Ziel entgegen. Die Peter I. Insel wird abgesagt, die zwei Tage Fahrt würde sich nicht lohnen wegen des Eisgürtels um die Insel. Damit haben wir die zwei „verbummelten“ Tage wieder eingeholt. „Ein Schelm, wer böses dabei denkt…“ Die Recaps werden auch für interessante Kurzvorträge der Lektoren genutzt.

 

 Die Hansen Insel von der Westseite, der schmale Ticker Kanal auf der Ostseite steckt jetzt voller Eis. Wir haben die Insel einmal umrundet. Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

21.12.: Wir sichten die Charcot Insel gegen 10:00. Um 11:45 kommen wir in Reichweite um mit dem Heli die Küste zu erkunden. Von hier sieht das aus, als ob es einen Meereisrand plus Treibeisgürtel drumherum geben würde. Wir werden sehen. Die Insel lag ja sehr lange innerhalb des Eisgürtels und des Wilkins Schelfeises und ist erst im Zuge der Klimaerwärmung teilweise „eisfrei“ geworden. 2008/9 und 2011 war der letzte Wissenschaftler dort. Aussagen vom Kapitän Garcia zufolge wären dort weniger Menschen gewesen als auf dem Mond ! Laura Jourdan hält einen exzellenten Vortrag über Robben, der wegen der Tagesereignisse immer wieder verschoben wird. Wir sehen noch zwei Kaiserpinguine auf dem Eis stehend. Die werden wie verrückt fotografiert...

 

Die Charcot Insel mit Cap Byrd (links) ist fast vollständig vereist. Die Bucht links um die Ecke ist eisfrei aber der Zutritt ist verboten, weil hier hochempfindliche Flechten wachsen !     Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

Bei den Eisfahrten ist die Brücke voll "bemannt" stellv. EL, EL, Kapitän und Offiziere sind mit Ausguck, Eisradar und Echolot beschäftigt.   Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Na ja, wir waren auch nur in der Nachbarschaft auf dem festen Meereisgürtel davor: Renate marschierte 2,5 h stramm die große Runde und war anschließend groggy, als sie um ca. 21:10 zurückkam. Ich hab mir angeguckt wie Citizen Science funktioniert, Mädels, die ihren Eisbohrer nicht richtig zusammenbauen können, mußten einen Mann holen, damit es funktioniert. So nach dem Motto, die Männer fürs Grobe. Als der Bohrer endlich lief, kamen selbst die Weddell Robben neugierig gucken. Bis das Hydrophon im Wasser war, hatte ich meine Bilder längst im Kasten und brauchte auch ein bißchen Bewegung. Abends schnell gegessen und dann ins Bett. Es war ein langer Tag.

 

Schneesturmvögel, die "Geister im Nebel" und Antarktissturmvogel neben dem Schiff                 Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

22.12.: Gegen 4:00 spüren wir Vibrationen im Schiff, gehe auf den Balkon: wir verlassen das Festeis und machen uns weiter nach Süden auf. Morgens um 7:00 sind wir im freien Wasser und um 9:05 passieren wir wieder die Treibeisgrenze südlich der Charcot Insel. Der Hubschrauber hatte gestern den Weg erkundet, es soll eine schöne Küste mit hohen Bergen sein. Jetzt ist die Sicht aber sehr begrenzt. Es sind 2°C und es regnet derzeit. Die Eisschollen sind schon wieder ziemlich dicht. 9:20: 70°12‘ S. Unsere südlichste Position ist erreicht! Es sieht so aus, daß sich die Sonne so langsam durchbrennt. Gegen 10:00 haben wir eine Ross Robbe neben dem Schiff, die wir gut eine halbe Stunde beobachten können: schieße 250 Fotos von allen Seiten. Die Robbe präsentiert sich wie ein geübtes Model von allen Seiten. Unsere erste in all den Jahren, da das Habitat 70-100% Treibeis oder festes Meereis ist, gelingen Beobachtungen meist nur von Eisbrechern. WAS FÜR EIN GLÜCK !!! Laura steht neben mir und schießt mit ihrer Sony auch Bild für Bild und kann ihr Glück gar nicht fassen. Ich liebe es auf junge Leute zu treffen, die für ihr Fach brennen !

 

Ross Robbe neben dem Schiff, mache die Fotos von Deck 5 aus, tiefer geht nicht, sie läßt sich überhaupt nicht stören...      Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Seid einiger Zeit (aktuell 14:25) kreuzen wir jetzt auf der Südseite der Charcot Insel im Treibeis. Ein Kaipi beim Essen direkt neben dem Schiff. Später rammt der Kapitän das Schiff so tief ins feste Eis, das wir wieder aussteigen können. Leider ist die Sicht schlecht und es schneeregnet. Bleibe selber in der Nähe des Schiffs, Renate macht den „mittelschweren Gang“ und beobachtet wieder Robben. Hinter dem Schiff sollten an sich auch welche sein um ins Wasser zu kommen oder an Land zu gehen. Während der Stunde, die ich da war, aber leider nicht. Abends um 22:30 verlassen wir den Ankerplatz und machen uns wieder nach Norden Richtung WAP auf. Wir fahren noch drei Stunden durchs Eis, dann haben wir offenes Meer erreicht.

 

Weddell Robbe guckt Citizen Science: "gibt's den Bohrer auch in meiner Größe ? Könnt' ich meine Zähne schonen"       Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

23.12.:  Nach dem Frühstück mit Alexis (pensionierter Explorationsgeologe) und Dominique gehen wir nach oben in der Observation Lounge noch den 2. Cappucino trinken. Dort treffen wir auf Laura, die Ross Robben Liebhaberin und kommen über ein neues Paper (von Mai 21), was ich ihr kopiere, ins Reden. Renate geht in den historischen Vortrag des stellvertretenden EL Christian Gellinard, Ihr Kommentar anschließend: "gut aber zu lang". Ich bleibe, da Laura mir haarklein erzählt, wie sie im Weddell Meer auf der Reise vor dieser bei den Kaipis am Larsen Schelfeis waren. Die Kolonie liegt auf dem flachen Schelf in Höhe der Jason Halbinsel (Fotos bei Fretwell et al. 2014). Sie haben die Charcot ins Meereis gesetzt und sind binnen einer  Stunde mit den Gästen dorthin gewandert. Auf den Fotos, die sie dort gemacht hatte, waren die Küken in etwa so groß wie die größeren bei unserem Besuch auf  Snow Hill. Die Kolonie ist also ohne Hubschrauber erreichbar. Der kleinere Teil liegt auf Festeis, die größere auf dem Schelf.

  

Foto aus Fretwell et al. 2014.

 

3 Fotos © Laura Jourdan, aufgenommen am Larsen Schelf (Jason Peninsula) am 25.11.21 vor unserer gemeinsamen Reise. Die Kolonie ist bekannt: # 43 in der Liste bei Ancel et al. 2017, weitere Fotos bei Fretwell et al. 2014. Kollegin Laura hat mir dankenswerter Weise die Bilder für diesen Bericht überlassen!

 

Nachmittags fahren wir mit fast 17 Kn Richtung Norden durchs offene Meer. Remi hält seinen ausgezeichneten Pinguinvortrag. Und wir wollen bis morgens früh die Peterman Is. erreichen.

Einfahrt in den Lamaire Kanal vom Süden her: leider haben wir sehr schlechte Sicht !                   Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

24.12.: Frühstücken heute erst um 8:00. Die 2. Überwinterungsstation von Charcot 1909 liegt auf Peterman Is. Wir erreichen sie gegen 10:00. Der Penola Kanal ist voll Treibeis und die Küstenberge wie Mt. Scott wie auch die Insel selbst mit ihrer roten Hütte sind kaum im starken Schneefall zu sehen. Die erste Überwinterung war bei Pleneau Is. (benannt nach dem Fotografen Paul P. der Expedition. Nähe Booth Is.) in einer geschützten Bucht, die jetzt voller Eisberge. Wir kommen nah (11:00) an einer Reihe von kleinen, zugeschneiten Eselspinguin Kolonien vorbei. Setzen nun etwas zurück, um in den Eingang vom Lemaire Chanel zu fahren. Die Sicht ist bescheiden, was sehr schade ist. Sie bleibt auch in der Paradise Bay eingeschränkt. Wir machen eine kombinierte Anlandung in Almirante Brown und eine Zodiac Tour durch die Bucht (50 min.), dann an Land etwa eine Stunde. Es war sehr schwierig anzulanden. Erst mußte die Crew die Treppe freilegen und über 6 Meter Höhe neue Stufen graben. Bis runter auch die Betontreppe sind sie gar nicht gekommen bei 2 Metern Schnee! Die Eselspinguine hatten nur neben einen kleinen Versorgungsgebäude einen ca. 4 x 3 m großen fast schneefreien Platz. Renate machte mit dem Fernglas ein Ei aus. Insgesamt schienen 3 Paare mit Brüten beschäftigt. 2 Skuas waren ständig da. Weihnachten noch keine Junge läßt auf sehr schlechte Wetterverhältnisse schließen. Auch sonst alles zugeschneit wie auf Petermann.

 

 Für kurze Zeit hebt sich der Nebel über der Paradies Bucht.        Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Wir haben unser Weihnachtsmenue abends um 20:00 im großen Restaurant zusammen mit Barbara und Kenneth aus San Diego. Eine große Inspiration für uns noch 30 Jahre durchzuhalten mit dem Reisen. Kenneth hat bei Douglas die Triebwerke der Thor Rakete (später Delta) entwickelt und war dann noch bis 1966 bei der NASA, die er aber wegen zuviel Bürokratie wieder verlassen hat. Ein unkonventioneller, hochintelligenter Mann mit einer guten Portion Humor. Barbara, seine Frau, hatte auch studiert, durfte aber damals „nur“ als Sekretärin arbeiten. Studierte Frauen waren in den 1950ern ein Greuel für die Männerwelt… Beide reisen seit den späten 1960ern, also seit gut 50 Jahren um und durch die Welt, da kommt was an Storries zusammen. Wir haben gemeinsam viel Spaß.

 

 

Bei solchen Schneefall haben die Robben keine Probleme, wohl aber die Eselspinguine hier bei der Station Almirante Brown in der Paradies Bucht, deren Nester zuschneien, die Eier vom Schmelzwasser auskühlen, die Jungen vernässen... Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

Nää, bei dem scheiß Schnee brüt' ich dies' Jahr nich' mehr !  Nest überschwemmt, Eier erfroren, wie an de' Ahr...  :-)   Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

  

Längerfristiger Schneefall bedeutet für die Eselspinguine hier auf der Pleneau Insel, deren Nester zuschneien, die Eier vom Schmelzwasser auskühlen, die Jungen vernässen, große Probleme: wir haben auf den Fotos auch bei 4-facher Vergrößerung der Originale am großen Bildschirm keine Jungen erkennen können. Nach der Übersichtsarbeit von Caitlin Black (2016) und unseren eigenen langjährigen Beobachtungen müßten Weihnachten aber kleine und größere Jungen vorhanden sein. Daher ist die "Weihnachtsreise" bei Pinguinguckern ja auch so beliebt. Man hat sogar noch einzelne Eier in den Nestern, kann also vieles beobachten. 

 

 

Auf der benachbarten Insel Peterman sieht man außer der roten Hütte gar nix, keine Pinguine, die hier überall brüten müßten !  Das Wetter ist echt bescheiden...   Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

25.12.:  Frühstück wie fast immer, weil wir früh aufstehen, mit Alexis und Dominique aus Paris. Noch des Nachts verholen wir die kurze Strecke zu den Melchior Inseln und machen ab 9:00 (wir, grüne Gruppe ab 10:00) eine tolle Zodiac Tour zwischen den tief verschneiten Inseln. Die derzeit verlassene argentinische Station ist eingeschneit. Keine Pinguine bis auf einen einzelnen Chinstrap auf einem Eisberg, Sonst, wie in der Paradies Bucht Blauaugenscharben, Antarktische Seeschwalben – auf unserem Schiff sitzt ein Scheidenschnabel, der versucht die Dichtmasse aus den Fensterrahmen zu picken – ziemlich miese Situation für Vögel, die sonst Brutkolonien „putzen“. Wir finden einen geschützten Schlafplatz mit gut 30 Weddell Robben. Und eine Eisscholle mit einem pennenden Seeleoparden und alles tief verschneit. Nachdem es zunächst relativ klar war, nebelt es sich wieder ein. Nach 90 min ist die Pracht zu Ende, wir kommen aufs Schiff zurück, immer noch warm in unseren dicken HH Latzhosen. Als wir zum Essen gehen um 12:30 ist es schon wieder am schneien. Der Kapitän richtet den Bug nach Norden und langsam geht es zurück nach Punta Arenas. Wir haben für heute Laura und Batsheva zum Mittagessen eingeladen, Laura muß leider Ihre Kollegin wegen Seekrankheit entschuldigen. Wir haben gemeinsam einen hochinteressanten Abend.14:30 hält Betshava Bonnet trotz Seekrankheit einen tollen Vortrag über Kaiserpinguine. Sie hat selber bei den Franzosen auf Crozet an Königspinguinen gearbeitet, kommt aus Israel.

 

Auf der Zodiacfahrt im Melchior Archipel haben wir kurzzeitig schönes Licht.   Pano-Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Soviel Schnee und Eis (oben). Am Mauserplatz der Weddellrobben (unten)    Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

Gegen 16:15 Orca Alarm: zwei Schulen Orcas vor dem Schiff, später kommt noch ein Buckelwal dazu. Der Kapitän nimmt sich die Zeit den Walen zu folgen. So muß das Recap auf 17:30 verschoben werden. 18:20 wir sind wieder in der Observation Lounge, die Sicht ist schlecht, es regnet. Ich schreibe gerade diese Zeilen. Die Bordkünstler wollen uns eine halbe Stunde lang bespaßen, dann gibt’s um 20:00 Essen in beiden Restaurants. Wir bevorzugen die legere Atmosphäre oben mit Selbstbedienung, da kann man vom leckeren Fisch als Vorspeise oder Hauptgericht direkt zum Dessert (Renate Eis, ich frisches Obst, manchmal etwas Käse) übergehen. Und verplempert nicht immer zwei Stunden mit Essen… 

 

Orcas vor dem Schiff: rechts vor der Mutter mit Kind tauchen zwei weitere Tiere                          Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

26.12.: Die See wird deutlich rauher… Es gibt zwei Vorträge: einen von der EL über Charcot (nur Renate geht hin) und nachmittags berichten die vier längerfristig auf Stationen Sommer wie Winter arbeitenden Lektoren (u.a. Remi, Daphne, Betshava und Lucia) sehr anschaulich über ihre Arbeitsbedingungen vor Ort: mit einem Wort schon die Anreisen sind abenteuerlich, erst recht die Feldarbeit bei schlechtem Wetter. Es schaukelt aktuell auch ganz gut, genau genommen es stampft, weil die Wellenfrequenz nicht mit Schiffslänge und Wellenabstand korrespondiert, aber das Schiff rollt auch bei starkem Seitenwind nur unmerklich. Da aber aus Rollen und Stampfen dann Schlingern würde – was besonders seekrank macht – geht es den Meisten ganz gut. Auch Renate merkt nix. Früher hab ich ja noch gedacht „Weicheier“, aber gelernt, daß man das Innenohr und den Gleichgewichtssinn nicht willentlich außer Kraft setzen kann… Dann läßt der Wind gegen Spätnachmittag wieder nach. Draußen auf Deck 5 werde ich von der Gischt zu naß und ziehe mich auf dem Balkon zurück, nur um da nochmals geduscht zu werden. Der Wind ist Schuld. Also Observation Lounge, dort wird man mit gutem Cappuccino oder Espresso und Jazz betüttelt und kann in aller Ruhe schreiben. Abends essen wir zusammen mit Lucia Simion. Sie hat in Italien und Paris Medizin studiert und sich dann für Wissenschaftsjournalismus entschieden. Hat auch ein Buch über die AA verfaßt. Und sie war Teilnehmerin einiger Expeditionen und auch Eisbohrungen in der Antarktis. Sehr interessantes Gespräch, wir verquatschen uns dann noch in der Bar…

27.12.: Obwohl wir im Windschatten von Feuerland sind, bläst es ganz schön. Guter Vortrag des Schiffsingenieurs über die viele neue Technik in der Commandante Charcot. Auch ihm merkt man – wie vor allem dem Kapitän Garcia – einen gewissen Stolz auf diesen neuen, mit innovativer Technik vollgestopften Supereisbrecher an. Die Stabis arbeiten wieder wundervoll bei dem typischen Seitenwind hier im südlichen atlantischen Ozean. Wir packen, alles paßt noch rein, hurra. Heute Abend noch Gala-Diner, Morgen geht’s früh los, zurück an Land. LEIDER, ich könnt' noch so ein zwei Wöchelchen bleiben.

 

Rußalbatros oder Light-mantled Soothy Albatross auf Höhe der Adelaide Insel, ziemlich weit südlich für diese Spezies   Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

28.12.: Um 8:30 verlassen wir das Schiff machen eine Stadtrundfahrt und landen um 12:00 etwas außerhalb in einem Restaurant, wo es Häppchen gibt. 13:00 Weiter zum Flughafen. 17:30 am Bus, 18:30 im Hotel; da waren wir vor 20 Jahren schonmal mit der Gruppe der Bremen. Um 19:45 hole ich unsere Gepäck selbst, da stehen noch viele Koffer rum. Um 20:30 gibt’s ein kleines Dinner, wir setzen uns noch etwas in den Hotelgarten. Ich bin geschafft. Ins Internet ist auch schwierig, Bevor ich noch KLM checken und nach Hause mailen kann, fliege ich immer wieder aus dem Netz..

29.12.: Die Nacht ist kurz: 6:30 aufstehen, 7:00 Frühstück, nix ist fertig, muß ein bischen knurren um rechtzeitig Kaffee und Rührei zu bekommen, um 7:20 steht der Fahrer in der Tür und fragt nach uns. Total wach und pünktlich, aber das ist gar nicht der Fahrer, sondern der Reiseleiter, Fahren tut eine Frau, ganz ruhig mit einem schönen MB Vito für uns ganz allein. Dank an Polaris-Tours für die perfekte Organisation. 30 min später sind wir schon am Flughafen, der Reiseleiter organisiert einen Kofferdolly und bringt uns zu Schalter, wo wir fix einchecken können. Da wir nach Frankfurt fliegen, gelten die strengen Einreiseprotokolle für Schiphol für uns nicht: Pass, Flugschein und dieses chilenische „Mevacuno“ QR-Zertifikat (da sind alle unsere Impf- und Testdaten drin) reichen, nichtmal unseren letzten Antigen-Schnelltest von der Doktorin des Schiffs (die gleichzeitig die Chefärztin der Reederei ist, erfahren in der Notfallmedizin, die in Kriegsgebieten wie Bosnien gearbeitet hat) wollen Sie sehen. Wir haben reichlich Zeit. Die Lounges sind geschlossen und wir suchen uns ein stilles Plätzchen hinter Ausreise- und Sicherheitskontrolle, um noch ein gutes Stündchen zu pennen. Dann geht’s zum Gate E10, so ziemlich am Ende des Flughafens. Die Maschine füllt sich nur langsam, weil alles was in Amsterdam aussteigt, diverse Papiere vorlegen muß, u.a. einen max. 48 h alten PCR-Test und, natürlich eine auch in Europa gültige Impfbescheinigung. Die Chilenen haben anfangs auch chinesischen Impfstoff benutzt, der in der EU aber nicht zugelassen ist, wenn man dann nicht mit Moderna oder BionTec nachgeimpft wurde, ist man außen vor. Die Verzögerung beträgt 40 Min., gut das wir in Amsterdam 3h Aufenthalt haben, da bleiben da jetzt noch gute 2 von übrig. 13-14h in der Maschine können ganz schön lang werden. Aber die Pilotin der KLM gibt Gas und holt die Verspätung wieder rein. Zurück in FFM gibt es auch keine Eisreisekontrolle, nur eine SMS der Bundesregierung, die auf die Corona-Quarantäne Bestimmungen hinweist, na toll…

 

 

Der Räuber pennt und Beute geht derweil "fischen"                                                                                                                 Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

Fazit zum neuen Schiff:

Ein Supereisbrecher, der locker 2,5 m Eis bricht, aber auch fast 300.000.000 € gekostet hat. Zum Vergleich, der neue brit. Forschungs-Eisbrecher war 100.000.000 € „billiger“. Technisch wurde hier wohl an nichts gespart und vieles ist auch im Schiffsbau neu. So fahren wir diesel-elektrisch und bald auch nur noch LNG-elektrisch, oder mit einer 50.000 kg schweren Lithiumbatterie nur mit Strom, so wie das bald in allen norwegischen Häfen Vorschrift ist. Die Propeller an den beiden „Pods“ (=Motorgondeln) sind aus dickem Edelstahl und können bis zu Garagengroße Eisstücke in Crush Ice verwandeln ohne Schaden zu nehmen. Die kombinierte Maschienenanlage hat mehr als 60.000 PS zu bieten. Gut doppelt soviel, wie die etwa gleichgroße Kapitan Khlebnikov auf die Antriebswellen bringt. Die Ausstattung enspricht einem 5*+ Standard wie auch die Qualität der Hotellerie, wie Lounges, Kabinen und Restaurants. Das Personal ist entsprechend geschult, zuvorkommend und sehr hilfbereit, wenn‘s mal ein bißchen schaukelt.  Das Internet funktioniert zu 90% der Zeit, nur wenn wir nah unter Land fahren wie im Gullet oder Lemaire Kanal und der Satellit von den Bergen verdeckt wird, geht es natürlich nicht.

 

Toll stabilisiert, die Charcot rollt so gut wie nicht                                                 Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

Kommen wir zu einem Kritikpunkt: dem Einsatz der Zodiacs. Bis die alle 8-10 vom Deck 10 am Kran 30 m heruntergelassen sind, braucht es über eine Stunde, dann fährt zwischendurch schon das Expeditionsteam gucken und bringt die Sicherheitsausrüstung an Land, sind zwei Stunden weg. Bei der neuen Ultramarin werden die 20 Zodiacs über ein Sidegate ausgeladen, wir werden im Sommer in Spitzbergen sehen, wie das funktioniert.

Auch das Ausbooten der Paxe dauert im Vergleich zu gut und schnell organisierten Schiffen relativ lange. Das liegt nicht am Expeditionteam  - wie ich betonen möchte – sondern an den Umständen. Damit das Schiff mit seinen schönen hellen Möbeln in den Lounges und Teppichböden, sauber bleibt, gibt auf  Deck 3 eine Stiefelraum mit allen Stiefeln, jeder Gast ha seine Nummer auf der Zimmerkarte stehen, es werden immer 10+10+10  aufgerufen (Grüne Gruppe), die kommen komplett angezogen und mit Schwimmweste und Zimmerkarte im Ärmel der Jacke runter, schlüpfen in die Stiefel und warten dann auf guten Sitzplätzen und Sofas. Draußen gibt es eine Zodiacplattforn auf Deck 2. Man muß die Leute ausladen (sehr gut geschultes Personal) die Außentreppe hoch nach Deck 3, dann können die Neuen die Treppe runter und ins Zodiac. Dauer pro Boot bis zu 10 min. Das ist zulange. Wenn man 100 Leute anlandet sind das 100 Minuten. Man brauchte also eine 2.Treppe um die Ankommenden vorbei an der Abgehenden zu führen. Dann ginge das wesentlich schneller. Wir haben seit 12/95 vielleicht >1.000 Zodiactouren auf dem Buckel, auf vielen verschiedenen Schiffen in der Arktis wie der Antarktis und können daher Vergleiche ziehen. Es liegt, um es nochmals zu betonen nicht am Expeditionsteam, das fährt prima die Zodiacs und macht auch sonst einen wirklich guten Job, sondern an der Engstelle des Be- und Entladens der Boote.

 

 

 

    

Stiefelraum und Zodiac am Sidegate und die Treppe rauf zu Deck 3                                Fotos © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

 

Wetter: die Station Rothera auf Adelaide Island verzeichnete im Dez. 2021 18 Tage mit Schneefall, eine kompletten Tag ohne Daten, vier Tage mit Regen und am Monatsende erst drei Sonnentage. Sonst Nebel oder Wolken. das ist ungewöhnlich schlecht, selbst im letzten, unterdurchschnittlichen Jahr 2020 waren es nur 9 Schneetage.

 

Trotz Wetter: das Expeditionsteam hat gute Arbeit geleistet !   Unsere Kollegin Laura Jourdan, (erste Reihe links)             Foto © Achim Kostrzewa, 12/2021

 

Plan im Vergleich zu gemachten Exkursionen: da sieht es eher trübe aus:

Detaile Insel Anlandung nicht möglich - zuviel Eis

Jenny Island nur Zodiacfahrt, später für die 2. Gruppe abgebrochen wegen zuviel Wind (40 Kn)

Pourquoi pas ? Insel  Anlandung nicht möglich wegen zuviel Wind (40 Kn)  

Matha Bay-The Gullet- Hanusse Bay  den Gullet von Norden her zu passieren funktioniert nicht wegen dickem Packeis, wir parken im Eis machen dort Exkursion

Adelaide Insel/The Gullet  wir umrunden die Insel und passieren den Gullet von Süden

Marguerite Bay Anlandungen nicht möglich - zuviel Eis

Charcot Insel   Anlandung nicht möglich wegen Eisgürtel um die Insel; parken zwei Tage im Eis nördlich und südlich der Insel. Wanderungen u.a. Aktivitäten

Peter I. Insel  wegen Zeitverlust nicht möglich, hätte zwei Tage gedauert

Auf der Rückreise wollen wir noch etwas Alternativprogramm realisieren: nach Peterman Island und durch den Lemaire Kanal in die Paradise Bay.

Peterman Island  ist völlig verschneit, Anlandung nicht möglich, keine Pinguine oder Kormorane zu sehen an den bekannten Brutplätzen. Auch die Pleneau Insel ist voll verschneit. Man sieht eine Reihe von Eselspinguinen, sonst nix

Lemaire Kanal  Durchfahrt möglich, leider ist die Sicht sehr schlecht

Paradise Bay/Almirante Brown  Zodiacfahrt mit anschließender Anlandung: die Crew hat uns eine Treppe für sechs Meter Höhenunterschied durch den Schnee gegraben!

Melchior Islands  sehr schöne Zodiacfahrt zwischen den hochverschneiten Inseln, das liegt quasi am Weg zur Drake Passage

Walbeobachtugen Richtung Drake Passage: wir sichten zwei Schulen Orcas und eine Gruppe Buckelwale. Der Kapitän fährt den Walen langsam ca. zwei Stunden hinterher, Mittagessen und ein Vortrag werden unterbrochen/verschoben

 

   

Auch wenn das Wetter mal nicht so gut ist: Antarktis lohnt sich für uns immer !                     Fotos © Kostrzewa, 12/2021

 

Fazit der Reise: für uns sehr schöne EXPEDITIONSREISE, Wetter und Eisverhältnisse waren für Weihnachten nach unserer langjährigen Erfahrung extrem schlecht, DA KANN MAN NIX MACHEN. Die Möglichkeiten des Eisbrechers und der ausgedehnten Eisfahrten haben uns aber viele neue Erkenntnisse vermittelt. Alles in allem gelungen und empfehlenswert ! Leider hatten die Pinguine und strandbrütenden Seevögel ein sehr schlechtes Jahr ohne Bruterfolg.

 

Quellen & Dank:

Ancel et al. 2017,  Looking for new Emperor Penguin colonies? Filling the gaps, 2017, Global Ecology and Conservation, 9, 171–179.

Black, C.E.  2016, A comprehensive review of the phenology of Pygoscelis penguins, Polar Biology  39:405–432

Fretwell et al. 2014, Emperor Penguins Breeding on Iceshelves, 2014, PlosOne, Vol. 9, Issue 1, e85285

Wege M. et al. 2021 Distribution and Habitat Suitability of Ross Seals in a Warming Ocean, Frontiers in Marine Science, Vol. 8, 956430

 

Laura Jourdan (www.laurajourdan.com) für Fotos der Jason Peninsula Kaiserpinguin Kolonie

*Gerhard Müller & Peter Fabel für ihre Auskünfte zum grönländischen "Tut"

 

Text & Fotos © Achim Kostrzewa, Nachdruck und Zitate nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors, widerrechtliche Nutzung wird verfolgt.

Disclaimer: wir stehen in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Ponant und haben die Reise selbst bezahlt, wie alle Antarktisreisen der letzten 10 Jahre.